Weinstadt

Weinstadt Jazztage: Pianistin Marialy Pacheco zu Corona und der Männerdomäne Jazz

Joo Kraus Marialy Pacheco
Joo Kraus und Marialy Pacheco sind ein alteingespieltes Team. © Sebastien Anex

Am Donnerstag haben nach zweijähriger Zwangspause endlich die 24. Weinstadt Jazztage beginnen können – als besonderes Highlight spielen am Samstag, 12. März, die beiden Jazzgrößen Joo Kraus und Marialy Pacheco in der Jahnhalle.

Ein Konzert, das schon für März 2020 geplant war und dann wegen Corona verschoben werden musste. Besonders ist dieses Konzert nicht nur, weil die beiden Musiker echte Sterne am deutschen Jazzhimmel sind – Marialy Pacheco ist auch eine der wenigen Musikerinnen, die bei den Jazztagen zu sehen sind.

Frauen sind im Jazz in der Unterzahl

Denn die Jazzmusik ist immer noch eine ziemliche Männerdomäne. Auch ein Blick auf das Programmfoto des Landesjugendjazzorchesters, das am Freitag in der Jahnhalle zu hören war, bestätigt diesen Eindruck: Auch beim Nachwuchs sind die Frauen ganz klar in der Unterzahl.

Eine Ausnahme bildet hierbei das Quartett „Jazzabella“ aus Mannheim: Wie der Name schon vermuten lässt, besteht dieses Ensemble nur aus weiblichen Mitgliedern. Die vier Blech- und Holzbläserinnen sind am Donnerstag, 17. März, in der Jahnhalle zu hören.

Aus Kuba nach Deutschland gekommen

Dass sie bei ihrer Arbeit oft die einzige Frau weit und breit ist, daran hat sich Marialy Pacheco längst gewöhnt. „Ich habe mir den Respekt erarbeitet von den ganzen Jungs“, sagt sie lachend. Die heute 39-Jährige stammt aus Havanna, Kuba. Vor knapp 20 Jahren ist sie nach Deutschland gekommen, ohne Geld und ohne einen wirklichen Plan, erinnert sie sich heute.

Etwas anderes zu machen außer Klavier zu spielen – das sei für sie gar nie infrage gekommen. Sie spielt Klavier, seit sie sieben Jahre alt ist, spielt seitdem jeden Tag. Mit einem Hobby oder einem regulären Beruf, den sie auch lassen könnte, hat das für sie nichts zu tun. „Es ist ein Teil meiner Seele, den ich da jedes Mal in dem Instrument lasse.“

Ihren Beschluss, es in Deutschland zu versuchen, hat sie bis heute nicht bereut. „Ich bin Deutschland dankbar“, sagt sie. „Deutschland hat mir die Türen aufgemacht.“ Unzählige Konzerte habe sie seitdem spielen dürfen und viele Platten aufgenommen. Auch ihre große Liebe habe sie in Deutschland gefunden: Seit zehn Jahren ist Marialy Pacheco verheiratet.

Die Vorurteile enden, wenn sie anfängt zu spielen

Ab und zu eckt sie hier aber auch an, die deutsche Mentalität ist für sie manchmal schwer zu verstehen – gerade, wenn es um ihre Rolle als Frau in der Jazzbranche geht. Die 39-Jährige zieht sich gerne schön an, trägt gerne und oft High Heels. Das sei in Kuba ganz normal und einfach ein Teil ihrer Kultur. Hier löse das nicht selten ziemliche Vorurteile aus.

Hartnäckig halte sich das Klischee, dass hübsche Frauen nichts im Kopf hätten. „Ah, die kann sowieso nichts“ sei eine Einstellung, die ihr oft entgegenschlage, wenn sie zum ersten Mal den Raum betrete. Ein Vorurteil, das aber ganz schnell verfliegt, sobald sie anfängt zu spielen. „Meine Visitenkarte ist, wenn ich am Klavier sitze.“

Als erste Frau erhält sie Preis beim Montreux-Jazz-Festival 

Qualität spricht eben für sich – und bei ihrem Klavierspiel können nicht viele mit der gebürtigen Kubanerin mithalten. Schon im jungen Alter wurde die Musikerin mehrfach für ihr musikalisches Können ausgezeichnet, hat mit vielen namhaften zeitgenössischen Jazzlegenden zusammengespielt – darunter zum Beispiel auch der australische Stargitarrist Tommy Emmanuel.

2012 gewann sie als erste Frau überhaupt den Nachwuchspreis beim Montreux-Jazz-Festival in der Schweiz – einem der größten Jazz-Festivals weltweit.

Joo Kraus' Sound passt perfekt zu ihrer Musik

Marialy Pachecos Musik lebt von enormer Virtuosität, gepaart mit den warmen Klängen ihrer Heimat Kubas, die immer wieder durchschwingen.

Ein feines Gespür für Rhythmus, Melodie und Harmonie zeichnet die Stücke aus. Da braucht es schon einen Joo Kraus, um diesen Sound mit der Trompete nicht zu stören, sondern zu bereichern. Die Zusammenarbeit der beiden Jazzmusiker hat vor sieben Jahren begonnen.

Pacheco zu Joo Kraus: "Er ist ein wunderbarer Mensch"

Marialy Pacheco war gerade dabei, ein Album aufzunehmen. Für ein kubanisches Stück wollte sie einen Trompeter haben. Sie suchte jemanden, der sehr sensibel spielt: „Laid-back und jazzy“, beschreibt die Musikerin es. Daraufhin habe ihr Manager gesagt: „Ich glaube, der Joo Kraus würde perfekt passen.“

Sie ging also los zu einem seiner Konzerte – und ihr gefiel, was sie da hörte. „Dann habe ich ganz frech einfach den Joo gefragt, ob er bei meiner Platte mitmacht.“ Der Trompeter sagte Ja. Seitdem sei Joo Kraus bei fast allen ihren Projekten dabei. „Er ist ein wunderbarer Mensch“, beschreibt Pacheco ihren Co-Star. „Ich freue mich immer, mit ihm zu spielen.“

Ein besonderes Arrangement zum Jubiläum des Armen Konrads

Das Konzert am Samstagabend dürfte etwas ganz Besonderes werden: Sogar für die Pianistin selbst hält die Setlist noch einige Überraschungen bereit. Klar, die Stücke sind ihr bekannt. Doch das Arrangement zusammen mit dem klassischen Streichquartett Lady Strings hat Joo Kraus extra für das 40-jährige Jubiläum des Jazzclubs Armer Konrad neu arrangiert.

Vor dem Konzert wird einmal gemeinsam geprobt – und dann geht es auf die Bühne. Von der kurzen Vorlaufzeit werde das Publikum aber absolut nichts merken. „Das wird klingen, als hätten wir seit sieben Monaten geprobt“, witzelt die Musikerin. Echte Profis eben, da klappt alles wie am Schnürchen.

Die Corona-Zwangspause hat sie mit gemischten Gefühlen erlebt

Die 39-Jährige freut sich, dass es seit Sommer 2021 nach einer Corona-Zwangspause, die für sie und ihre Kollegen einem Berufsverbot gleichgekommen ist, langsam, aber sicher wieder losgeht mit Konzerten vor echtem Publikum.

An das erste Jahr der Corona-Pandemie erinnert sie sich mit gemischten Gefühlen zurück. Auf der einen Seite habe sie die Zeit ohne Konzerte als sehr schwer empfunden, sich als Kunstschaffende von der Gesellschaft und der Politik im Stich gelassen gefühlt.

Endlich Zeit gehabt, ein Projekt umzusetzen

„Aber ich bin nicht in eine Depression oder so reingegangen.“ Stattdessen hat sie die ungewöhnlich viele freie Zeit genutzt, um endlich eines ihrer Herzensprojekte umzusetzen: das Bach-Klavierkonzert in b-Moll einzuüben und aufzunehmen. Unter anderen Bedingungen wäre dafür nie die Zeit gewesen, glaubt die Pianistin.

Gleichzeitig sei da aber ein ständiges Gefühl der Ungewissheit gewesen. Schließlich wusste niemand, wie es weitergeht. Groß die Erleichterung, als dann die ersten Konzerte mit Publikum wieder stattfinden konnten. Am Anfang seien die Menschen aber noch sehr zurückhaltend und verschüchtert gewesen: Langsam, aber sicher kehren sie jetzt in die Konzerthallen zurück.

Ukraine-Krieg: "Musik heilt die Seele"

Im Winter war Marialy Pacheco mit dem deutschen Singer und Songwriter Max Mutzke auf Tour. „Es war jeden Abend voll und ausverkauft“, erinnert sie sich. „Es war toll, ein Gefühl, als wenn nichts passiert wäre.“ Sie wünscht sich sehr, dass die Menschen jetzt langsam wieder zurück zu einer Normalität finden, in der man nicht ständig Angst davor hat, rauszugehen.

„Ich glaube an die Kraft der Musik“, sagt Marialy Pacheco überzeugt. Und gerade in schweren Zeiten mit Pandemie und Krieg in Europa sei diese Kunstform wichtig wie nie: „Musik heilt die Seele.“

Am Donnerstag haben nach zweijähriger Zwangspause endlich die 24. Weinstadt Jazztage beginnen können – als besonderes Highlight spielen am Samstag, 12. März, die beiden Jazzgrößen Joo Kraus und Marialy Pacheco in der Jahnhalle.

Ein Konzert, das schon für März 2020 geplant war und dann wegen Corona verschoben werden musste. Besonders ist dieses Konzert nicht nur, weil die beiden Musiker echte Sterne am deutschen Jazzhimmel sind – Marialy Pacheco ist auch eine der wenigen Musikerinnen,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper