Weinstadt

Zu oft schwarzgefahren: Frau aus Weinstadt muss ins Gefängnis

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Ein Kontrolleur überprüft das Ticket eines Fahrgasts (Symbolfoto). © Nick - stock.adobe.com

Einmal pro Woche muss eine 35-Jährige aus Weinstadt mit der Bahn nach Winnenden fahren, um dort bei ihrem Arzt ihre Medikamente abzuholen. Bei einer dieser Fahrten, am 30. Juli 2019, wurde sie in einer S-Bahn der Linie S12 auf Höhe Rommelshausen kontrolliert – und hatte kein gültiges Fahrticket. Was nach einem Bagatelldelikt klingt, hat für die Frau nun schwerwiegende Folgen: Die Weinstädterin war nämlich schon viele Male beim Schwarzfahren erwischt worden und war zum Zeitpunkt der Kontrolle im vergangenen Sommer genau deswegen bereits dreifach auf Bewährung. Deswegen ist dieser Fall nun vor dem Amtsgericht in Waiblingen gelandet.

Sie sei an diesem Morgen mit der letzten freien Fahrt eines Vierer-Tickets von Endersbach über Waiblingen nach Winnenden gefahren, erzählt die Angeklagte. Für die Rückfahrt habe sie beim Automaten Geld abheben wollen, dabei jedoch Probleme mit der Bankkarte gehabt. Der Schalter sei noch nicht offen gewesen: „Ich dachte, ich probier’s mal so.“

Die Staatsanwaltschaft sieht es so: Die Angeklagte habe schon vor Fahrtantritt nicht die Absicht gehabt, den Fahrpreis von 1,40 Euro zu entrichten, sie habe sich die Leistungen der Bahn erschleichen wollen.

Der Fall ist verzwickt: Auf der einen Seite sei bei der Tat nur ein minimaler Schaden in Höhe von gerade einmal 1,40 Euro entstanden, da sind sich Richterin Figen Basoglu-Waselzada und die Staatsanwältin von vornherein einig. Die Angeklagte hat andererseits eine bewegte Vergangenheit: Sie ist seit mehreren Jahren arbeitslos, war früher drogenabhängig, hat Vorstrafen wegen Diebstahls und illegalen Rauschmittelbesitzes. Sie ist auf Methadon, ein Substitutions-Medikament für Heroin, angewiesen. Das Rezept dafür muss sie einmal wöchentlich in Winnenden beim Arzt abholen.

Dass sie nur einmal die Woche dort erscheinen müsse, bedeute, dass sie auf einem sehr guten Weg sei, betont die 35-Jährige. Sie gehe auch regelmäßig zur Drogenberatung und habe vom Arbeitsamt aus bei einem Ausbildungsprogramm in der Altenpflege mitgemacht. Seit fünf Jahren ist sie in einer festen Beziehung, sie lebt mit ihrem Partner zusammen. Der Staat bezahle die Miete, zusätzlich bekomme sie monatlich noch 389 Euro Hartz IV.

Ihre persönliche Situation sei keine Freikarte fürs Schwarzfahren, betont Richterin Basoglu-Waselzada: „Sie sind auf Bewährung. Das bedeutet: In dieser Zeit dürfen Sie sich absolut nichts leisten.“ Die Staatsanwältin glaubt der Angeklagten außerdem ihre Geschichte mit dem Bankautomaten nicht: „Warum haben Sie nicht in der Arztpraxis nach dem Geld gefragt? Oder von den Passanten jemanden um Geld gebeten?“, will die Staatsanwältin wissen. Die Angeklagte habe ihrer Meinung nach auf jeden Fall die Möglichkeit gehabt, an ein gültiges Ticket zu kommen. Immerhin habe es sich bei dem Fahrpreis um einen so kleinen Betrag gehandelt.

Die Weinstädterin weicht aus: Sie habe nicht noch einmal hoch in die Praxis gehen wollen. Angehörige oder Bekannte, die sie mit dem Auto hätten nach Hause fahren können, habe sie keine. Für die Staatsanwältin ist der Fall ziemlich eindeutig: Trotz des so geringen Schadens hält sie eine kurze Freiheitsstrafe für „absolut unerlässlich“. Sie fügt hinzu: „Meiner Meinung nach kann diese Strafe auch nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.“

Richterin Basoglu-Waselzada kommt sehr schnell zu ihrem Urteil. „Zu der Sache gibt‘s nicht viel zu sagen“, das Delikt an sich sei kein Verbrechen, dabei sei nur ein minimaler Schaden entstanden. Allerdings lassen ihr die Vorstrafen der Angeklagten kaum eine Wahl: „Der Raum für eine Geldstrafe ist einfach nicht mehr gegeben“, sagt die Richterin. Auch ein viertes Bewährungsverfahren stehe außer Frage. „Ich kann Ihnen hier nicht noch mal eine Chance geben.“ Deshalb lautet das Urteil: ein Monat Gefängnis ohne Bewährung. Die Weinstädterin muss die Gerichtskosten übernehmen. Eine Woche lang hat die Angeklagte Zeit, gegen den Beschluss des Amtsgerichts Rechtsmittel einzulegen. Nach dieser Frist wird das Urteil rechtskräftig.

Einmal pro Woche muss eine 35-Jährige aus Weinstadt mit der Bahn nach Winnenden fahren, um dort bei ihrem Arzt ihre Medikamente abzuholen. Bei einer dieser Fahrten, am 30. Juli 2019, wurde sie in einer S-Bahn der Linie S12 auf Höhe Rommelshausen kontrolliert – und hatte kein gültiges Fahrticket. Was nach einem Bagatelldelikt klingt, hat für die Frau nun schwerwiegende Folgen: Die Weinstädterin war nämlich schon viele Male beim Schwarzfahren erwischt worden und war zum Zeitpunkt der Kontrolle

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