Weinstadt

Zehn Betriebe beim Praktika-Projekt für Flüchtlinge

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Sie stemmen das Praktika-Projekt (von links): Zubair Sultani (Bundesfreiwilligendienstleistender bei der Stadt, stammt aus Afghanistan), Rainer Bliesener (Vorsitzender des Weinstädter Integrationsvereins) und Maximilian Zirkel (Flüchtlingsbeauftragter der Stadt Weinstadt). © Bernd Klopfer / ZVW

Weinstadt. Sie wollen geflüchteten Menschen eine echte Chance bieten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: Beim neuen Praktika-Projekt der Stadt Weinstadt können alle mitmachen, deren Sprachniveau mindestens bei B1 liegt. Zehn Weinstädter Betriebe sind an Bord, dazu gibt es einen Vorbereitungskurs bei der VHS. Probleme bereitet einzig die Bürokratie.

Eigentlich wollten sie schon im Mai loslegen. Im März stellte der Weinstädter Flüchtlingsbeauftragte Maximilian Zirkel das Projekt im Sozial- und Kulturausschuss der Stadt vor, das Geflüchteten drei bis vier Praktika und eine Vorbereitungswoche mit Theorieunterricht bietet. Dadurch sollen sie die Chance erhalten, einen festen Job oder eine Ausbildung zu ergattern.

Eine dritte Option ist die betriebliche Einstiegsqualifizierung (EQ), bei der ein betriebliches Langzeitpraktikum von mindestens sechs bis maximal zwölf Monate absolviert und eine Übernahme in eine Ausbildung von der Firma zumindest angestrebt wird. Zehn Weinstädter Firmen wirken mit, laut Rainer Bliesener vom Integrationsverein allesamt „potente Betriebe“. Im Prinzip könnten Zirkel und er zufrieden sein – wären da nicht die Hürden der deutschen Bürokratie.

Wer nur geduldet ist, hat in Deutschland schlechte Karten

Ein Praktikum kann jeder Flüchtling machen, eine Ausbildung beginnen oder einen festen Job annehmen darf aber nur derjenige, der einen Aufenthaltstitel hat. Wer bloß geduldet ist, hat diese Möglichkeit nicht. Nun haben die Stadt und der Integrationsverein aber nur deshalb zehn Betriebe gewinnen können, weil sich diese davon versprechen, unbürokratisch potenzielle neue Mitarbeiter respektive Azubis zu bekommen, die hochmotiviert sind. Damit kann der Verein natürlich keinen Flüchtling mitmachen lassen, der bloß geduldet ist.

Rainer Bliesener empfindet das als ungerecht, schließlich gibt es auch in Weinstadt gerade in diesem Personenkreis viele bestens integrierte Leute mit guten Deutschkenntnissen, die so ausgegrenzt werden. Das vermittelt das Gefühl, dass Leistung vom Staat nicht belohnt wird. „Das versteht man wirklich nicht mehr“, sagt Bliesener. Er wünscht sich hier Unterstützung von der Politik – und zwar am besten vom zuständigen Regierungspräsidium.

Starten soll das dreimonatige Praktika-Projekt nun mit einiger Verzögerung im Oktober – und für 2019 ist ein weiterer Durchlauf geplant. Der einwöchige Vorbereitungskurs findet im Integrationshaus in der ehemaligen TSV-Gaststätte in der Prinz-Eugen-Halle statt, dort erfahren die Teilnehmer alles, was für die Praktikumszeit in den Firmen relevant ist. Fachspezifische Wörter genauso wie Verhaltensregeln, die in den Betrieben wichtig sind, wie zum Beispiel pünktliches Erscheinen. 1000 bis 1200 Euro pro Teilnehmer zahlt die Stadt für alles. Vom Jobcenter gibt es keinen Cent, weil es kein klassischer Sprachkurs ist.

Noch Plätze frei

Mit zehn Plätzen soll das Praktika-Projekt der Stadt Weinstadt und des Integrationsvereins im Oktober starten – doch bislang gibt es nur vier feste Zusagen von Flüchtlingen. Das liegt auch daran, dass nur Menschen mitmachen können, die einen Aufenthaltstitel haben und nicht bloß geduldet sind.

Teilnehmen könnten im Prinzip auch Flüchtlinge, die mittlerweile in anderen Kommunen leben, aber früher in Weinstadt gewohnt haben, sofern die neue zuständige Kommune die Kosten von 1000 bis 1200 Euro pro Person übernimmt. Auch Weinstädter, die keinen Flüchtlingsstatus haben, aber einen Migrationshintergrund, dürfen sich bewerben. Ansprechpartner hierfür ist der Integrationsbeauftragte Maximilian Zirkel (0 71 51/69 31 51, m.zirkel@weinstadt.de).