Weinstadt

Weinstädter Forscherin veröffentlicht in Science

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Für ihre Forschung hat Jennifer Zenker (34) nächtelang im Labor gearbeitet – manchmal 30 Stunden am Stück. Als belastend hat das die sportliche Weinstädterin nicht empfunden. „Die Zeit verging wie im Flug.“ © Leonie Kuhn

Weinstadt. Es ist der bislang größte Erfolg ihres Lebens: Jennifer Zenker aus Weinstadt, zurzeit in Singapur als Biologin aktiv, veröffentlicht erstmals einen Artikel in Science – immerhin eine der wichtigsten wissenschaftlichen Fachzeitschriften auf dieser Welt. Inhaltlich geht es darin um die Ausbildung des inneren Zellskeletts. Ihre Ergebnisse sollen mithelfen, Heilverfahren für bestimmte Krankheiten zu entwickeln.

Es waren zweifelsohne viele Nächte, die Jennifer Zenker in den vergangenen Monaten im Labor verbracht hat. Ihr Leben hat sich da hauptsächlich um Mäuse und deren Embryos gedreht. Eine Woche nach der Befruchtung hat sie die Embryos immer isoliert – und die Befruchtungen fanden stets nachts statt. „22 Uhr bis 4 Uhr war die heiße Phase“, sagt die 34-Jährige. Also blieb Jennifer Zenker wach, an manchen Tagen arbeitete sie nach eigener Aussage bis zu 30 Stunden am Stück. „Die Zeit verging wie im Flug – es ging alles ruck, zuck.“

Sieben Tage die Woche gearbeitet

Um all das durchzustehen hat es der in Weinstadt aufgewachsenen Wissenschaftlerin natürlich geholfen, dass sie schon immer sportlich sehr aktiv war. Anstrengend waren die Untersuchungen mit den Mäusen am hochrenommierten A-Star-Institut in Singapur natürlich trotzdem, zumal Jennifer Zenker nicht einfach an den Wochenenden ausspannen konnte. „Ich habe sieben Tage die Woche gearbeitet.“ Nun hat sie freilich Gewissheit und kann den bisher größten beruflichen Erfolg in ihrem Leben feiern: „Meine Forschungsarbeit wurde in der weltweit höchst angesehenen Fachzeitschrift Science angenommen.“ Bis dahin war es freilich ein langer Weg.

Am Remstal-Gymnasium packte sie die Leidenschaft für die Biologie

Begonnen hat alles mit den Experimenten im Bio-Leistungskurs ihres älteren Bruders. Fruchtfliegen hat dieser damals kreuzen müssen, was Jennifer Zenker unheimlich fasziniert hat. „Da hat die ganze Story angefangen“, sagt die 34-Jährige. Also wählte sie am Weinstädter Remstal-Gymnasium ebenfalls den Biologie-Leistungskurs – und hat es nicht bereut: „Da war klar, welchen Weg ich wähle.“ Nach ihrem Abitur im Jahr 2002 studierte Jennifer Zenker an der Universität Hohenheim Biologie, machte dort 2007 ihr Diplom und 2012 in Lausanne ihren Doktor. Danach ging es zu den European Molecular Biology Laboratories (EMBL) in Australien, wo sie unter der Leitung von Dr. Nicolas Plachta arbeitete. Und im Jahr 2015 folgte sie dem Umzug des Labors von Nicolas Plachta nach Singapur. Ihre Forschungsaufenthalte wurden durchgehend von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Schweizer Nationalfonds (SNF) und dem Human Frontier Science Fellowship (HFSP) finanziert.

Verbesserung der Methoden zur künstlichen Befruchtung

An den Mäuseembryos hat Jennifer Zenker deshalb so oft geforscht, weil diese zu Beginn nahezu identisch mit dem menschlichen Embryo sind. Für Jennifer Zenker ist dabei nicht nur wichtig, Wissen anzuhäufen, sondern sie treibt auch die Aussicht an, mit ihrer Arbeit etwas beisteuern zu können, um Krankheiten wie Krebs zu behandeln. Für die Heilung eines kranken Organs muss ein Arzt schließlich erst mal wissen, wie in einem gesunden Organ Gewebe entsteht. Auch Methoden der künstlichen Befruchtung könnten laut der 34-Jährigen dank ihrer Forschung verbessert werden.

Das einzige Labor weltweit, das den lebendigen Mausembryo live filmen kann

Konkret geht es in Jennifer Zenkers Veröffentlichung in Science um die Ausbildung des inneren Zellskeletts, bestehend aus Hunderten von feinen Filamenten, also fadenförmigen Zellstrukturen, die auch Mikrotubuli genannt werden. „Eine Fehlregulierung dieser Zellfilamente kann zu Krebs, Nervenschäden oder Unfruchtbarkeit führen“, erklärt Jennifer Zenker. In typischen Zellen entstehen diese Filamente im sogenannten Zentrosom. In der ersten Woche nach der Befruchtung hat der Säugetierembryo laut der Weinstädterin allerdings kein Zentrosom – und somit war bisher unklar, wie in den ersten Tagen während der Entstehung eines Lebewesens das Zellskelett gebildet und reguliert wird. „Unser Labor ist das einzige Labor weltweit, das durch die Anwendung hochmoderner Mikroskoptechnik in der Lage ist, den lebendigen Mausembryo live zu filmen.“


Auch sehr sportlich

Am 9. September wird Jennifer Zenker an den Half-Ironman-Weltmeisterschaften in Chattanooga (USA) teilnehmen. „Nachdem ich 2014 bereits Vizeweltmeisterin geworden bin, möchte ich auch dieses Jahr wieder um eine Podiumsplatzierung mitkämpfen.“ Dabei wird sie unter anderem 750 Meter gegen die Flussströmung schwimmen müssen.

Ihr Arbeitgeber ist Jennifer Zenker in den vergangenen Wochen bei der Vorbereitung für den Half-Ironman auch entgegengekommen, quasi als Ausgleich für die vielen Monate, in denen sie die Nächte durchgearbeitet hat. Darum konnte sie nun auch zuletzt zwei- bis dreimal täglich zum Training. Und so rechnet sich die 34-Jährige gute Chancen aus, zumal sie immer im tropisch-schwülen Singapur trainiert hat, also bei viel belastenderen klimatischen Bedingungen als in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee. „Ich fühle mich super vorbereitet.“