Welzheim

7 Gründe, sich auf die neue Saison zu freuen

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Ja, so ein schöner Dampf! Da empfiehlt sich eine Aufnahme mit Stativ. © Joachim Mogck (Archiv)

Welzheim. Nach Schicksalsjahren voller Sorgen, Zweifel und Hiobsbotschaften steht die Schwäbische Waldbahn vor dem Start in die zehnte Saison so gut da wie lange nicht. Für 2019 gilt: Volldampf voraus!

Reinhold Kasian, Beigeordneter der Stadt Welzheim, ist ein knorriger Storren aus heimischem Holz; net gschimpft ist ihm gnug globt. Deshalb darf es als Liebeserklärung durchgehen, wenn so ebber so ebbes sagt: „Ich glaube wahrzunehmen, dass der Welzheimer durchaus ein Stück weit stolz auf sein Bähnle ist.“ Der Welzheimer freut sich an Besuchern, die genießen, dass es da oben „ein attraktives kleines Städtle“ gibt, „wo man wirklich einen Tag verbringen kann“. Der Welzheimer spürt, dass ihm das selber auch was bringt: Cafes, Eisdielen, Gastronomie – „hat sich alles gut entwickelt“. Und vor allem nimmt der Welzheimer wohlwollend zur Kenntnis: Die Ausgaben für die Waldbahn haben nicht dazu geführt, dass andere kommunale Aufgaben „nicht erledigt werden. Es ist nichts liegengeblieben.“

Die Fahrgastzahlen sind stabil: 2018 wie schon 2017 zuckelten 22 000 Leute mit der Bahn hinan. Es war, sagt Kasian, „insgesamt ein gutes Jahr“. Man muss das betonen, weil Schreckensmeldungen in den vergangenen Jahren manchmal in so dichter Folge einschlugen, dass wohl selbst Kasian manchmal gehadert haben mag, worauf er sich da eingelassen hat. Aktuell aber gibt es sieben Gründe zur Zuversicht.

Nummer 1

Der Schock saß knochentief: 3,7 Millionen Euro könnte die Sanierung des maroden Laufenmühlviaduktes kosten, hieß es vor Jahren. Die Bahn keuchte am Abgrund. Die bautechnisch innovative Lösung, die Stadt und Experten daraufhin ausheckten, geriet zum Befreiungsschlag: Die Brücke wurde geimpft – Betoninjektionen kräftigten das Bauwerk punktgenau. Auf die Art sei mit 2,2 Millionen hinzukommen, hieß es – und jetzt, kurz vor der Endabrechnung, zeichnet sich ab: „keinerlei Kostenüberschreitungen“. Für die Waldbahn war das „ein Wendepunkt“. Mittlerweile ist „die gesamte Strecke einmal durchsaniert“.

Nummer 2

Sorgen bereitete der Stadt immer wieder auch der Verein DBK, der mit vielen hingebungsvollen Ehrenamtlern für den Fahrbetrieb zuständig ist: Würden die das auf Dauer stemmen? Oder irgendwann erschöpft in die Knie gehen? Es gab Zeiten, da fiel die Dampflok der DBK zermürbend oft defekt aus. Aber: Seit zwei Jahren zuckelt sie wieder zuverlässig, obwohl „die Dame auch schon über 80 Jahre alt“ ist. Und die DBK hat weiterhin genug Helfer.

Nummer 3

Für 2019 plante die Stadt mit 30 Dampflok- und 14 Dieseltagen; „so vielen wie noch nie“. Die DBK nickte den Kurs ab, was erfreuliche Rückschlüsse auf die Schlagkraft des Vereins erlaubt. Im März indes platzte das Vorhaben Rekordprogramm: Im Rathaus ging die Nachricht ein, dass der Zweckverband Wieslauftalbahn im unteren Streckenabschnitt Bahnsteige umbauen und die Gemeinde Rudersberg Kanäle am Bahnübergang richten will – sechs Fahrtage in den großen Ferien müssen deshalb ausfallen. 26 mal Dampf und zwölfmal Diesel: immer noch stattlich. Und Stadt und DBK prüfen aktuell, ob der Zug im August zumindest im oberen Abschnitt Rudersberg-Welzheim pendeln kann.

Nummer 4

Ein Marketing-Gutachten im Jahr 2018 brachte, sagt Kasian, eine klare Botschaft: „Man sollte die personellen Kapazitäten erhöhen“, die Bahn muss sich weiter professionalisieren. Genau das geschieht jetzt: Zu Anne Rößle, der Tourismusbeauftragten der Stadt, gesellt sich Benedikt Schwarz. Er hat in Geislingen Tourismusmanagement studiert und trat zum 1. März eine auf drei Jahre befristete Projektstelle im Rathaus an. Einzige Aufgabe: das Marketing der Waldbahn verbessern.

Nummer 5

Es gibt zwar viele Attraktionen im Welzheimer Wald – wild romantische Wanderpfade, Radwege, Historisches; aber der Waldbahngast muss die einzelnen Informationen dazu oft mühsam aus verschiedenen Quellen zusammentragen. Genau das soll Benedikt Schwarz ändern. Man müsse, erklärt Reinhold Kasian, dem Kunden „noch deutlicher unter die Nase halten“, was es in und um Welzheim alles zu entdecken gibt. Im Idealfall kann er künftig „Pauschalen buchen“ – Zugfahrt mit Mittagessen in einem örtlichen Lokal plus Schnuppergolf auf dem Haghof oder Führung durchs Römerkastell.

Nummer 6

„Allerhöchste Eisenbahn – Theater im Zug“: Dieses Programm mit Thomas Weber und Gesa Weik vom Spiegelberger Kabirinett schlug 2018 voll ein. 2019 gibt es deshalb gleich zwei Vorstellungen. Die erste am 11. Mai ist bereits ausverkauft, für die zweite am 8. September gibt es noch Karten. Das Modell Themenfahrten wird insgesamt ausgebaut: 2019 fährt auch ein Schlemmerexpress – Vier-Gänge-Menü im Dampfzug; 11. Mai und 21. September, Abfahrt jeweils 16.20 Uhr in Schorndorf.

Nummer 7

Frohe Geldbotschaft eins: Die Kosten für die Marketing-Projektstelle von Benedikt Schwarz übernimmt zur Hälfte – Tusch und täterä – der Verband Region Stuttgart; ein klares Signal, dass die Region an die Waldbahn glaubt. Die frohe Geldbotschaft zwei stammt gar aus der Rubrik „Zeichen und Wunder“ – eines Tages meldete sich das vom Grünen Winfried Hermann geführte Landesverkehrsministerium und erklärte den Welzheimern: Es gebe da einen Fördertopf für Streckenunterhaltungskosten; bei Ausbesserungsarbeiten an Schienen und Schwellen zum Beispiel übernehme das Land bis zu 75 Prozent . . . Moment, Herr Kasian, das Ministerium hat sich ernsthaft von selber gemeldet?! Ja, „find ich gut!“ 2018 gab es bereits 50 000 Euro vom Land, für 2019 sind weitere 70 000 eingeplant.


Waldbahn 2019: Der Fahrplan

Start in die Waldbahnsaison 2019 ist bereits am kommenden Sonntag, 7. April, früher also als in vergangenen Jahren: Die Diesellok bringt die Gäste zum Welzheimer Frühling, wo Händler, Vereine und Hobbykünstler, Autoschau, Fahrradbörse und verkaufsoffene Geschäfte zum Verweilen einladen.

Die Dampflok schnauft an Ostersonntag, 21. April, Ostermontag, 22. April, Sonntag, 28. April, Mittwoch, 1. Mai (Tag der Arbeit), Samstag, 11. Mai, Sonntag, 12. Mai (Muttertag), Sonntag, 26. Mai, Donnerstag, 30. Mai (Christi Himmelfahrt), Pfingstsonntag, 9. Juni, Pfingstmontag, 10. Juni, Donnerstag, 20. Juni (Fronleichnam), Sonntag, 23. Juni, Sonntag, 7. Juli, Sonntag, 21. Juli, Sonntag, 15. September, Samstag, 21. September, Sonntag, 22. September, Donnerstag, 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit), Sonntag, 13. Oktober, Sonntag, 27. Oktober, Samstag, 30. November, Sonntag, 1. Dezember, Samstag, 7. Dezember, Sonntag, 8. Dezember, und Sonntag, 15. Dezember.

Die Diesellok verkehrt an den Sonntagen 7. April, 5. und 19. Mai, 2., 16. und 30. Juni, 14. und 28. Juli, 8. und 29. September und 6. und 20. Oktober.

Noch unklar ist, ob an den Sonntagen zwischen dem 4. August und dem 1. September ein Fahrbetrieb zumindest zwischen Rudersberg und Welzheim stattfindet. Der untere Streckenabschnitt ist in diesem Zeitraum wegen Bauarbeiten des Zweckverbandes Wieslauftalbahn nicht passierbar.

Fahrzeiten an Sonn- und Feiertagen: 10.30 und 14 Uhr Abfahrt in Schorndorf, 12 und 16.30 Uhr Abfahrt in Welzheim. Samstags fährt die Bahn um 14.45 Uhr in Schorndorf los und um 19.10 Uhr von Welzheim aus wieder zurück.

Nähere Informationen zu Ticketbuchung und Fahrplandetails: www.schwaebische-waldbahn.de.