Weinstadt

Wirte von Adler und Rössle in Baach sind besorgt: Vom Lockdown in die Dauerbaustelle?

Baacher Gastronomen
Befürchten eine „Lockdown-Verlängerung“ durch die Baustelle im Sommer: Nina und Michael Kiesel, Roland und Daniela Welte (von links) auf der Brücke am Ortseingang von Baach. © Alexandra Palmizi

Vom Lockdown in die Dauerbaustelle? Die Gastronomen von Baach befürchten nach Monaten der Corona-Schließzeit auch für die zweite Jahreshälfte ein wirtschaftliches Desaster. Seit feststeht, dass die Baacher Brücke und die Ortsdurchfahrt des Weinstädter Minidorfs von Juni an saniert werden sollen, plagen die Betreiber von „Rössle“ und „Adler“ große Sorgen, weil sie dann viel schlechter erreichbar sein werden.

Die altehrwürdigen Gasthäuser liegen an der Forststraße. Diese Kreisstraße führt durch Baach, den abgelegenen Weinstädter Weiler, der zum Stadtteil Schnait gehört und nur aus rund zwei Dutzend Häusern besteht. Im Sommer werden sowohl die historische Brücke am Ortseingang von Schnait kommend als auch die restliche Ortsdurchfahrt saniert.

Die alternative Route nach Schnait ist ein großer Umweg

Die Brücke über den Beutelsbach (oder auch: die Beutel) ist allerdings aus Richtung Schnait der einzige Zugang zum Dorf. Ist sie gesperrt, führt die alternative Route von Schnait nach Baach über Manolzweiler, Hohengehren und Baltmannsweiler – eine Strecke, die mehr als viermal so lang ist (circa 13 statt drei Kilometer). Parken müssen die Baacher und alle Restaurantbesucher, die den Umweg nicht auf sich nehmen wollen, für die Zeit der Brückensanierung außerhalb der Ortschaft.

Die Baacher und ihre Besucher sind überwiegend aufs Auto angewiesen

Die Gastronomen in Baach befürchten, dass die in Aussicht gestellten 14 Stellplätze jenseits des Bachs, über den dann eine Behelfsbrücke für Fußgänger führen soll, bei weitem nicht ausreichen werden. Diese würden vermutlich allein durch die Anwohner voll belegt sein – denn mangels ÖPNV ist fast ganz Baach auf das Auto angewiesen.

Außerdem glauben die Baacher Gastronomen, dass die monatelange Baustelle und die schlechtere Erreichbarkeit ihre Gäste abschrecken werden. „Nach vier Monaten Lockdown seit November haben wir unsere Hoffnungen eigentlich in den Sommer gesetzt“, sagt der Rössle-Wirt Roland Welte.

Bei einer Informationsveranstaltung am 10. März sind die Bürger über den Ablauf der Bauarbeiten informiert worden. Auch die Baacher Gastronomen haben daran teilgenommen. Einer vor wenigen Tagen verschickten Pressemitteilung zufolge „arbeiten der Rems-Murr-Kreis und die Stadt Weinstadt Hand in Hand. Denn für die Ortsdurchfahrt ist der Kreis zuständig, für die Infrastruktur in und an der Straße die Stadt – und gemeinsam arbeiten die Verwaltungen daran, den Bau so effektiv und rasch wie möglich abzuwickeln“.

Die Baacher zweifeln an den Plänen von Kreis und Stadt

Daran haben die Baacher ihre Zweifel. Sie befürchten, dass sich die Bauarbeiten über die gesamte zweite Jahreshälfte ziehen werden. Von Kreis und Stadt vorgesehen sind die Sanierung der Baacher Wasserleitung von Juni an und die Instandsetzung der Brücke sowie die Sanierung und Neugestaltung der Ortsdurchfahrt vom Beginn der Sommerferien Ende Juli an.

Allein für die Sanierung des Brückles sind drei Monate geplant, also von Ende Juli bis Ende Oktober. Das leuchtet Adler-Wirt Michael Kiesel nicht ein: „Meiner Meinung nach sollte dies in vier Wochen zu schaffen sein.“

Michael Kiesel: Warum wird nicht im Lockdown gebaut?

Diesen Gedanken hat Michael Kiesel auch Oberbürgermeister Michael Scharmann und Landrat Dr. Richard Sigel per E-Mail mitgeteilt – und außerdem, neben anderen Problemen wie der Müllentsorgung und des Anlieferverkehrs, dies: Auf die Idee, die Sanierung zwischen November 2020 und März 2021 durchzuziehen, also in einem Zeitraum, in dem die Gasthäuser sowieso geschlossen waren, sei bei Stadt und Kreis „wohl keiner gekommen“.

Sowohl der OB als auch der Landrat haben Kiesel persönlich geantwortet. Sigel versicherte dem Adler-Wirt, er sei mit der Situation in Baach gut vertraut – was auch daran liegen dürfte, dass die Sanierung der Brücke eine Zeit lang von einer Bürgerinitiative bekämpft worden ist. Sein Argument, warum die Brücke nicht bereits renoviert worden ist: Die aufwendige Planung sei 2020 noch nicht abgeschlossen gewesen, und die Pandemie sei für alle überraschend gekommen.

Die Stammgäste kommen nun mal mit dem Auto

Eine kürzere Bauzeit sei aus technischen Gründen nicht möglich. Lieferverkehr und Entsorgung würden „im Bauablauf natürlich berücksichtigt“, schreibt Sigel. Und der OB bestätigt: Das Tiefbauamt sei mit den Entsorgungsunternehmen in Kontakt. Außerdem, schreibt Sigel, erreichten Wanderer und Fußgänger die Brücke „zu jeder Zeit“.

Die Stammgäste, vor allem Ältere, kämen aber nun mal mit dem Auto – oder eben nicht, sagt Nina Kiesel. Die Tochter des Adler-Wirts will im April ihr Tagungshaus („Haaus“) gegenüber dem väterlichen Betrieb eröffnen. Auch diesem Projekt dürften die Bauarbeiten den Start erschweren.

Vom Lockdown in die Dauerbaustelle? Die Gastronomen von Baach befürchten nach Monaten der Corona-Schließzeit auch für die zweite Jahreshälfte ein wirtschaftliches Desaster. Seit feststeht, dass die Baacher Brücke und die Ortsdurchfahrt des Weinstädter Minidorfs von Juni an saniert werden sollen, plagen die Betreiber von „Rössle“ und „Adler“ große Sorgen, weil sie dann viel schlechter erreichbar sein werden.

Die altehrwürdigen Gasthäuser liegen an der Forststraße. Diese Kreisstraße

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper