Weinstadt

Wettbewerb mit Onlinehändlern wird immer härter

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Christian Hartmann (39) ist Vorsitzender der Werbegemeinschaft Endersbacher Einkaufsstraße und Inhaber von Mode am Markt. Außerdem betreibt er mit zwei Fußballprofis den „Meat Club“, einen Edel-Fleischladen in der Stuttgarter Eberhardstraße. © Alexander Roth

Weinstadt. Zuerst im Ort kaufen und nur dann online, wenn es das Produkt dort nicht gibt: Das wünscht sich Christian Hartmann, Vorsitzender der Einkaufsstraße Endersbach, von den Kunden. Nur so ist es aus seiner Sicht möglich, dass die Leute Kleidung und Schuhe auch in Zukunft in ihrem Wohnort erhalten. Denn der Wettbewerb mit Onlinehändlern wird immer härter.

„Ich gebe Ihnen zwei Stunden Zeit: Wenn Sie es dann nicht haben, bestelle ich es online“: Diese Worte, erzählt Christian Hartmann, habe er jüngst von einer Kundin gehört. Der 39-Jährige ist Inhaber von Mode am Markt, ein Geschäft für Mode im höheren Preissegment, das es in der Einkaufsstraße seit 37 Jahren gibt. Vor sieben Jahren hat es Christian Hartmann übernommen – den Wettbewerb mit Onlinehändlern spürt er bei seinen Kunden allerdings erst seit etwa zwei Jahren besonders stark.

Das heißt: Natürlich versucht er als Chef von Mode am Markt, über spezielle Listen bei anderen Händlern nachzufragen, ob er dort das angefragte Kleidungsstück erhalten kann. Wenn das nicht klappt, kommt Christian Hartmann in einen Bereich, in dem er selbst draufzahlen muss. „Wir bestellen die Sachen dann in einem anderen Onlineshop.“ Für Christian Hartmann fällt dann kein Händlerpreis mehr an, sondern er zahlt das, was jeder Käufer zahlt. Er tut das, weil er zeigen will, dass der Kunde nicht online bestellen muss, sondern bei ihm alles erhält. „Ich will, dass die Kunden zufrieden sind bei mir.“

„Das ist ein absoluter Wahnsinn“

Christian Hartmann wünscht sich, dass die Kunden das, was sie in ihrem Geschäft vor Ort erhalten, mehr wertschätzen. Dass sie sich bewusstmachen, was die Einzelhändler im Gegensatz zu Onlinehändlern alles tun. Zum Beispiel zahlen sie Miete für einen Laden, stellen Mitarbeiter zum Tarifvertrag im Einzelhandel ein und zahlen vor Ort Steuern. Der Online-Versandhändler Amazon hingegen weigert sich weiter, den Tarif des Einzelhandels anzuwenden, trotz all der Streiks der Gewerkschaft Verdi. Amazon gehört auch zu jenen Unternehmen, die sich darauf verstehen, durch allerlei legale Tricks Steuern zu vermeiden.

Christian Hartmann wünscht sich, dass die Kunden auch daran denken, wenn sie wieder kurz davor stehen, etwas schnell im Internet zu erwerben. Eine Bestellung pro Woche gebe der durchschnittliche Amazonkunde ab, sagt Christian Hartmann. „Das ist ein absoluter Wahnsinn.“

Vor Ort gratis beraten lassen, aber online kaufen

Nun ist es nicht so, dass Christian Hartmann den Onlinehandel prinzipiell verdammt. Er bestellt ja selbst Dinge im Internet. Seine Devise sei allerdings, erst mal zu schauen, ob es etwas vor Ort zu kaufen gibt. Viele Leute denken, dass die Preise im Internet niedriger seien als im stationären Handel. Nach seiner Erfahrung sei es aber so, dass beide Seiten die Produkte für jene unverbindliche Preisempfehlung anbieten würden, die der Hersteller angebe.

Was Christian Hartmann auch stört, ist das Verhalten mancher Kunden, die sich im stationären Handel gratis beraten lassen – und dann auf der Jagd nach dem preisgünstigsten Anbieter im Internet bestellen. Sei es beim Kauf eines neuen Schulranzens oder eines Elektronikartikels. Das habe mittlerweile dazu geführt, dass manche Einzelhändler für ihre Beratungsleistung im Laden Geld verlangen. Wer dann auch tatsächlich im Geschäft das Produkt kauft, kann sich die Gebühr für die Beratung auf den Kauf anrechnen lassen. Christian Hartmann kann all jene Kollegen verstehen, die mittlerweile so verfahren – und dennoch würde er sich wünschen, dass es anders wäre. „Das ist zutiefst traurig, wenn Händler sich dazu genötigt fühlen.“

Läden vor Ort werden verschwinden - und das betrifft dann alle

Der 39-Jährige will keine Strafgebühr für Onlinehändler. Er will viel eher die Kunden dazu animieren, bewusster einzukaufen. Nehmen wir mal das Thema CO2: Manche Onlinehändler behaupten ja, sie wären CO2-neutral. Das, sagt Hartmann, gelte aber im besten Fall nur, solange der Kunde sein Paket nicht zurückschicke. Die Wahrheit sei aber, dass allein bei Schuhen und sonstigen Modeartikeln die Rücklaufquote bei 50 bis 60 Prozent liege.

Christian Hartmann legt jedem nahe, darüber nachzudenken, was passiert, wenn man selbst nicht mehr so mobil ist. Was macht ein 80-Jähriger, der orthopädische Schuhe benötigt und sich beraten lassen will? Der Vorsitzende der Einkaufsstraße will nicht als Jammerer rüberkommen, sondern zeigen, worum es geht: Wenn mehr Leute immer mehr online einkaufen, dann werden Läden vor Ort verschwinden – und das betrifft dann alle.