Weinstadt

Weinstädter Nachbarschaftshilfe zeigt, dass auch im Teil-Lockdown niemand alleine ist

Nachbarschaftshilfe
Helferin Silvia Haag und Volkmar Webersinke-Matejka von der Nachbarschaftshilfe. © Benjamin Büttner

Auch in den Tagen des Teil-Lockdowns sei die Bereitschaft der Menschen in Weinstadt, sich für ihre Nachbarn einzubringen und zu helfen, ungebrochen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, das Bewusstsein, dass man füreinander Verantwortung trage, seien höchstens noch ausgeprägter als im vergangenen Frühjahr.

"Ich habe einfach gewusst, dass ich etwas tun muss!"

So stellt sich zumindest die Erfahrung von Volkmar Webersinke-Matejka dar, der zusammen mit einem sechzigköpfigen Team Freiwilliger in Weinstadt weite Nachbarschaftshilfe betreibt. „Ich habe einfach gewusst, dass ich etwas tun muss!“, blickt Webersinke-Matejka auf den März zurück.

Damals sei absehbar geworden, dass die Corona-Pandemie auch in Deutschland zu einem unkalkulierbaren Risiko würde. Unternehmen schickten ihre Mitarbeiter ins Home-Office und in die Kurzarbeit; besonders Ältere und Menschen mit Vorerkrankung seien von den Folgen einer Ansteckung betroffen. Also habe es sich auch angeboten, besonders auf sie zuzugehen und ihnen anzubieten, für sie die Einkäufe und alltägliche Erledigungen zu übernehmen.

Innerhalb kürzester Zeit haben sich 60 hilfsbereite Bürger gemeldet

An einem Wochenende habe er das Projekt angestoßen: eine Webseite gebaut und ins Internet gestellt, eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse organisiert, den Kontakt zur Presse organisiert und Poster entworfen, die in Weinstädter Geschäften und anderen Anlaufstellen aufgehängt werden sollten, um Hilfswillige und Hilfesuchende anzusprechen.

Und natürlich mussten auch Exceltabellen vorbereitet werden, um den Überblick über die Organisation und den Ablauf zu bewahren. Denn schließlich sollte auch keiner der Helfer über Gebühr belastet werden. Das Echo sei überwältigend gewesen, sagt Webersinke-Matejka. Innerhalb kürzester Zeit hätten sich 60 hilfswillige Bürgerinnen und Bürger gemeldet, war die Initiative bei der Stadt und in den Kirchengemeinden als Anlaufstelle für Hilfesuchende gemeldet.

Hilfe ist kostenlos, sogar Unkosten tragen Ehrenamtliche selber

Er sei froh um jeden Hilfesuchenden, der sich gemeldet habe, betont Webersinke-Matejka. „Wir helfen gern! Wer Hilfe benötigt, für den sind wir da.“ Und die Hilfe sei stets auch kostenfrei. Selbst die eigenen Unkosten, etwa fürs Benzin, würden von den Helfern getragen. „Die Dankbarkeit, die man erfährt, das ist die Belohnung.“

"Die Idee der Nachbarschaftshilfe hat mich von Anfang an begeistert"

Zu den ersten Freiwilligen, die bei Webersinke-Matejka vorsprachen, gehörte Silvia Haag aus Strümpfelbach. „Die Idee der Nachbarschaftshilfe hat mich von Anfang an begeistert“, erzählt sie. „Das ist super!“ In Strümpfelbach, erzählt sie, seien die sozialen Bindungen der Menschen nach wie vor eng, die Menschen seien aufeinander bedacht. Es sei aber beeindruckend gewesen, mitzuerleben, wie in Zeiten der Krise die Menschen im Ort noch enger zusammenrückten und die Hilfsbereitschaft einen starken Impuls erfuhr.

"Meine soziale Ader muss gefüttert werden"

Engagement und Einsatz für die Gemeinschaft seien für sie selbstverständlich, sowohl als Elternbeirat in Kindergarten und Schule, bei der Rumänienhilfe wie auch in der Nachbarschaft. „Meine soziale Ader muss gefüttert werden“, meint sie fröhlich. So kümmere sie sich schon seit mehr als drei Jahren um eine über achtzig Jahre alte Dame in Esslingen, in der Nachbarschaft ihrer Mutter, für die sie das Einkaufen mit übernehme, oder die sie ab und an auch mal ins Café begleite. „Die Dankbarkeit, die einem dabei widerfährt, ist immer wieder aufs Neue überwältigend.“

Hilfesuchende wollen wahrgenommen werden

Und dabei gehe es für die Hilfesuchenden nicht nur um die konkrete Handreichung, die für sie erbracht werde, sondern oftmals auch um die Erkenntnis, dass sie überhaupt wahrgenommen und gewertschätzt werden, mit einem Lächeln, einem Gespräch oder einem Telefonanruf. Dies gelte für die neue Nachbarin, die nach der Rückkehr aus dem Urlaub im Süden in Quarantäne musste und über keinen Ansprechpartner verfüge, der währenddessen ihre Besorgungen übernahm, ebenso wie für die Seniorin, der der Gang zur Apotheke abgenommen werden musste.

Helferteam hatte im August Aktivitäten heruntergefahren

So sei es eine fast zwangsläufige Entwicklung gewesen, ergänzt Webersinke-Matejka, dass man das ursprüngliche Angebot von Einkaufshilfe und Erledigungen erweitert habe und nun bei Bedarf auch für die notwendigen Gänge Begleitung anbiete. Im vergangenen August, als sich die Pandemielage beruhigt hatte, habe auch die Initiative ihre Aktivitäten heruntergefahren, berichtet Webersinke-Matejka. Aber den Kontakt untereinander, zum Helferteam, pflegte man weiterhin. Man blieb in den Startlöchern für alle Fälle. Und das war ganz offensichtlich gut so.

Auch in den Tagen des Teil-Lockdowns sei die Bereitschaft der Menschen in Weinstadt, sich für ihre Nachbarn einzubringen und zu helfen, ungebrochen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, das Bewusstsein, dass man füreinander Verantwortung trage, seien höchstens noch ausgeprägter als im vergangenen Frühjahr.

"Ich habe einfach gewusst, dass ich etwas tun muss!"

So stellt sich zumindest die Erfahrung von Volkmar Webersinke-Matejka dar, der zusammen mit einem sechzigköpfigen Team

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