Weinstadt

Weinstadt: Pénélope Perivolaris mietet Grundstück für ihr eigenes Tiny House

TinyHouse
Pénélope Perivolaris (68) hat für 15 Jahre ein Grundstück in Weinstadt gemietet, auf dem sie sich ein Tiny House aus Holz bauen ließ. Das Gebäude gehört ihr selbst, errichten ließ sie es von der Firma Pallmann aus Welzheim. © ZVW/Gaby Schneider

„Ich hatte eine Vorstellung, wie das Haus aussehen soll“: Pénélope Perivolaris (68) hat sich auf einem Grundstück in Weinstadt ein eigenes Tiny House nach ihren Wünschen bauen lassen – und ist vor rund zwei Wochen eingezogen. 3,5 Meter breit und acht Meter lang ist das größtenteils rot gestrichene Haus, dazu vier Meter hoch. Insgesamt hat die Rentnerin nun 28 Quadratmeter, ein bisschen mehr als in ihrer früheren 26-Quadratmeter-Mietwohnung in der Innenstadt von Stuttgart, in der sie zwölf Jahre wohnte. Es gibt allerdings eine Besonderheit: Das Grundstück, auf dem das Tiny House in Weinstadt steht, hat Pénélope Perivolaris nur gemietet.

Erstgespräch mit der Firma von Madeleine Krenzlin im November 2020

Die Suche danach war für die 68-Jährige schwierig. Sie hielt in verschiedenen Gemeinden und Städten Ausschau, nahm den Kontakt zu Bürgermeistern auf, doch alles verlief im Sand. Hin und wieder gab es auch Angebote, ein Grundstück zu kaufen, etwa in Bietigheim-Bissingen im Landkreis Ludwigsburg. 360.000 Euro, sagt Pénélope Perivolaris, hätte sie dafür allein für den Grund zahlen sollen – viel zu viel Geld für die Rentnerin.

Schließlich meldete sie sich bei der Firma IndiViva, die sich als Projektbegleiter für die Planung von Tiny Houses versteht. Inhaberin Madeleine Krenzlin arbeitete rund sieben Jahre als Angestellte im Bereich Erneuerbare Energien, ehe sie sich mit ihrem Planungsbüro mit Sitz in Schornbach selbstständig gemacht hat. Im November 2020 führte sie mit Pénélope Perivolaris das Erstgespräch – und durch die Begegnung kam es für die Rentnerin zur entscheidenden Wende.

Der Mietvertrag wurde im Frühjahr 2021 unterschrieben

Madeleine Krenzlin hat nämlich auch Kunden, die bewusst ein Grundstück für ein Tiny House bereitstellen wollen. Dabei gibt es auch Leute, die ihren Grund und Boden nur vermieten möchten. Heißt: Das Tiny House können Interessenten selbst bauen lassen, das Grundstück bleibt im Eigentum eines anderen. Genau dieses Modell kam für Pénélope Perivolaris infrage.

Im Frühjahr 2021 schließlich, nach einem Bericht unserer Redaktion über Madeleine Krenzlin, meldete sich ein Eigentümer bei der Firma IndiViva – und der hatte das passende Grundstück zum Mieten für Pénélope Perivolaris. Der Mietvertrag wurde noch im Frühjahr 2021 unterschrieben, mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Auf diese Weise hat die Rentnerin genug Sicherheit, dass sie mit ihrem Tiny House nicht nach ein paar Jahren wieder umziehen muss.

Ende Dezember 2021 kam der positive Bauvorbescheid

Bei der Stadt Weinstadt musste für das Vorhaben natürlich eine Baugenehmigung eingeholt werden. Bald nach Unterzeichnung des Mietvertrags stellte Madeleine Krenzlin für ihre Kundin eine Bauvoranfrage, um zu klären, ob auf dem Grundstück grundsätzlich ein Tiny House möglich wäre. Es dauerte dann rund ein halbes Jahr, ehe Ende Dezember 2021 der positive Bauvorbescheid bei Pénélope Perivolaris ankam. Im Anschluss wurde weiter am Entwurf gefeilt, ehe die 68-Jährige im Frühjahr 2022 den Bauantrag bei der Stadt einreichte.

Mit dem Bau beauftragte Pénélope Perivolaris die Firma Holzbau Pallmann aus Welzheim. Diese fertigte auf Basis des Entwurfs eine Werksplanung an, bei der es um handwerkliche Fragen ging – also zum Beispiel die Wahl der Baumaterialien. Schließlich zeigte sich, dass sich nicht alle Wünsche umsetzen ließen, da eben manchmal auch Sachgründe dagegen sprachen. So muss zum Beispiel auch an die Erschließung gedacht werden, sprich an die Stromversorgung, den Wasser- und Abwasseranschluss.

„Es sind viele Sachen technisch vorgegeben“, sagt Firmeninhaber Lukas Pallmann. Das gilt auch für die Art, wie geheizt wird. Hier musste sich Pénélope Perivolaris ebenfalls von einem Traum verabschieden. „Ich darf keine Holzheizung haben“, sagt sie. Aufgrund der Nähe zu den Nachbargebäuden müsste die 68-Jährige in ihrem Tiny House in diesem Fall einen etwa neun Meter hohen Kamin errichten lassen – und dadurch würden natürlich auch die Kosten entsprechend nach oben gehen.

Mit der Produktion des Gebäudes begann die Firma Pallmann Ende Mai 2022

Mit der Produktion des neuen Zuhauses von Pénélope Perivolaris legte die Firma Pallmann Ende Mai 2022 los. Rund vier Wochen dauerte die Vorfertigung, der Aufbau vor Ort noch mal drei bis vier Wochen. Natürlich hätte das Tiny House auch im Betrieb zusammengebaut und mit einem Kran aufs Grundstück gehoben werden können – aber dann wären laut Lukas Pallmann „die Kosten fürs Aufstellen wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen“. Aufgrund der Bebauung ringsherum wäre nämlich in dem Fall ein besonders großer Kran nötig gewesen.

Die Baufreigabe erteilte die Stadt Weinstadt im August 2022

Pénélope Perivolaris hat selbst an ihrem Tiny House mitgearbeitet. „Ich habe jedes einzelne Brett grundiert, doppelseitig – und rot gestrichen.“ Nachdem das Haus auf dem Grundstück fertig aufgestellt war, strich sie es noch mal mit roter Farbe. Die Baufreigabe von der Stadt, also den „vollen roten Punkt“, gab es im August 2022. Aufgestellt war das Tiny House Ende August.

Holzdämmung statt Mineralwolle oder Polyurethan-Schaum

Weil das Gebäude fast vollständig aus Holz ist, profitiert Pénélope Perivolaris von den natürlichen Eigenschaften des Rohstoffs. Im Sommer, erklärt Lukas Pallmann, hält das Holz die Hitze besser ab als etwa ein Tiny House, das mit Mineralwolle oder Polyurethan-Schaum gedämmt ist. Geheizt wird mit einer elektrischen Infrarotheizung und einer elektrischen Fußbodenheizung. Das verwendete Holz stammt laut Lukas Pallmann aus dem süddeutschen Raum, die Fenster hat ein Handwerker aus Winterbach angefertigt, die Holzfaserdämmung kommt von einem Betrieb bei Biberach.

Das Tiny House von Pénélope Perivolaris könnte jederzeit versetzt werden. Die 68-Jährige hat aber nicht vor, Weinstadt zu verlassen. Sie hat dort genug Einkaufsmöglichkeiten sowie eine gute Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr – und mit ihrem neuen Zuhause hat sie sich einen Lebenstraum erfüllt. „Ich will nicht mehr umziehen.“

„Ich hatte eine Vorstellung, wie das Haus aussehen soll“: Pénélope Perivolaris (68) hat sich auf einem Grundstück in Weinstadt ein eigenes Tiny House nach ihren Wünschen bauen lassen – und ist vor rund zwei Wochen eingezogen. 3,5 Meter breit und acht Meter lang ist das größtenteils rot gestrichene Haus, dazu vier Meter hoch. Insgesamt hat die Rentnerin nun 28 Quadratmeter, ein bisschen mehr als in ihrer früheren 26-Quadratmeter-Mietwohnung in der Innenstadt von Stuttgart, in der sie zwölf

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