Weinstadt

Zentralkelter soll 2018 gebaut werden

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Kelter Korb Kleinheppach Remstalkellerei
Abgabe der Trauben in der Kelter in Kleinheppach. © Sarah Engler (Online Praktikantin)
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ZVW Sommertour Remstalkellerei Beutelsbach
Der Rebensaft wird in großen Weinfässern in der Remstalkellerei gelagert. © Gaby Schneider / ZVW
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Kelter Korb Kleinheppach Remstalkellerei
Noch werden Trauben in den Ortskeltern (hier: Kleinheppach) gepresst © Gabriel Habermann / ZVW

Weinstadt-Beutelsbach. Die Fusion der acht beteiligten Weingärtnergenossenschaften ist zwar noch nicht unterzeichnet, doch die Planungen für die zukünftige Zentralkelter der Genossenschaft „Weingärtner Remstal“ sind in vollem Gange. Den August über liegt die Vorplanung öffentlich aus: Vorgesehen ist die Kelter im Südwesten Beutelsbachs, kurz hinter dem Schützenhaus. Als Kosten sind sieben Millionen Euro veranschlagt.

Statt acht einzelner Genossenschaftskeltern soll im kommenden Jahr eine Zentralkelter für im Remstal ansässige Weingärtner eingerichtet werden. Als Standort ist ein Grundstück in der verlängerten Schönfelderstraße oberhalb von Beutelsbach vorgesehen, einige Meter vor dem Abzweig in die Weinbergstraße.

Dorthin sollen künftig Wengerter aus Stetten, Strümpfelbach, Schnait, Beutelsbach, Endersbach, Großheppach, Kleinheppach, Korb und Winnenden ihre Trauben liefern – wenn alles klappt bereits von September nächsten Jahres an. Bislang nutzen sie noch ihre eigenen, teils veralteten Keltern. Der verarbeitete Saft soll weiterhin in den Kellern der Beutelsbacher Remstalkellerei eingelagert werden. So stellt es sich zumindest Claus Mannschreck, der Vorstand der Remstalkellerei, vor – und die Planungen dafür sind in vollem Gange.

Wein wird weiterhin in der Remstalkellerei eingelagert

Ob es genau so kommt oder noch der ein oder andere Ortsverband abspringt, wird sich erst im November zeigen: Dann sollen die Ortsgenossenschaften nämlich die Fusion unterzeichnen. Ursprünglich sollte das bereits im Juni geschehen, doch aus steuerlichen Gründen habe man den Termin verlegt, sagt Mannschreck.

Bis zum Herbst haben die Mitglieder der einzelnen Ortsverbände nun Zeit, abzustimmen, ob sie wirklich zentral keltern wollen. Bei den jeweiligen Verwaltungen sei schon einmal die Zustimmung da, aber letzten Endes zähle die Meinung der Wengerter. Je 75 Prozent müssten sich für die Teilnahme an dem Zusammenschluss aussprechen, damit diese zustande kommt. „Gelebte Basisdemokratie“, nennt Mannschreck das. Dass die Tinte unter dem Zusammenschluss noch nicht trocken ist, beunruhigt ihn nicht: Er zeigt sich zuversichtlich, dass alle sich beteiligen, selbst der Wackelkandidat Stetten (wir berichteten). „Da muss man einfach dran arbeiten.“

Selbst die Genossenschaft Remshalden/Schorndorf werde früher oder später dazukommen, sagt er optimistisch. Diese hatten sich ausgeklinkt, als 2015 in der Generalversammlung der Ortsgenossenschaften der mehrheitliche Beschluss fiel, eine zentrale Traubenannahme einzurichten. Der Grund: Sie haben bereits eine recht neue Kelter.

Früher oder später werden die Vorteile der Zentralkellerei die Wengerter trotzdem anlocken, davon geht Mannschreck fest aus. „Ich will da immer eins betonen: Wir haben später einen Vorteil, dass wir unser Lesegut besser selektionieren können.“ Mehr Spezialitäten könnten dann gekeltert und überalterte Reben leichter aussortiert werden. Das bedeute „qualitätsmäßig einen großen Schritt nach vorne“.

Auch Wackelkandidaten sollen ins Boot geholt werden

Und der Projektträger ist auch schon da: 2016 wurde eigens für den Kelterbau die Genossenschaft „Weingärtner Remstal eG“ gegründet. Wie auch immer sich die einzelnen Verbände also entscheiden: Die Zentralkelter kommt.

Sieben Millionen Euro soll sie kosten, vielleicht auch weniger. Beispielsweise könnte ein sechs- bis siebenstelliger Betrag gespart werden, wenn aus Ortskeltern mindestens fünf recht neue Pressen aus Edelstahl übernommen werden, schätzt Mannschreck. Die übrigen Kosten werden über den Werklohn der Wengerter und den Verkauf von Ortskeltern bestritten – sofern sich die betroffenen Genossenschaften zum Verkauf bereiterklären. Die Immobilienpreise seien aber gerade so günstig, dass es nicht ins Gewicht falle, ob wirklich alle Keltern veräußert werden.

Verkehrsführung muss genau geplant werden

Ein wichtiges Planungselement ist die Verkehrsführung. Zwölf Kilometer soll die maximale Entfernung zur Traubenannahme für die Wengerter betragen – keine halbe Stunde Fahrzeit bei 30 Stundenkilometern selbst für Winnender Weinbauern. Das ergibt das Verkehrsgutachten des Ingenieurbüros Karajan, das kürzlich im Gemeinderat vorgestellt worden ist.

Trotzdem wird es gerade auf die letzten Kilometer interessant, wenn in der Erntezeit aus allen Ortschaften die Schlepper herbeiströmen. Über die Stuttgarter Straße, die Schurwaldstraße und Weinbergwege gelangen diese zur Zentralkelter. Die Ingenieure haben deshalb vorgeschlagen, zumindest für den meistbefahrenen Abschnitt, die Schönfelderstraße, ein Einbahn-System auszuarbeiten. Dann könnten die Weinbauern über diese Straße zur Kelter fahren. Auf dem Rückweg würden sie über eine schnurgerade Feldweg-Strecke, zum Kreisverkehr zwischen Beutelsbach und Benzach abgeleitet. Von dort aus könnten sie dann über Landstraßen zurück in ihre Weinberge fahren. Der Feldweg müsste dafür teilweise noch asphaltiert werden. Gemeinderäte gaben zu Bedenken, dass radelnde Schüler und Besitzer von Privatgrundstücken durch die Schlepper nicht behindert werden sollten.


Die aktuelle Vorplanung kann im Rathaus eingesehen werden. Sie liegt noch bis Montag, 4. September, für die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung aus.

Neben den Stellungnahmen von Behörden wie dem Landratsamt und der Polizei sind auch Anregungen von Bürgern gefragt: Diese können ihre Hinweise beim Stadtplanungsamt der Stadt Weinstadt einreichen. Das geht per E-Mail an stellungnahmen.zentralkelter@weinstadt.de oder schriftlich. Das Stadtplanungsamt hat seinen Sitz in der Poststraße 17, 71384 Weinstadt-Beutelsbach.

Angestrebt ist es, schon 2018 zu bauen.

Vom formalen Verlauf her sollte das möglich sein: Amrit Schliesing, die Leiterin des Stadtplanungsamtes, rechnet damit, dass der Beteiligungs- und Abwägungsprozess noch mindestens bis zum Ende dieses Jahres dauert.

Wenn die frühzeitige Beteiligung endet, werden die einzelnen Stellungnahmen geprüft und gegebenenfalls in die Planung eingearbeitet. Diese überarbeitete Version wird dann nach der Zustimmung des Gemeinderats noch einmal einen Monat lang öffentlich ausgelegt. Anschließend kann sie endgültig überarbeitet, abgewogen und abgesegnet werden.