Weinstadt

Wohnungseigentümer (87) aus Weinstadt: Bei der Energiewende am Ball bleiben

Tomowski
Eva und Manfred Tomowski aus Großheppach möchten auf ihrem Südbalkon Photovoltaik anbringen. © Gaby Schneider

Eva Tomowski (83) und ihr Mann Manfred Tomowski (87) fahren ein E-Auto, haben kürzlich in ihrer Garage eine Ladestation installieren lassen und planen gerade, eine kleine Photovoltaikanlage an ihre Balkonbrüstung zu hängen: Das Ehepaar möchte seine Eigentumswohnung in Großheppach gerne auf den modernsten Stand bringen - auch für einen künftigen Besitzer.

Garagentore sollen ersetzt werden, Idee Hybridheizung

Manfred Tomowski hat einige Punkte auf seiner Liste: Die alten Garagentore seien längst überfällig und müssten ersetzt werden. Für den alten Klappmechanismus bekomme man kaum noch Ersatzteile, Rolltore müssten her.

Außerdem müsste man sich als Eigentümergemeinschaft auch einmal Gedanken über die Heizung machen, die die drei miteinander verknüpften Wohnkomplexe versorgt, findet der 87-Jährige. Er denkt da an eine zukunftsfähige Hybridheizung, vielleicht eine Kombination aus Gasheizung und Wärmepumpe.

Letzte Eigentümerversammlung war im März 2020

„Aber wo bekommt man so etwas überhaupt her?“, fragt er sich. Und vor allem: Für alle Veränderungen im Haus braucht es natürlich die Absprache mit den anderen Eigentümern. Und die sei während Corona einfach zu kurz gekommen, bedauert Manfred Tomowski. „Die letzte Eigentümerversammlung hatten wir im März 2020“, berichtet er.

Klar habe es auch zwischendurch einen Austausch zwischen den Parteien und auch mit der zuständigen Hausverwaltung gegeben. Doch das sei dann oft einfach in Form eines Rundschreibens per E-Mail passiert und nicht immer ganz transparent gewesen. Das sei einfach auf Dauer nicht das Wahre - und vor allem stelle der digitale Austausch gerade für die älteren Parteien in der Hausgemeinschaft doch noch eine gewisse Barriere dar.

Werden Senioren künftig bei Eigentümerversammlungen ausgegrenzt?

Einen ordentlichen Schrecken hat dem Senior deshalb ein Rundschreiben des Vereins „Wohnen im Eigentum“ eingejagt. Darin warnt der Verbraucherverband für Wohnungseigentümer vor einer „zentralen Änderung im Wohnungsgesetz (WEGesetz)“, die der Bundestag aktuell in Planung habe und die Eigentümerversammlungen als reine Online-Veranstaltungen ermöglichen soll.

Bisher waren im WEGesetz auch während der Lockdowns nur hybride Varianten zugelassen: Zwar durften sich Teilnehmer online per Video-Stream zuschalten, es musste aber auch immer die Möglichkeit geben, vor Ort und ohne eigenen Computer teilzunehmen.

Mit einer Online-Eigentümerversammlung müssen alle einverstanden sein

Werden ältere Wohnungseigentümer, die nicht über das nötige Equipment oder das Know-how verfügen, an einer Video-Konferenz teilzunehmen, also bald ausgegrenzt bei Wohnungseigentümerversammlungen? Das sieht der Gesetzesentwurf eigentlich anders vor.

Wer einen Blick in die entsprechende Drucksache des Bundestags wirft, findet folgende Grundsatzbedingung: „Die Bundesregierung erwägt, eine gesetzliche Beschlusskompetenz für die Wohnungseigentümerversammlung zu schaffen, durch einstimmigen Beschluss die Durchführung reiner Online-Versammlungen zu beschließen.“

Eigentümerversammlungen online nur, wenn die Technik stimmt

Die Online-Eigentümerversammlungen sollen also nur dann erlaubt sein, wenn alle Wohnungseigentümer dem zustimmen – widerspricht auch nur eine Partei, müsste weiterhin die Möglichkeit geschaffen werden, vor Ort an der Versammlung teilzunehmen.

Außerdem müssten laut des parlamentarischen Staatssekretärs Benjamin Strasser auch die technischen Voraussetzungen gegeben sein: Eine Zwei-Wege-Audio- und Videoverbindung in Echtzeit – und auch die „Rechteausübung“ bei Diskussionen und Abstimmungen müsse mit einer Präsenzversammlung vergleichbar sein. Ein Referentenentwurf zu dieser Gesetzänderung soll laut der Bundestagsdrucksache im Laufe des Jahres vorgelegt werden.

PV-Module auf dem Balkon, weil der Strom teurer wird 

Eva und Manfred Tomowski blicken jetzt gespannt der nächsten Eigentümerversammlung in ihrer Hausgemeinschaft entgegen, die bald endlich wieder stattfinden soll. Immerhin tut sich gerade einiges, über das man dringend sprechen sollte: Stichwort Gasversorgung und Energiepreise.

Auch die Tomowskis haben kürzlich ein Schreiben von der EnBW bekommen, dass ihr Strom ab Oktober deutlich teurer wird. Auch habe während der Pandemie der Gasversorger für die Hausgemeinschaft gewechselt, sagt der Großheppacher. „Und die Umlage kommt auch noch.“ Alles gute Gründe für ihn und seine Frau, sich Gedanken über zusätzliche Investitionen zu machen: An die Brüstung ihres Südbalkons wollen die Eheleute einige Solarstrom-Module anbringen. Bis zu 600 Watt sollen die PV-Module laut Hersteller-Beschreibung liefern können. Auch hier müssen natürlich alle Wohnungseigentümer zustimmen: Eine Unterschrift fehle gerade noch, aber sie seien zuversichtlich, sagt der 87-Jährige.

Wohnung für künftigen Käufer auf Vordermann bringen

Bei der nächsten Eigentümerversammlung will er aber auch eine große Photovoltaikanlage auf den Flachdächern der drei Gebäude ins Gespräch bringen. Da müsse natürlich in einem ersten Schritt überhaupt geschaut werden, was die Statik zulasse. „Informationen sind einfach wichtig“, sagt Manfred Tomowski. „Wir müssen gucken, dass wir die Gebäude und alles in Schuss halten. Darüber sprechen: Was ist sofort möglich, was mittelfristig und was langfristig.“

Dass sie sich auch im hohen Alter so viele Gedanken um das Haus machen, ist für das Ehepaar selbstverständlich. Sie seien eine der Parteien, die am längsten schon hier wohnhaft seien, berichtet Eva Tomowski. Es habe sich einfach so ergeben, dass auch andere Bewohner mit ihren Anliegen zu ihnen kämen. Deshalb hätten sie sich schon immer um Dinge rund um das Haus gekümmert. Allerdings ist ihr klar: „Wir werden keine zehn Jahre mehr hier wohnen.“ Für ihren Mann aber erst recht ein Grund, noch mal in die Wohnung zu investieren: „Der, der die Wohnung später kauft, wird sich freuen.“

Eva Tomowski (83) und ihr Mann Manfred Tomowski (87) fahren ein E-Auto, haben kürzlich in ihrer Garage eine Ladestation installieren lassen und planen gerade, eine kleine Photovoltaikanlage an ihre Balkonbrüstung zu hängen: Das Ehepaar möchte seine Eigentumswohnung in Großheppach gerne auf den modernsten Stand bringen - auch für einen künftigen Besitzer.

Garagentore sollen ersetzt werden, Idee Hybridheizung

Manfred Tomowski hat einige Punkte auf seiner Liste: Die alten

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