Weinstadt

Weinstadt: Tablet-Verbot an der Reinhold-Nägele-Realschule - das steckt dahinter

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Private Tablet-Computer im Unterricht haben an der Reinhold-Nägele-Realschule für Ärger gesorgt. © Alexandra Palmizi

Die Corona-Pandemie hat im Schulalltag bleibende Spuren hinterlassen: Besonders im Bereich Digitalisierung hat sie in vielen Bereichen Starthilfe gegeben. Weil Schüler in den Lockdowns von zu Hause aus lernen mussten, wurden unzählige mobile Endgeräte angeschafft, Lehrer wurden mit Laptops ausgestattet, die internen Lern-Netzwerke innerhalb der Schulen wurden schnellstmöglich ausgebaut. Doch die Digitalisierung birgt auch Gefahren. Das haben einige Vorfälle an der Reinhold-Nägele-Realschule jetzt gezeigt.

Eltern schaffen private Geräte für die Kinder an wegen Corona

Anders als andere Schulen in Weinstadt, wie zum Beispiel die ebenfalls im Bildungszentrum angesiedelte Vollmarschule, verfügt die Realschule nicht über schuleigene Geräte für alle Schüler, sogenannte Tablet-Klassen gibt es auch nicht. Einige Eltern haben deshalb während der Pandemie eigene Geräte für ihre Kinder anschaffen müssen.

Ungefähr 20 bis 30 Schüler in den neunten und zehnten Klassen haben laut Auskunft der Schulleitung auch nach den Lockdowns an den mobilen Geräten festgehalten und die privaten Tablets im Unterricht statt eines Hefts als „Schreibunterlage“ benutzt. Für einige Schüler funktioniere das auch sehr gut, motiviere sie, berichtet Schulleiterin Stefanie Böhringer.

Fotos und Videos aus dem Unterricht ins Netz gestellt

Allerdings ist es bei dieser Nutzung wohl bei einzelnen Schülern nicht geblieben. Rechte Dritter seien verletzt worden, weil mit den Tablets im Unterricht nicht nur Fotos gemacht worden seien, sondern auch gefilmt wurde und die Bilder und Videos, in denen unbeteiligte Mitschüler und auch Lehrer zu sehen waren, teilweise im Internet gelandet seien, sagt Schulleiterin Stefanie Böhringer. Ein urheber- und datenschutzrechtlicher Albtraum.

Deswegen hat die Schule Konsequenzen gezogen: Die Nutzung der privaten Endgeräte im Unterricht ist vorerst bis Weihnachten für alle verboten. Die Schule brauche die Zeit, um eine Lösung zu finden und gegebenenfalls einen Vertrag aufzusetzen, mit dem die Nutzung solcher privaten mobilen Endgeräte künftig geregelt sein soll. Bis jetzt gebe es nur eine mündliche Absprache zu den Regeln mit den betroffenen Familien, sagt die Schulleiterin.

Vertrag mit den Familien könnte die Nutzung künftig regeln

Es müsse jetzt erst einmal ein sicheres Umfeld für Schüler und Lehrkräfte geschaffen werden, so Böhringer. „Es gibt viele Schulen, die das private Gerät gar nicht erlauben“, verteidigt sie die Entscheidung ihrer Schule. Die Schüler müssen so wie früher auch wieder analog mit Heft und Stift ihre Aufschriebe machen, bis eine Lösung gefunden ist.

Die schuleigenen Tablets dürfen zwar grundsätzlich weiterhin benutzt werden: Dort sei die Kamera-Funktion bereits deaktiviert und die Galerie gelöscht worden. Allerdings hat die Schule nur wenige solcher Geräte, private Tablets können nicht einfach so ersetzt werden.

Die meisten Eltern unterstützen die Entscheidung der Schulleitung - aber nicht alle

„Das Verständnis insgesamt aus der Elternschaft ist sehr groß“, berichtet die Schulleiterin. Dort gehe die Sorge um die Sicherheit der Kinder vor. Einzelne Eltern wehren sich allerdings gegen das Tablet-Verbot. Sie seien überzeugt, dass ihr Kind nicht gegen die Regeln verstoßen habe - das lasse sich aber nicht mehr nachvollziehen, sagt Stefanie Böhringer. Sogar richtig unangenehme E-Mails habe sie deswegen schon bekommen.

Eine der Mütter hat sich wegen des Verbots auch an unsere Redaktion gewandt. Sie findet die Regelung zu weit gegriffen - und in Zeiten des Digitalpakts, wo an den Schulen ihrer Meinung nach eigentlich alles im Zeichen der Digitalisierung stehen sollte, nicht zeitgemäß. Und auch den Familien gegenüber sei es nicht fair. Immerhin hätten die Eltern während des Lockdowns Geld in die Hand nehmen müssen, um dem Kind ein Gerät zum Lernen anzuschaffen. Notgedrungen habe sich das Kind mit dieser Art des Lernens zwei Jahre lang arrangieren müssen und sich jetzt einfach daran gewöhnt. Sich jetzt kurz vor dem Abschluss wieder umzustellen, wäre aus Sicht der Mutter eine Zumutung.

Hätte die Schule die Verstöße durch bessere Anleitung verhindern können?

Sie wünscht sich, dass die Schule die Kinder und auch die Lehrer von vornherein besser in die Nutzung der Geräte eingewiesen hätte. Hier sei viel versäumt worden, glaubt die Mutter. Wenn Persönlichkeitsrechte und Datenschutz im Zusammenhang mit den Tablets mit den Schülern intensiver thematisiert worden wären, hätten sich die Verstöße ihrer Meinung nach verhindern lassen können. Außerdem sei es für sie völlig in Ordnung, wenn Lehrer das Gerät ihres Kindes im Zweifelsfall kontrollieren oder wenn darauf nur bestimmte Anwendungen installiert sein dürfen.

Das sei so ohne weiteres aber nicht möglich, erklärt Stefanie Böhringer. Es handle sich immerhin um private Geräte, ein Lehrer oder auch sie als Schulleiterin dürfe nicht einfach so private Dateien der Schüler durchstöbern oder sonst zugreifen. Ob so etwas mit schriftlichem Einverständnis der Eltern in einem gewissen Rahmen möglich wäre, ist nur eine von vielen rechtlichen Fragen, die die Schule im Moment klären muss. „Wir versuchen, da vor Weihnachten einen Knopf dranzumachen“, verspricht die Schulleiterin jedoch. Urheberrecht und Datenschutz seien außerdem durchaus Teil des Lehrplans und mit den Schülern in Gemeinschaftskunde behandelt worden.

Die Corona-Pandemie hat im Schulalltag bleibende Spuren hinterlassen: Besonders im Bereich Digitalisierung hat sie in vielen Bereichen Starthilfe gegeben. Weil Schüler in den Lockdowns von zu Hause aus lernen mussten, wurden unzählige mobile Endgeräte angeschafft, Lehrer wurden mit Laptops ausgestattet, die internen Lern-Netzwerke innerhalb der Schulen wurden schnellstmöglich ausgebaut. Doch die Digitalisierung birgt auch Gefahren. Das haben einige Vorfälle an der Reinhold-Nägele-Realschule

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