Weinstadt

Weinstadt: Zwei Frauen bewahren die Großheppacher Landfrauen vor der Auflösung

Landfrauen
Von links: Mareike Klopfer (30), Sandra Grauer (33) und ihre Vorgängerin Andrea Beißwanger. © Alexandra Palmizi

Es ist noch nicht lange her, da standen die Großheppacher Landfrauen kurz vor dem Aus: Das langjährige Vorstandsteam mit Andrea Beißwanger, Ute Bauer und Elke Renz stand für die anstehende Wahl vergangenen Herbst nicht mehr zur Verfügung. Nachfolgerinnen für diese wichtige Position wollten sich einfach nicht finden lassen.

Der Verein hatte sich in seiner Verzweiflung deshalb schon an die Waiblinger Lokalredaktion gewandt. Kurz danach haben sich doch noch zwei junge Nachfolgerinnen gefunden, die nun mit vereinter Kraft ein neues Zeitalter einläuten wollen.

Beide hatten davor nichts mit den Landfrauen zu tun

Mareike Klopfer (30) und Sandra Grauer (33) sind beide junge Mütter und glauben fest daran, dass die Landfrauen auch heutzutage noch ihre Daseinsberechtigung haben – und beide sind Quereinsteigerinnen. Mitglied bei den Landfrauen waren beide bis Herbst 2021 noch nicht gewesen. Die zwei Frauen kennen sich von der Arbeit: Sandra Grauer ist angestellt beim Weingut Klopfer, das Mareike Klopfers Mann und ihre Schwiegerfamilie leiten.

Mareike Klopfer sieht ihr neues Ehrenamt auch als gute Gelegenheit, in Weinstadt vollends anzukommen: Sie ist nämlich erst vor zwei Jahren hierhergezogen, ursprünglich stammt sie aus der Heilbronner Gegend. An den Landfrauen gefällt ihr besonders der Austausch von Frauen aus dem Ort ganz verschiedenen Alters, die gemeinsam an einem Strang ziehen und im ständigen Austausch stehen.

Mit den Landfrauen vollends in Weinstadt Fuß fassen

Die 30-Jährige sieht ihren neuen Posten als Vorsitzende der Landfrauen als gute Gelegenheit, um sich vollends in ihrer neuen Heimat Weinstadt zu integrieren und zukünftig mehr einzubringen. „Ich möchte hier ankommen und Fuß fassen“, sagt Mareike Klopfer.

Sandra Grauer ist zwar neu bei den Landfrauen, aber nicht unbedingt unerfahren in dieser Form der Vereinsarbeit: Seit 2007 engagiert sich die heute 33-Jährige bei der Landjugend – einem Zusammenschluss von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im ländlichen Raum. Schon im Rahmen dieses Ehrenamts habe sie immer wieder mitbekommen, wie viel die Großheppacher Landfrauen in ihrem „Flecken“ jedes Jahr leisten.

Nachricht vor möglicher Auflösung treibt die Großheppacher um

Vergangenen Sommer sei dann schließlich ihre Schwiegermutter auf sie zugegangen und habe gefragt, ob sie es sich nicht vorstellen könne, bei den Landfrauen in den Vorstand zu gehen. Auch ihre Männer hätten das Thema der Vorstandsvakanz bei den Landfrauen daheim immer wieder zur Sprache gebracht, erzählen Sandra Grauer und Mareike Klopfer.

„Sie meinten, wie schade es wäre, wenn es die Landfrauen nicht mehr gäbe“, erinnert sich die 33-Jährige. Die Aussicht, nach fast 60 Jahren plötzlich keinen eigenen Ortsverein mehr zu haben, habe die Großheppacher durchaus umgetrieben – das kann auch Andrea Beißwanger, eine der drei ehemaligen Vorsitzenden, bestätigen: „Das war in Großheppach schon ein Thema.“ Auch viele Mitglieder hätten Angst vor der Auflösung gehabt. Dass es trotzdem so schwer war, Nachfolgerinnen für den Vorstand zu finden, hat aber gleich mehrere Gründe.

Sehr hoher Altersdurchschnitt im Verein

Zum einen ist da der hohe Altersdurchschnitt im Verein: Dieser liege bei den rund 160 Mitgliedern so zwischen 65 und 70 Jahren und ist damit sehr hoch, sagt Andrea Beißwanger. Für die Position im Vorsitz, die von mindestens einer Person besetzt werden muss, kommen aber nur Frauen unter 67 Jahre infrage.

Viele Mitglieder habe sie gar nicht gefragt, ob sie den Posten übernehmen wollen: „Ich wusste, die sagen sowieso Nein“, sagt die ehemalige Vorständin. Auch hätten Ute Bauer und Elke Renz und sie die Position ja niemandem aufdrängen wollen – viele der jüngeren Mitglieder seien einfach beruflich auch sehr eingespannt.

Die neuen Vorständinnen haben viele Pläne

Auch auf einen Rundbrief innerhalb des Vereins habe leider niemand geantwortet. Andrea Beißwanger spielte im Kopf schon durch, wie die Auflösung der Großheppacher Landfrauen jetzt ablaufen wird – als sich Mareike Klopfer und Sandra Grauer beim Vorstand meldeten. „Ich habe damals gesagt: Wenn Mareike mitmacht, mach' ich’s auch“, sagt Sandra Grauer. Die Freude über das Angebot sei groß gewesen, erinnert sich Andrea Beißwanger.

Seit November steht jetzt fest: Der Verein wird sich nicht auflösen. Ganz im Gegenteil: Das neue Vorstandsduo hat einige Pläne, die es jetzt umzusetzen gilt. So sei gerade ein neuer Instagram-Kanal im Entstehen, der die Großheppacher Landfrauen auch einem jüngeren Publikum zugänglich machen soll.

Viele neue Kurse sind geplant

„Wir hoffen, dass wir so wieder ein bisschen präsenter werden“, sagt Mareike Klopfer. „Und das Image vom Kuchenbacken verlieren“, ergänzt Sandra Grauer. Trotz Corona soll es bald auch zusätzliche Kursangebote geben – zum Beispiel Kurse zu Kinderspielzeug und gesunder Ernährung für junge Mütter. Auch einen „Mama-Fit“-Sportkurs soll es bald geben: Eine jüngere Landfrau habe eine Trainerlizenz und könne so „Kurse auf hohem Niveau“ anbieten.

Wegen Corona sind bis jetzt keine Vereinsfeste geplant. Aber im Mai soll es für die Mitglieder der Landfrauen Großheppach und ihre Familien hoffentlich ein Gartenfest geben, kündigen die jungen Vorsitzenden an.

Es ist noch nicht lange her, da standen die Großheppacher Landfrauen kurz vor dem Aus: Das langjährige Vorstandsteam mit Andrea Beißwanger, Ute Bauer und Elke Renz stand für die anstehende Wahl vergangenen Herbst nicht mehr zur Verfügung. Nachfolgerinnen für diese wichtige Position wollten sich einfach nicht finden lassen.

Der Verein hatte sich in seiner Verzweiflung deshalb schon an die Waiblinger Lokalredaktion gewandt. Kurz danach haben sich doch noch zwei junge Nachfolgerinnen

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