Weinstadt

Weinstube „Zum Fuhrmann“ schließt

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Waltraud Bauer (63, geborene Rühle) und Manfred Bauer (71) in ihrer Weinstube, die vor 30 Jahren noch ein Stall war. © Alexandra Palmizi / ZVW
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Endersbach im Jahr 1943: Waltraud Bauers Vater Eugen Rühle (rechts) im Kreis der Familie. © Privat
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Mitte der 80er: Aus dem Pferdestall von Fuhrmann Rühle wird eine Weinstube. © Privat

Weinstadt-Endersbach. Nach Silvester beginnt für Waltraud und Manfred Bauer ein neues Leben: Nach 30 Jahren schließen die Endersbacher ihre Weinstube „Zum Fuhrmann“. Gekauft hat sie eine Familie, sie macht aus dem Lokal ein reines Wohnhaus. Die neue Heimat der Bauers wird Ostfriesland – wobei ihnen der Abschied natürlich nicht leichtfällt.

„Die, die es wissen, sind schon traurig“, sagt Manfred Bauer. Er sitzt in seiner Weinstube in der Traubenstraße 19, die der gelernte Koch und Hotelbetriebswirt schon seit 30 Jahren mit Unterstützung seiner Frau Waltraud leitet. Ab und an hilft auch die Tochter neben ihrem eigentlichen Beruf aus, an Weihnachten und Silvester packt zudem der Schwiegersohn mit an. Viele Besucher in der Weinstube „Zum Fuhrmann“ sind Stammgäste, manche kommen schon seit der Eröffnung. „Wir waren mit vielen sehr gut befreundet“, sagt Waltraud Bauer. Nun freilich endet eine Ära: Die Bauers haben sich entschieden, die Weinstube vom neuen Jahr an zu schließen und bis Ende März 2018 auszuziehen. Das Haus ist bereits verkauft. Die neue Heimat des Ehepaars soll Ostfriesland werden, wo es seit 35 Jahren regelmäßig Urlaub macht. „Wir mögen den Deich, die Luft und den Wind – und die Ostfriesen natürlich.“

„Wir haben noch ein Silvestermenü“

Letzter Arbeitstag wird der 31. Dezember sein. „Wir haben noch ein Silvestermenü, wie seit 30 Jahren“, sagt Manfred Bauer. Auch ihre Martinsgans kann die Kundschaft wie jeden November vorbestellen, diesmal eben ein letztes Mal. Danach wird es in dem Haus in der Traubenstraße 19 keine Weinstube mehr geben. Die neuen Eigentümer, eine Familie, wollen alle Räumlichkeiten als Wohnraum nutzen und entsprechend umbauen. Die Bauers sind sehr froh, dass nun alles unter Dach und Fach ist. Dass er die Weinstube aufgibt, begründet Manfred Bauer nicht zuletzt mit seiner Gesundheit – und auch dem Alter. „Ich werde bald 72.“

Als der gelernte Koch 1987 die Weinstube in Endersbach eröffnete, blickte er bereits auf acht Jahre Erfahrung als Wirt in Schnait zurück. Leicht war der Weg dahin nicht. Schließlich konnte Manfred Bauer nicht einfach ein bestehendes Lokal übernehmen. Schwiegervater Eugen Rühle, der 1982 gestorben war, hatte ja sein Geld als Fuhrunternehmer verdient. Bis Mitte der 50er besaß dieser zwei Pferde, die im Stall neben dem Haus untergebracht waren. Dieser Stall existierte auch noch, als er schon gar nicht mehr benötigt wurde. Manfred Bauer kam deshalb nach Eugen Rühles Tod auf die Idee, den Platz für eine Weinstube zu nutzen – doch die Umsetzung war alles andere als leicht. „Wir haben unheimlich viele Einsprüche gehabt – dadurch hat sich alles um zwei Jahre verzögert.“

Die Gerüchteküche brodelte

Viel verändert haben die Bauers an ihrer Weinstube in den vergangenen Jahrzehnten nicht. Serviert werden seit eh und je Weine aus der Region, von Genossenschaften und Selbstvermarktern, dazu gibt es gutbürgerliche Gerichte. 45 Leute haben im Lokal Platz, verteilt auf den ersten und zweiten Stock des Hauses. Die Bauers waren in der örtlichen Vereinswelt verwurzelt, waren passive Mitglieder im Musikverein Beutelsbach und im Musikverein Endersbach, im Harmonika-Orchester Endersbach und im Liederkranz Endersbach. Als ihr Makler ihr Haus im Internet zum Kauf anbot, wurde im Flecken viel geredet. „Die Gerüchteküche hat gebrodelt“, sagt Waltraud Bauer. Nun geht das Ehepaar an die Öffentlichkeit, damit jeder weiß, was Sache ist. Dass dies erst jetzt möglich ist, liegt einfach daran, dass die Bauers ihren Notartermin mit dem Käufer abwarten mussten.

Zukunft in Ostfriesland

Nun freuen sich beiden schon auf ihre Zukunft in Ostfriesland. Dort haben sie ein Haus gemietet, gar nicht so weit weg von jenem Leuchtturm, der einst Drehkulisse für die deutsche Komödie „Otto – Der Außerfriesische“ war. Manfred Bauer will dann dort seiner Angelleidenschaft nachgehen und vielleicht ein bisschen in einem Lokal mitarbeiten. Seine Frau und er freuen sich schon auf das neue Leben, auch wenn der Abschied nicht leichtfällt. „Die Familie, unsere Tochter und die Stammgäste werden wir vermissen.“