Weinstadt

Weinstadt auch 2021 ohne Weindorf: So sehr schmerzt die zweite Corona-Absage in Folge

Weindorf
Ein geselliger Abend auf dem Weindorf, wie schön das wäre! Doch das Fest in der Beutelsbacher Ortsmitte kann wegen der Corona-Pandemie erneut nicht stattfinden. © Benjamin Büttner

Eigentlich hätte an diesem Freitag das 27. Weindorf in Beutelsbach seine Tore öffnen sollen. Doch aus dem inzwischen schon traditionellen Fest der Begegnung ist nichts geworden! Wie schon im vergangenen Jahr haben die Covid-19-Pandemie beziehungsweise die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung den Traum von einem weinseligen Beginn der sommerlichen Festsaison in nichts aufgelöst. Geblieben ist lediglich die Ankündigung von nasskaltem Wetter.

Dabei hätte es so schön sein können: ein deftiges Chili aus dem großen Topf, eine Schweinskopfsülze mit Radieschen-Vinaigrette oder zart die Geschmacksknospen auf der Zunge schmeichelnde Scampispieße, dazu ein bodenständig charaktervoller Roter, der rubinfarben im Glas schimmert, ein jugendlich frischer, sommerlicher Weißer, und das alles genossen in beschwingter Gesellschaft in weißen Pagodenzelten oder unter Gottes freiem Himmel, dazu gute Gespräche in trauter Runde …

Ein schmerzhafter wirtschaftlicher Einschnitt für die Wengerter

So bitter die erneute Absage schon für alle Festlesfreunde ist: Für die Veranstalter des Weindorfs, ein eigens zu diesem Zweck gegründeter Verein aus Weinstädter Weingütern und Gastronomiebetrieben, stellt das Streichen des Weindorfs mehr als nur einen herben Einschnitt in das Freizeitleben Weinstadts dar. Es handle sich auch um einen schmerzhaften wirtschaftlichen Einschnitt in einer eh schon alles andere als einfachen Zeit für den Remstaler Weinbau, analysiert Daniel Kuhnle im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wohl würden die Vereinsmitglieder die Organisation des Festes stets gemeinsam schultern, erklärt Jörg Schwegler, „jeder hat seine ihm zugewiesene Aufgabe, angefangen bei der Betreuung der jeweiligen Weinkönigin und der Organisation der feierlichen Eröffnung, in die stets auch die Stadt eingebunden ist, über die Verteilung der Stände und das Aufschlagen der 180 Garnituren bis hin zur Müllentsorgung“.

In der Gemeinschaft sei auch die wirtschaftliche Vorleistung zu schultern, denn beim Weinfest handle es sich um eine Kulturveranstaltung, die sich aus sich selbst trage und nicht von der öffentlichen Hand bezuschusst werde, ergänzt Vereinsvorsitzende Martina Unrath.

Das Weindorf ist auch wichtig, weil es den Wengertern ein Forum bietet

Das Weindorf sei deshalb für die Weinerzeuger so wichtig, erklärt Jochen Mayer, da es zum Saisonauftakt ein Forum biete, auf dem sich Weinliebhaber und -erzeuger zusammenfinden und miteinander den jeweils jüngsten Jahrgang kennenlernen und besprechen. Und natürlich sei der Wein ein Kulturgut, das am besten in Gesellschaft genossen werde; allein fließe er einfach nicht so gut. Dies gelte sowohl für Sekt und Roséweine wie auch für einen jungen, fruchtigen Weißburgunder, der nur darauf warte, den Spargel begleiten zu dürfen.

Die sozialen Kontakte bleiben auf der Strecke

„Was auf der Strecke bleibt, sind die sozialen Kontakte. Mit den Kollegen, aber auch all den anderen Leuten, die man auf den Festen trifft und mit denen man persönliche Gespräche führt“, bedauert Siegfried Wilhelm. Dies wirke sich selbstverständlich auch auf die Einnahmen und den Weinabsatz aus.

Trotz Liefer- und Abholservice sowie virtueller Weinproben wandelten Gastronomen und Weingüter miteinander auf einem sehr schmalen Grat und müssten mit massiven Einbußen zurechtkommen, beschrieb Yvonne Ellwanger die akute Situation. Schließlich sei nicht nur das Weindorf abgesagt, sondern alle öffentlichen Veranstaltungen, die in der Summe eine gewichtige wirtschaftliche Rolle als Absatzmarkt spielten.

Löwen-Wirt Schmid: Gastronomie ist durchs Raster gefallen

Irgendwie sei die Gastronomie anscheinend durch alle Raster gefallen, mutmaßt „Löwen“- und „Incontro“-Wirt Florian Schmid. Ursprünglich habe man sich auf das Versprechen der Politik verlassen, dass zum 23. März wenigstens die Außengastronomie öffnen dürfe, nun werde einem die Erlaubnis zur Bewirtung von 50 Personen in Aussicht gestellt. Dabei lohne es sich bei weniger als 500 Gästen noch nicht einmal, eine Toilette zu bestellen.

Dass es wenigstens in dem Rahmen wie im vergangenen Sommer möglich sei, Veranstaltungen unter freiem Himmel abzuhalten, darauf hofft auch Armin Zimmerle. Dies eröffne wenigstens eine kleine wirtschaftliche Perspektive. 2020 hätten derartige Hoffeste schließlich die Inzidenz auch nicht nach oben getrieben, und auf die sorgfältig ausgearbeiteten Hygienekonzepte könne man doch sehr gut zurückgreifen. Und den Menschen fehle ganz offensichtlich das Zehntelglas in der Hand, das sie in Gesellschaft genießen. Das sei ein untrennbarer Bestandteil des Lebensgefühls des Remstals, gehöre einfach dazu.

Veranstalter setzen ihre Hoffnungen auf das Jahr 2022

Für Stefano Del Fine, in der Remstalkellerei für Logistik und Außer-Haus-Veranstaltungen zuständig, stellt das Weinstädter Weindorf ein „prägendes Fest“ dar, und wenn es nun schon zum zweiten Mal ausfalle, dann sei dies sowohl in wirtschaftlicher wie kultureller Hinsicht ein großer Verlust. Was die Weinfeste anbelangt, setzt er seine Hoffnungen mittlerweile bereits auf das Jahr 2022.

Ähnliches gilt wohl auch für Axel Roser vom Weinkeller „Schäfergässle“, der heuer eigentlich das 30. Jubiläum seines Restaurants feiern wollte: „Aber das wird nachgeholt, sobald es möglich ist“, lautete sein Versprechen.

Was ist diesen Sommer möglich? Niemand kann das sagen

Die Pressestelle der Stadt Weinstadt vertritt diesbezüglich den Standpunkt, dass es von den jeweils geltenden Verordnungen des Landes abhänge, ob im Sommer 2021 wieder Veranstaltungen im Stile und Umfang des Vorjahres stattfinden können. Der Wunsch nach solchen Veranstaltungen sei auch bei der Stadt vorhanden und man habe bereits Ideen, die man dann umsetzen könne. Mögliche Szenarien könne man aufzeigen, sobald das Land bekanntgebe, wann und in welcher Form, unter welchen Bedingungen und mit welchen Besucherzahlen Veranstaltungen wieder möglich wären.

Dann wolle man gemeinsam mit den Weingütern und Gastronomiebetrieben wieder Veranstaltungen auf die Beine stellen, die es diesen ermöglichten, ihre Produkte anzubieten und dadurch die Verluste in gewissem Umfang wieder wettzumachen.

Eigentlich hätte an diesem Freitag das 27. Weindorf in Beutelsbach seine Tore öffnen sollen. Doch aus dem inzwischen schon traditionellen Fest der Begegnung ist nichts geworden! Wie schon im vergangenen Jahr haben die Covid-19-Pandemie beziehungsweise die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung den Traum von einem weinseligen Beginn der sommerlichen Festsaison in nichts aufgelöst. Geblieben ist lediglich die Ankündigung von nasskaltem Wetter.

Dabei hätte es so schön sein können: ein deftiges

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