Weinstadt

Wie der Jazzclub Armer Konrad aus Weinstadt bis Dezember Konzerte im Stiftskeller möglich macht - und wie es 2021 weiter geht

Jazzclub Armer Konrad
Erste Reihe von links: Hartmut Lenz, Erster Vorsitzender des Jazzclubs Armer Konrad, Vorstandsmitglied Hans-Jörg Maier, der Zweite Vorsitzende Luz Weber und Vorstandsmitglied Elke Strauß. Im Hintergrund sind zahlreiche ehrenamtliche Helfer im Beutelsbacher Stiftshof zu sehen. © Alexandra Palmizi

Eigentlich wollte der Weinstädter Jazzclub Armer Konrad mit seinen rund 450 Mitgliedern in diesem Jahr groß seinen 40. Geburtstag feiern – doch dann kam Corona und alles war anders. Die Jazztage, die Mitte März beginnen sollten, mussten abgesagt werden. Tickets wurden zurückgegeben, monatelang fand nichts statt. Dann, im Sommer, entwickelten die Ehrenamtlichen eine Sommerkonzertreihe im Beutelsbacher Stiftshof, unter freiem Himmel. Sie begann am 17. Juli und endet nun am 25. September.

Sommerkonzerte im Stiftshof waren ein Erfolg

Wenn der Zweite Vorsitzende Luz Weber auf die Bilanz angesprochen wird, ist er zufrieden. „Zwei Drittel der Abende waren ausverkauft. Es ist eine total schöne Stimmung im Stiftshof – da fühlt man sich, als ob man in Südfrankreich wäre.“

Die große Frage war lange, ob der Jazzclub auch in der kalten Jahreszeit sein Programm fortsetzen kann. Schließlich braucht es dafür geeignete Räume – und der eigene Keller ist schlichtweg zu klein.

„Wir sind der Stadt einfach dankbar“

Nun hat Luz Weber für alle Jazzfreunde in der Region Stuttgart eine gute Nachricht: Der Verein hat sich mit der Stadt einigen können und bis einschließlich Dezember 16 Konzerttermine im Beutelsbacher Stiftskeller (Stiftstraße 32) organisiert.

Der traditionelle Donnerjazz, das Konzert am Donnerstagabend, musste einige Male verlegt werden, da an jenem Abend im Stiftskeller meist der Weinstädter Gemeinderat oder einer seiner Ausschüsse tagt. Aber Luz Weber findet das nicht weiter schlimm. „Wir sind der Stadt einfach dankbar.“

Der Verein hat für den Stiftskeller ein Hygienekonzept erarbeitet

Während im eigenen Keller unter Corona-Bedingungen gerade mal zwölf Zuhörer Platz gefunden hätten, können im Stiftskeller rund 80 Leute Platz nehmen. Ein entsprechendes Hygienekonzept hat der Verein dafür erarbeitet. Zwischen den einzelnen Sitzen ist laut Luz Weber etwa zwei Meter Abstand – und die Bühne ist von der ersten Reihe etwa drei Meter entfernt. Desinfektionsspender stehen bereit – und auf dem Weg zum Sitzplatz muss jeder eine Maske tragen.

Oktober: Schwerpunkt auf osteuropäischen Bands

Den Auftakt macht die Band September am Samstag, 26. September, von 20.30 Uhr an (Einlass von 19.30 Uhr an). Sie ist dem Jazzclub Armer Konrad seit seiner Gründung vor 40 Jahren verbunden. Im Folgemonat spielen mit Ausnahme von Martin Auer am 1. Oktober nur osteuropäische Bands. Der Themenschwerpunkt passt zum Jazzclub, da dieser seit seiner Gründung stets Musikern aus Osteuropa ein Forum geboten hat. „Das ist schon was Besonderes bei uns“, findet Luz Weber.


Applaus-Preis von Kulturstaatsministerin Monika Grütters

Umsonst erhält der Jazzclub den Stiftskeller von der Stadt natürlich nicht. Dazu kommt, dass natürlich nicht so viele Tickets verkauft werden können wie sonst. Das große Glück des Weinstädter Jazzclubs Armer Konrad ist, dass er das finanziell schultern kann – auch dank des Applaus-Preises, einem der höchstdotierten Kulturpreise. Diesen haben die Ehrenamtlichen vor der Corona-Krise von Kulturstaatsministerin Monika Grütters erhalten.

Geld vom Jazzverband

Dazu gibt es über den Jazzverband Baden-Württemberg immer dann Fördergeld des Landes, wenn der Jazzclub einen Jazzmusiker aus Baden-Württemberg in Weinstadt auftreten lässt. Da seit der Corona-Krise viele Musiker ums Überleben kämpfen, hat der Jazzclub mit Ausnahme der Band September für seine Konzerte bis Ende des Jahres nur Musiker engagiert, die hauptberuflich von der Musik leben.

Wie geht es im Jahr 2021 weiter?

Was die Planung für 2021 angeht, ist vieles wegen Corona nicht wirklich sicher. Natürlich hofft der Verein, auch im neuen Jahr weiter Konzerte im Stiftskeller anbieten zu können – und einige von jenen Auftritten nachzuholen, die 2020 wegen der Pandemie ausfallen mussten.

Da gibt es zum Beispiel ein Projekt der Baden-Württemberg-Stiftung, bei dem Jazzpreisträger zwei bis drei Stücke neu schreiben, die dann von einer achtköpfigen Band in Weinstadt uraufgeführt werden sollen. Die Mittel dafür sind laut Luz Weber bereits bewilligt. Wegen Corona musste das Ganze ausfallen, doch die Stiftung hat nach seinen Angaben zugesagt, das Geld auch 2021 bereitzustellen.

Bei solch einem Projekt hofft der Jazzclub Armer Konrad natürlich, dass möglichst viele Leute als Zuhörer dabei sein können. Hier ist angedacht, etwa die Jahnhalle zu mieten, um mehr Menschen Platz zu bieten.

Konzerte per Livestream übertragen

Weiter verfolgt wird laut Luz Weber das Projekt, Konzerte im Jazzclub auch mal per Livestream im Internet zu übertragen. Es sei zwar mit einem hohen Aufwand verbunden, aber man arbeite daran, zumal es auch dafür eine Förderung geben könnte. Und der Jazzclub könnte die ganze Technik auch einsetzen, um den Bands später mal Livemitschnitte ihrer Konzerte anzubieten.

Gibt es 2021 wieder Sommerkonzerte im Stiftshof?

Was die Konzerte im Stiftshof während der warmen Jahreszeit angeht, wünscht sich der Jazzclub für 2021 eine Neuauflage. Hierzu sind nach Darstellung des Vereins einige kleine baulichen Veränderungen nötig. Der Jazzclub befindet sich hier im Austausch mit der Stadt. Das war auch Thema einer Nachfrage der Grünen Offenen Liste in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses der Stadt Weinstadt.

Was genau möglich ist und was nicht, will Baubürgermeister Thomas Deißler mit den zuständigen Fachleuten der Stadt abklären. Die Konzerte fanden in diesem Sommer immer freitags von 20 bis 21.45 Uhr im Stiftshof statt – schließlich musste mit Rücksicht auf die Nachbarschaft bis 22 Uhr Schluss sein.

Eigentlich wollte der Weinstädter Jazzclub Armer Konrad mit seinen rund 450 Mitgliedern in diesem Jahr groß seinen 40. Geburtstag feiern – doch dann kam Corona und alles war anders. Die Jazztage, die Mitte März beginnen sollten, mussten abgesagt werden. Tickets wurden zurückgegeben, monatelang fand nichts statt. Dann, im Sommer, entwickelten die Ehrenamtlichen eine Sommerkonzertreihe im Beutelsbacher Stiftshof, unter freiem Himmel. Sie begann am 17. Juli und endet nun am 25.

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