Weinstadt

Zwei Jahre nach dem letzten Beschluss: Deshalb tut sich auf dem Schönbühl in Weinstadt nichts

Schönbühl
Der Blick auf das ehemalige Jugendheim. © Joachim Mogck

Die Gebäude des ehemaligen Heims für schwer erziehbare Jugendliche auf dem Schönbühl verfallen zunehmend, längst sind sie ein „Lost Place“: Ein Ort, dem die Zivilisation den Rücken gekehrt zu haben scheint – Betreten streng verboten, denn alles ist Privatbesitz.

Seit vielen Jahren schon dauert die Diskussion an, was aus dem Gelände und dem angegliederten Saffrichhof – einst Wohnquartier der Lehrer, jetzt von Privatleuten bewohnt – in der Zukunft werden soll. Die Stadt möchte den Großteil der Gebäude zurückbauen und das Gelände renaturieren. Bis das tatsächlich geschieht, dauert es aber noch etwas.

Bebauung war nur wegen besonderen Zwecks erlaubt

Thomas Barth, dem Besitzer des Jugendheim-Geländes, schwebte zwischenzeitlich gar eine großflächige Wohnbebauung mit 200 bis 250 Wohneinheiten vor. Doch selbst von Barths Plan, eine Mustersiedlung mit 40 Öko-Häusern auf dem Hügel über Beutelsbach zu errichten, hielt die Stadt nicht viel. Der Grund: Eigentlich sollen hier oben überhaupt keine Häuser stehen.

Für das Jugendheim hat nämlich auf dem Schönbühl eine Ausnahmeregelung gegolten: Auf der „atypischen Sondernutzungsfläche“ durften nur speziell für den Zweck des Jugendheim-Betriebs Gebäude errichtet werden. Diese Ausnahmeregelung gilt aber schon seit 20 Jahren nicht mehr – das Jugendheim hat 2002 den Betrieb eingestellt.

Der Schönbühl soll renaturiert werden

Da das Gelände auf dem Schönbühl umgeben ist von Landschaftsschutzgebieten, Grünzügen und Gebieten für Naturschutz und Landschaftspflege, kommt für die Stadt Weinstadt nur eine künftige Vorgehensweise infrage: Das alte Jugendheim soll zurückgebaut werden und die rund sechs Hektar große Fläche der Natur zurückgegeben werden.

Nur für den Safrichhof und einen kleinen, an den Hof angrenzenden Bereich des Jugendheim-Geländes (ungefähr 1,27 Hektar) soll es eine Ausnahme geben: Hier soll weiterhin Wohnbau im kleinen Rahmen möglich sein. Bis zu dreizehn Bauplätze für Einzelwohnhäuser hat die Stadt 2020 in einem vom Gemeinderat abgesegneten Bebauungsplanentwurf dem Eigentümer des Jugendheim-Geländes, Thomas Barth, zugebilligt – damit war ein Ende für das jahrelange Hin und Her zwischen Eigentümer und Stadt in Sicht gewesen.

Bebauungsplan noch nicht rechtskräftig

Seitdem ist es aber wieder sehr still geworden um den Schönbühl – bis das Thema Ende Februar wieder einmal auf der Tagesordnung des Technischen Ausschusses stand. Die Stadt plant nun, die Veränderungssperre für den Bereich „Schönbühl“ zum ersten Mal zu verlängern, weil das Bebauungsplanverfahren nicht innerhalb der ursprünglich dafür angesetzten zwei Jahre rechtskräftig werden konnte.

Ungewöhnlich sei das nicht und es bedeute auch nicht, dass die Stadt mit der Planung für den „Schebbes“ hinter dem Zeitplan zurückliege, erklärt Dennis Folk, Leiter des Stadtplanungsamts. Ein Verfahren für so ein großes und vielseitiges Gelände im Außenbereich, wie das beim ehemaligen Jugendheim-Gelände der Fall ist, bräuchte eben seine Zeit. „Generell sind wir schon im Zeitplan“, so Folk.

Stadt Weinstadt und Investor Thomas Barth weiterhin im Gespräch

Die Veränderungssperre soll verhindern, dass bis zum Inkrafttreten des neuen Bebauungsplans auf dem Gelände bauliche Veränderungen vorgenommen werden, die dem zukünftigen Ziel der Bebauungsart – in diesem Fall der großflächigen Renaturierung – widersprechen würden.

Denn auch die Verhandlungen mit Eigentümer Thomas Barth dauern nach wie vor noch an, dieser hat dem Verkauf der Bauplätze an die Stadt bisher noch nicht zugestimmt. Nur dann kann die Planung aber weitergehen.

Kommunaler Zwischenerwerb: Barth nennt Angebot der Stadt "unterirdisch"

Das Modell des kommunalen Zwischenerwerbs der Stadt Weinstadt sieht nämlich vor, dass nur dann ein neues Wohngebiet von der Stadt mitentwickelt und miterschlossen wird, wenn alle Grundstücke der Stadt gehören. Für die Grundstücke zahlt Weinstadt den Eigentümern einen vom Gemeinderat festgelegten festen Quadratmeterpreis. Ist das Baugebiet fertig erschlossen, können die Bauplätze zurückgekauft werden – zu einem deutlichen Aufpreis.

In dieser Hinsicht waren sich die Stadt und der Unternehmer Thomas Barth im vergangenen Sommer wieder einmal nicht einig geworden: Barth nannte das Angebot der Stadt „unterirdisch“. Seitdem seien die Gespräche aber weitergegangen, informiert der Leiter des Stadtplanungsamts. Es gebe nach wie vor ständigen Kontakt zu Herrn Barth. Mit der Verlängerung der Veränderungssperre hat das vorsichtig gesagt schwierige Verhältnis von Stadt und Eigentümer aber an und für sich gar nichts zu tun, führt Dennis Folk weiter aus.

Ohne Gutachten kein Bebauungsplan

Was nämlich in erster Linie viel Zeit braucht, sind die Gutachten zum Artenschutz, die nach wie vor laufen. Da gebe es einfach viele gesetzliche Vorgaben, viele Untersuchungen seien außerdem an Vegetationszeiten gebunden. Insgesamt gebe es bei Planungen im Außenbereich – also außerhalb der bestehenden Wohnbebauungsgrenzen der Ortschaften – größere Hürden.

Und auch der Umfang des Gebiets spielt bei der Planung durchaus eine Rolle. „Aufgrund der Größe ist das sehr umfassend.“ Nur wenn die Gutachten ordnungsgemäß durchgeführt und alle strengen gesetzlichen Vorgaben beachtet werden, ist der neue Bebauungsplan später auch rechtssicher. Bei den Gutachten erwartet die Stadt voraussichtlich Ende dieses Jahres erste Zwischenergebnisse und vielleicht schon einen ersten Entwurf. Dann wird das Thema erneut auf der Tagesordnung des Gemeinderats stehen.

Geplant wird für die nächsten 100 Jahre

Wann sich auf dem Schönbühl tatsächlich in Sachen Renaturierung und Wohnungsbau etwas tun wird, ist also nach wie vor unklar. Dennis Folk mahnt aber zur Geduld: „Wir planen ja für die nächsten 100 Jahre.“

Die Veränderungssperre gilt nun für ein weiteres Jahr. Nach Ablauf dieser Frist hat die Stadt noch einmal die Möglichkeit, diese um ein Jahr – also bis Anfang 2024 – zu verlängern. Die Stadt hält es nach aktuellem Stand durchaus für realistisch, dass bis dahin der Bebauungsplan rechtskräftig werden kann.

Die Gebäude des ehemaligen Heims für schwer erziehbare Jugendliche auf dem Schönbühl verfallen zunehmend, längst sind sie ein „Lost Place“: Ein Ort, dem die Zivilisation den Rücken gekehrt zu haben scheint – Betreten streng verboten, denn alles ist Privatbesitz.

Seit vielen Jahren schon dauert die Diskussion an, was aus dem Gelände und dem angegliederten Saffrichhof – einst Wohnquartier der Lehrer, jetzt von Privatleuten bewohnt – in der Zukunft werden soll. Die Stadt möchte den

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