Weinstadt

Windräder auch in Weinstadt? Das steckt hinter der Idee von GOL und Klimabündnis

Windrad Windräder Windkraft
Symbolfoto. © Gaby Schneider

Bei Photovoltaik auf Dachflächen habe Weinstadt das größte Potenzial, allerdings sei es nicht realistisch, dass dieses in näherer Zukunft auch nur annähernd ausgeschöpft werde – und auch die geplanten Solarparks in der Freifläche reichen nach Einschätzung von Klimabündnis Weinstadt und der Grünen Offenen Liste (GOL) nicht aus, um die ehrgeizigen Klimaziele der Stadt zu verwirklichen: Um der CO2-Neutralität bis 2035 einen Schritt näherzukommen, müsse man sich jetzt auch in Weinstadt über Windräder unterhalten.

Denn zumindest laut dem baden-württembergischen Energieatlas, der gemeinsam von der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) und dem Umweltministerium geführt wird, gibt es auch rund um Weinstadt einige Flächen, die gute Voraussetzungen für die Gewinnung von Windenergie mitbringen würden - einige davon sogar direkt im Weinstädter Stadtgebiet (siehe Grafik).

Photovoltaik kann den künftigen Bedarf nicht decken

Deshalb hat die GOL-Fraktion bei der Stadt nun den Antrag gestellt, den Suchlauf für mögliche Standorte von Freiflächen-Photovoltaikanlagen um die Suche nach Standorten für ein oder zwei Windräder zu erweitern. Das sei zwar schon etwas mehr Aufwand, sagt Fraktionsvorsitzender Manfred Siglinger: „Aber vieles ist auch das Gleiche.“

Auch als Mitglied des Klimabündnisses Weinstadt setzt sich der Stadtrat für den möglichst zeitnahen Ausbau der erneuerbaren Energien in Weinstadt ein. Das Bündnis ist überzeugt: Nur auf Photovoltaik zu setzen, reicht bei weitem nicht aus, bei Wasserkraft sei in Weinstadt nun wirklich nichts zu machen - Wind gibt es auf den Höhen um Weinstadt aber durchaus.

Und die Regierung habe ja erst kürzlich noch einmal unterstrichen, dass sich auch bei der Windkraft alle Kommunen in Deutschland einbringen sollen: „Die Vorgaben von Bund und Land haben sich konkretisiert“, so Manfred Siglinger. Damit bezieht er sich auf den Gesetzesentwurf der Bundesregierung zum Windflächenbedarfsgesetz (WindBG) vom Juni 2022, der den Ländern Vorgaben dafür macht, wie viel Prozent der Landesflächen künftig für Windenergie bereitgestellt werden müssen. Für Baden-Württemberg wären das nach aktuellem Stand sowie auch für Bayern und Nordrhein-Westfalen bis 2032 immerhin 1,8 Prozent.

Dabei sei auch klargestellt worden: „Jede Region soll das erreichen“, so Manfred Siglinger. Er bricht den Schlüssel sogar auf kommunale Ebene herunter: Bei 31 Städten und Gemeinden im Kreis sei das durchschnittlich etwa ein Windrad pro Kommune - die Anlagen abgezogen, die schon existieren oder gerade gebaut werden. Zum Beispiel auf dem Goldboden bei Winterbach, in Welzheim-Breitenfürst, bei Urbach oder auch auf Aspacher Gemarkung. Allzu viele Anlagen brauche es dadurch im Kreis gar nicht mehr. Aber trotzdem steht für Manfred Siglinger fest: „Auch wir in Weinstadt haben eine Verantwortung.“

Beim Thema erneuerbare Energien und auch Windkraft setze das Klimabündnis auf eine enge Zusammenarbeit mit den Weinstädter Stadtwerken. „Die sind weit“, lobt Manfred Siglinger den städtischen Eigenbetrieb. Dass Windräder ein heikles Thema sein können, ist ihm und seinem Klimabündniskollegen Karl Greissing aber natürlich klar. Die Diskussion um Windkraft auf der Buocher Höhe oder auch um die drei Anlagen auf dem Goldboden bei Winterbach sind ihnen noch gut in Erinnerung.

Klimabündnis plant Infoveranstaltungen

Es gebe aber auch genügend Beispiele, bei denen Bürger die Errichtung von einem oder sogar mehreren Windrädern in ihrer Nachbarschaft nicht nur nicht bekämpft, sondern sogar aktiv unterstützt hätten – und zwar immer dann, wenn die Bürgerschaft vom ersten Moment an aktiv in die Planung mit einbezogen und auch an den Anlagen beteiligt werde, sagt Karl Greißing. Er hat sich für das Klimabündnis Weinstadt bereits intensiv mit den Potenzialen für erneuerbare Energiegewinnung in Weinstadt beschäftigt. „Wir stehen am Anfang einer Debatte.“ Wichtig sei es jetzt vor allem, die Bürgerschaft mitzunehmen.

Dafür plant das Klimabündnis schon mehrere Informationsveranstaltungen, bei denen es nicht nur um Energie-Themen generell gehen soll, sondern eben auch im Detail um Windkraft. Dazu soll unter anderem auch ein Projektierer eingeladen werden, der den Bau der Windfarm bei Aspach-Steinhausen betreut. „Damit es ganz konkret ist“, sagt Karl Greißing. „Und dabei muss man immer auch das Thema Bürgerbeteiligung dabeihaben.“

Er glaubt ebenfalls, dass eine Windkraftanlage wichtig wäre, damit Weinstadt seine Klimaziele erreichen kann. „Der Wind ergänzt die Photovoltaik einfach sehr gut“, sagt Karl Greißing. Und auf den Standort bezogen bringe eine einzelne Anlage einen hohen Stromertrag. Um die Weinstädter von dem Thema zu überzeugen, wollen GOL und Klimabündnis Informationen bereitstellen, kursierende Falschinformationen offen ansprechen und so hoffentlich ein wenig die Berührungsängste beim Thema Windkraft überwinden helfen.

Gerade in der Krise werden erneuerbare Energien lukrativ

Karl Greißing und Manfred Siglinger sind davon überzeugt, dass dafür gerade jetzt ein guter Zeitpunkt gekommen ist: Die Energiepreise sind hoch, versprechen es wohl auch längerfristig noch zu bleiben. „Jetzt ist es ja auch so, dass es die Leute trifft“, sagt der Fraktionsvorsitzende. Der Ausbau der erneuerbaren Energien sei plötzlich keine unangenehme Aufgabe mehr, sondern „Daseinsfürsorge".

Für eine Kommune seien Windräder ganz besonders dann auch ein ökonomischer Faktor, wenn sie auf städtischen Flächen errichtet werden. Da gehe es durchaus um sechsstellige Beträge, sagt Manfred Siglinger. Damit es sich für Weinstädter auch lohnt, vielleicht schon bald ein eigenes Windrad zu haben, solle eine Beteiligung der Bürgerschaft an der Anlage angestrebt werden. Vorbild könnten hierbei Projekte wie der Bürgerwindpark Hohenlohe sein: Am neuen Bürgerwindpark in Bretzfeld-Obersulm zum Beispiel beteiligen sich an den drei Windanlagen 92 Bürger, sechs Bürgerenergiegenossenschaften und ein regionales Stadtwerk.

Projekte wie diese hätten gezeigt, dass die Menschen, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen, gerne in solche Anlagen investieren, sagt Manfred Siglinger. Die ausgeschriebenen Anteile an den Windkraftanlagen seien teils innerhalb von 24 Stunden überbelegt gewesen. Eine Bürgerenergiegenossenschaft gibt es in Weinstadt zwar noch nicht. Hier habe man aber mit der Bürgerenergie Schwaikheim ein gutes Vorbild - oder auch einen künftigen Kooperationspartner.

Bei Photovoltaik auf Dachflächen habe Weinstadt das größte Potenzial, allerdings sei es nicht realistisch, dass dieses in näherer Zukunft auch nur annähernd ausgeschöpft werde – und auch die geplanten Solarparks in der Freifläche reichen nach Einschätzung von Klimabündnis Weinstadt und der Grünen Offenen Liste (GOL) nicht aus, um die ehrgeizigen Klimaziele der Stadt zu verwirklichen: Um der CO2-Neutralität bis 2035 einen Schritt näherzukommen, müsse man sich jetzt auch in Weinstadt über

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