Weinstadt

Weinstädter belästigt Mädchen

Schild Amtsgericht Waiblingen Symbol symbolbild gericht verhandlung
Symbolbild. © Joachim Mogck

Weinstadt/Waiblingen. Er hat eine damals Zehnjährige aufgefordert, ihm ein Bild von ihren nackten Brüsten zu schicken und diese auch vor einer Webcam zu zeigen: Anton O. aus Weinstadt ist dafür am Donnerstag von Amtsrichter Armin Blattner zu einer Geldstrafe von 5400 Euro verurteilt worden. Der heutige Familienvater gestand die Tat.

Herausgekommen ist alles, weil sich das Opfer aus dem Frankfurter Raum an seine Eltern gewandt hat. Anton O. hatte es laut den Chatprotokollen des Instant-Messaging-Dienstes Skype vor vier Jahren über mehrere Tage kontaktiert. Er schrieb dem damals zehnjährigen Mädchen, dass er 16 Jahre alt sei, obwohl er in Wirklichkeit bereits Anfang 30 war. In seinen Chatnachrichten wollte er von dem Mädchen wissen, ob es bereits einen Busen habe und ob es bereit wäre, ihm diesen vor der Webcam zu zeigen. Das lehnte das Mädchen ab. Auch der Aufforderung, Fotos von ihren Brüsten zu schicken, kam sie nicht nach. Stattdessen offenbarte sie sich ihren Eltern, die sich an die Polizei wandten – und die kam so auf den heutigen Familienvater.

Übers Internet versucht, Kontakt zu Minderjährigen zu bekommen

Bereits im Vorfeld der Verhandlung zeigte sich der heute 37-Jährige aus Weinstadt geständig. Auf diese Weise musste das Opfer nicht vor Gericht aussagen. Lediglich der zuständige Beamte der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen wurde bei der Verhandlung am Donnerstagnachmittag als Zeuge vorgeladen. Er erhielt die Akten von den Kollegen aus Rheinhessen und leitete die Durchsuchung in der Wohnung des Weinstädters, der dort mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen, heute zweieinhalbjährigen Kind lebt. Der Laptop des Angeklagten wurde beschlagnahmt und durchsucht. „Kinderpornografie war nicht drauf“, betonte der Kriminalbeamte vor Gericht. Alle verfügbaren Skype-Protokolle seien ebenfalls grob gesichtet worden. Zugriff hatten die Ermittler auf die Jahre 2011 bis 2015. „Da ist mir aufgefallen, dass er versucht hat, Kontakt herzustellen zu Minderjährigen.“ So gab es einen Chat mit einem anderen Mädchen, in dem über Kondome gesprochen und ein gemeinsames Sex-Treffen vereinbart wurde, zu dem es nach Befragung der heute 17-Jährigen aber nie gekommen sein soll.

140 Tagessätze zu je 60 Euro

Gestanden hat der 37-jährige Weinstädter zumindest die sexuelle Belästigung des Mädchens aus dem Frankfurter Raum. Die Staatsanwältin forderte aufgrund des guten Einkommens von Anton O. eine Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je 60 Euro – das wären 8400 Euro. Der Verteidiger des Weinstädters plädierte dagegen für das Mindeststrafmaß von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro – also insgesamt 2700 Euro. Er führte zugunsten seines Mandanten an, dass dieser ohne Vorstrafe sei, alles gestanden habe und die Tat bereits vier Jahre zurückliege. Zudem sei es lediglich beim Versuch geblieben. „Dem Opfer ist zum Glück nichts passiert.“ Auch habe der Angeklagte durch sein Geständnis dem Mädchen eine Befragung erspart.

Amtsrichter Armin Blattner verurteilte Anton O. schließlich zu 90 Tagessätzen zu je 60 Euro, also insgesamt 5400 Euro Geldstrafe. „Dass das überhaupt nicht in Ordnung ist, was hier gelaufen ist, ist klar.“ Ob die Tat nur die Spitze vom Eisberg sei, wisse man nicht. Beweisen lässt sich nur eine sexuelle Belästigung. Klar sei aber, dass es bei einer weiteren Tat des Weinstädter Familienvaters zu einer deutlich höheren Strafe kommen werde. „Es darf in Zukunft nichts mehr sein.“


Tatort Internet

Sexuelle Belästigung findet online überall statt – auf Facebook, Whatsapp oder wie im vorliegenden Fall per Skype. Laut einer österreichweiten Studie des Instituts für Jugendkulturforschung haben 27 Prozent der Kinder und Jugendlichen schon einmal sexuelle Belästigung oder Gewalt online erlebt. Oft stellen die Täter im Chat Fragen mit sexuellem Inhalt.