Weinstadt

Weinstadt klimaneutral: Nur mit den Bürgern ist das Ziel erreichbar

Stadt, Stadtwerke und Klimabündnis
Beim Infoabend in der Jahnhalle Endersbach. © Alexandra Palmizi

Weinstadt soll bis 2035 klimaneutral werden. In Bezug auf dieses große Ziel zeigten sich Oberbürgermeister Michael Scharmann, Miriam Ehret, die seit 2017 in Schnait lebende Vorsitzende des Klimabündnisses Weinstadt, der Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH Volker Kienzlen, der Betriebsleiter der Stadtwerke Weinstadt Thomas Meier und Dennis Folk, der Leiter des Stadtplanungsamtes, einig. Auch darin, dass die Weinstädter Bürgerinnen und Bürger gefragt sind, um es zu erreichen.

Wie geht es weiter? Was kommt in der nächsten Woche? Dies seien die Fragen, die alle Menschen in der „Polikrise“ aus Corona-Pandemie, russischem Überfall auf die Ukraine und Energiekrise beschäftigten, konstatierte Oberbürgermeister Scharmann, der die zahlreichen Besucher in der Endersbacher Jahnhalle begrüßte. Sie waren der Einladung der Stadtverwaltung und des Klimabündnisses Weinstadt zu einer „Bürgerveranstaltung“ gefolgt.

OB Scharmann: Gebäude besser jetzt sanieren

Auch in diesen schwierigen Zeiten dürfe man nicht den „Kopf in den Sand stecken“, so das Stadtoberhaupt, denn in jeder Krise stecke auch eine Chance. So sei das Ziel dieser Veranstaltung, Mut zu machen und zu zeigen, was man gemeinsam erreichen könne, um den Klimaschutz voranzubringen, bei dem es nicht nur darum gehe, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie man heize. Angesichts der Folgen des Klimawandels, die immer offensichtlicher werden, handle es sich um das wichtigste Thema überhaupt. Als zertifizierte Klimaschutzkommune, mit den Stadtwerken als Vorreiter, einem Baudezernenten, der die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED vorantreibe und einem Klimaschutz-Aktionsplan, an dem man gerade arbeite, müsse Weinstadt nicht „bei null“ beginnen. Klimaneutralität bis 2035 sei eine große Herausforderung, die Geld koste. Dafür müsse priorisiert und investiert werden, „aber angesichts des hohen Strompreises tut man sich was Gutes, wenn man jetzt saniert“.

Erhalt der Streuobstwiesen ist ein Beitrag

Ohne die Weinstädter Bürger würde es das Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden nicht geben, betonte Miriam Ehret und verwies auf den vom Klimabündnis initiierten Einwohnerantrag. Ebenso wenig gäbe es das Amt des Klimaschutzmanagers Friedrich Huster. Stadtverwaltung, Gemeinderat und Bürger bestellten den Boden für Weinstadts Weg in die Klimaneutralität. Dabei handle es sich um keinen Spaziergang, sondern eher um eine extreme Bergtour mit Sonne, Regen, Sturm und Gewitter. Man werde hart arbeiten müssen, um bis 2030 50 Prozent der Energie aus heimischen Quellen zu gewinnen. Dazu verwies Ehret auf die Herausforderungen, für das geplante Hallenbad ein nachhaltiges Energiekonzept zu entwickeln und die für einen Windpark notwendigen Flächen zu suchen. Darüber hinaus müsste man sich über die erneuerbaren Energien hinaus unter dem Motto „Global denken, lokal handeln“ entscheiden, wie man esse und einkaufe. Selbst der Erhalt der Streuobstwiesen sei ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz.

Gute Standorte laut Windatlas

Klimaschutz und Mobilität der Menschen stellen zentrale Zukunftsthemen dar, betonte Volker Kienzlen. Der Ukrainekrieg habe die Rahmenbedingungen geändert, indem er die Abhängigkeit vom Erdgas vor Augen führte und dazu zwinge, die Nutzung fossiler Energieträger zu reduzieren. Das Ziel Weinstadts, bis 2035 klimaneutral zu werden, sei ambitioniert, aber nicht ambitioniert genug, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Und, so seine Warnung, die Welt nähere sich immer schneller, als bisher befürchtet, den „Kipppunkten“ Abriss des Golfstroms und Zusammenbruch des grönländischen Inlandeises. Der kommunale Klimaschutz stelle ein komplexes Thema dar, das sich nicht in wenige Einzelmaßnahmen gestalten lasse, und auch in Weinstadt gebe es noch „Luft nach oben“. Es gebe noch viele Dächer, die dafür intensiv genutzt werden könnten, und der Windatlas weise gute Standorte aus. Denn es blieben nur die erneuerbaren Energien übrig, damit in Baden-Württemberg das Möglichste getan werde, um die Energieversorgung zu sichern. Die Bürger seien gefordert, „nachhaltig“ mit Fahrrad, zu Fuß, dem öffentlichen Personennahverkehr oder dem Elektroauto unterwegs zu sein, sparsam zu heizen, ihre Häuser energetisch zu sanieren, Solaranlagen zu installieren und sich regional, saisonal, „bio“ und fleischarm zu ernähren.

Privathaushalte verbrauchen 43 Prozent der Primärenergie

Vor einer „riesigen Aufgabe“ stünden die Stadtwerke in den kommenden Jahren, betonte auch Thomas Meier. „Wir sind breit aufgestellt, um alles zu bewältigen“, versicherte er. „Dekarbonisieren“ müsse man den gesamten Primärenergiesektor, an dem zu 43 Prozent die privaten Haushalte beteiligt seien, zu 34 Prozent das Gewerbe, zu drei Prozent die kommunalen Liegenschaften und zu 20 Prozent der Verkehr, und dies angesichts eines nach wie vor wachsenden Energiebedarfs. „Die Stadt weiß, welche Heizung in welchem Gebäude in Weinstadt betrieben wird“, versicherte Meier. Um die 6500 Gebäude in Weinstadt „klimagerecht“ zu machen, sei eine „sehr gute, realistische Strategie“ notwendig.

Dennis Folk wiederum verwies darauf, dass das Stadtplanungsamt seit Jahrzehnten das Ziel der Nachhaltigkeit verfolge, indem es seit Jahrzehnten sparsam mit Grund und Boden umgehe. Für den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik habe man bereits im Sommer einen Flächen-Suchlauf gestartet und untersuche erste Flächen, wie das Gewann Vogtshau im Stadtteil Schnait sowie den alten Steinbruch Beutelstein in Endersbach. Im Laufe des kommenden Jahres wolle man einen Mobilitätsentwicklungsplan fertigstellen, in den das gesamte Stadtgebiet und seine 26 900 Bürger miteinbezogen seien. Zudem sei Weinstadt eine von 18 Kommunen, die sich an der Holzbauinitiative des Landes beteiligten.

Weinstadt soll bis 2035 klimaneutral werden. In Bezug auf dieses große Ziel zeigten sich Oberbürgermeister Michael Scharmann, Miriam Ehret, die seit 2017 in Schnait lebende Vorsitzende des Klimabündnisses Weinstadt, der Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH Volker Kienzlen, der Betriebsleiter der Stadtwerke Weinstadt Thomas Meier und Dennis Folk, der Leiter des Stadtplanungsamtes, einig. Auch darin, dass die Weinstädter Bürgerinnen und Bürger gefragt

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