Weinstadt

Weinstadt: Firma Weisenburger will einen Solarpark auf dem Schönbühl bauen

Luftbild Drohne: Jugendheim Schoenbuehl, Weinstadt, 22.08.2017.
Auf dem Schönbühl bei Weinstadt-Beutelsbach wurde bis Ende 2002 ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche betrieben (Archivfoto). © ZVW/Benjamin Beytekin

Im jahrelangen Ringen um die Zukunft des Schönbühl-Areals bei Weinstadt wird aktuell über ein neues Projekt verhandelt – und seit langem steht für das Gelände nicht mehr der Wohnbau im Mittelpunkt. Die Firma Weisenburger, ein Familienunternehmen in dritter Generation mit Hauptsitz in Karlsruhe und rund 900 Mitarbeitern, will in das Gelände des ehemaligen Jugendheims investieren.

Aktueller Eigentümer des Schönbühls ist der Unternehmer Thomas Barth

Dieses befindet sich im Moment im Eigentum von Thomas Barth, einem Unternehmer aus dem Welzheimer Wald, der sich in der Immobilienbranche aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet hat. Mit der Stadt Weinstadt gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Konflikte um die Zukunft des Areals – doch nun könnte ein Durchbruch anstehen.

Geschäftsführer Sven Müller: „Das ist ein zukunftsfähiges Projekt“

Sven Müller, Geschäftsführer der Weisenburger Projekt GmbH, sagte unserer Redaktion, dass auf dem Schönbühl ein großer Solarpark errichtet werden soll. „Das ist ein zukunftsfähiges Projekt.“ Mit dem Weinstädter Baubürgermeister Thomas Deißler und Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Meier hat sich Sven Müller laut eigenem Bekunden bereits getroffen und er hat jetzt den Eindruck, dass alle gemeinsam in die gleiche Richtung wollen, weshalb er auch bereit ist, öffentlich und unter Nennung des Namens der Firma Weisenburger Projekt GmbH Auskünfte zu erteilen.

Die Idee eines Solarparks haben die Stadtwerke Weinstadt zwar schon vor Monaten selbst ins Gespräch gebracht, allerdings war damals nur vom Steinbruch Beutelstein in Endersbach, einer schwäbischen „Route du Soleil“ entlang der B 29 sowie einer Waldwiese im Schnaiter Gewann Vogtshau die Rede.

Weisenburger will den Solarpark selbst betreiben

Das B-Plan-Verfahren für den Solarpark auf dem Schönbühl wird nach Sven Müllers Einschätzung wohl noch ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen. Wenn das Baurecht steht, ist Weisenburger nach eigener Auskunft in der Lage, innerhalb von einem halben Jahr die Solaranlage aufzustellen. Weisenburger würde Eigentümer des Solarparks bleiben und würde ihn auch betreiben, die Stadtwerke Weinstadt würden den Strom abnehmen und ihn an ihre Kunden verkaufen.

Solarparks sind bislang für das 1955 gegründete Familienunternehmen Weisenburger nicht das Hauptgeschäft. „Wir investieren in der Regel in Wohnimmobilien“, sagt Sven Müller. Im Zuge des Ukrainekriegs und der gestiegenen Energiekosten hat sich die Rendite von Solaranlagen noch mal verändert. „Es ist die günstigste Möglichkeit, derzeit Strom herzustellen“, erläutert Sven Müller. So gesehen sei es nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll, in einen Solarpark zu investieren. Ob es zusätzlich dort oben auf dem Schönbühl noch Wohnbau in kleinem Umfang geben kann, ist derzeit laut Sven Müller noch in der Feinabstimmung mit der Stadt.

Entwicklung eines PV-Parks entspricht den Zielen der Stadtplanung

Claudia Leihenseder, Pressesprecherin der Stadt und persönliche Referentin von Oberbürgermeister Michael Scharmann, bestätigte auf Nachfrage, dass es die Pläne für den Solarpark gibt. „Die Gespräche mit der Weisenburger Projekt GmbH stehen noch am Anfang. Beim aktuellen Stand gibt es derzeit noch nichts in der Öffentlichkeit zu sagen.“ Sie bittet um Verständnis dafür, dass die Stadt Verhandlungen nicht über die Presse führt. „Wir werden Sie gerne informieren, wenn es Neuigkeiten zu dem Projekt gibt.“ Grundsätzlich entspreche die großflächige Entwicklung eines PV-Parks auf dem renaturierten Schönbühl den Zielsetzungen der Stadtplanung sowie dem Bestreben der Klimaneutralität.

2014 hat Unternehmer Thomas Barth den Schönbühl gekauft

Ist das nun der Durchbruch in der Entwicklung des nach wie vor brach liegenden Schönbühls? Wird der Gemeinderat mitziehen? Wer die Geschichte des Jugendheim-Areals in den vergangenen Jahren betrachtet, könnte daraus ein Drama in fünf Akten schreiben. Ständig gab es Auf und Abs, auf jeden vermeintlichen Durchbruch folgte ein Rückschlag.

Thomas Barth hatte den Schönbühl einst 2014 vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) erworben. Das ehemalige Heim für schwer erziehbare männliche Jugendliche stand da bereits seit Ende 2002 leer. Der Unternehmer aus dem Welzheimer Wald kam letztlich bei dem Immobiliengeschäft zum Zug, weil die Stadt Weinstadt unter Federführung des damaligen Oberbürgermeisters Jürgen Oswald eine entscheidende Frist verstreichen ließ, um ihr Kaufangebot nachzubessern.

Barths Pläne für eine ökologische Mustersiedlung mit 40 Wohneinheiten scheiterten bald darauf am Widerstand im Gemeinderat und der Stadtverwaltung, ebenso wie der Nachfolgeplan von 2017, auf dem Schönbühl 200 bis 250 Wohneinheiten zu bauen.

Dann entbrannte auch noch ein öffentlich ausgetragener Streit um die Wasserversorgung des Schönbühls, der dann aber im Lauf des Jahrs 2020 beigelegt wurde. Im Herbst 2020 gab es beim Bebauungsplanentwurf ebenfalls eine Einigung, eine moderate Bebauung mit 13 Wohnhäusern schien damals in greifbarer Nähe zu sein – doch dann scheiterte alles letztlich doch wieder an unterschiedlichen Kaufpreisvorstellungen zwischen der Stadt und Thomas Barth.

Umfangreiche Gutachten zum Artenschutz auf dem Schönbühl

Im ersten Quartal des Jahres 2022 wurde die Veränderungssperre für den Schönbühl verlängert. Grund: Das Bebauungsplanverfahren konnte nicht innerhalb der dafür vorgesehenen zwei Jahre rechtskräftig werden. Viel Zeit, hieß es damals von Seiten der Stadt, bräuchten in erster Linie die Gutachten zum Artenschutz. Deren ordnungsgemäße Umsetzung soll dafür sorgen, dass der neue Bebauungsplan rechtssicher ist.

Im jahrelangen Ringen um die Zukunft des Schönbühl-Areals bei Weinstadt wird aktuell über ein neues Projekt verhandelt – und seit langem steht für das Gelände nicht mehr der Wohnbau im Mittelpunkt. Die Firma Weisenburger, ein Familienunternehmen in dritter Generation mit Hauptsitz in Karlsruhe und rund 900 Mitarbeitern, will in das Gelände des ehemaligen Jugendheims investieren.

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Aktueller Eigentümer des Schönbühls ist der Unternehmer Thomas Barth

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