Welzheim

70. Geburtstag: Altstadtrat Walter Linde und die Liebe zu Welzheim

Walter Linde
Der Augenoptikmeister Walter Linde, der am 18. März 70 Jahre alt wird, engagierte sich 20 Jahre lang im Welzheimer Gemeinderat. © Benjamin Büttner

„Wie tief eine Pfütze ist, weiß man erst, wenn man drin ist.“ Einer von mehreren, meist witzigen und hintergründigen Sprüchen von Walter Linde, als er noch amtierender Stadtrat war. Der Wahl-Welzheimer wird am Freitag, 18. März, 70 Jahre alt und bereut im Rückblick keines der 20 Jahre, die er im Gemeinderat saß.

Seniorchef des Optik-Fachgeschäfts am Kirchplatz

Nicht nur als Alt-Stadtrat ist Walter Linde im Ort bekannt, viele Menschen aus Welzheim und Umgebung haben beim Seniorchef des Optik-Fachgeschäftes am Kirchplatz ihre Sehhilfen gekauft. Immer war die Beratung ausführlich und fachkundig. Keiner bekam oder bekommt eine Brille von der Stange. Sein Sohn Michael Linde hat im Jahr 2015 das Geschäft übernommen und führt es gekonnt im Sinne des Vaters weiter.

Geboren ist Walter Linde in Paderborn, aufgewachsen in Bürgen in Westfalen. Ab dem 13. Lebensjahr lebte Walter Linde in Bremen und absolvierte dort eine Ausbildung zum Augenoptiker.

Von 1974 bis 1976 folgte die Ausbildung zum staatlich geprüften Augenoptikermeister. Von 1976 bis 1979 arbeitet er als Filialleiter in Schwäbisch Gmünd und Aalen. Spätestens jetzt muss die Frage gestellt werden, weshalb es einen Westfalen ins Schwabenland verschlägt.

Als Walter Linde noch als junger Mann in Bremen arbeitete, hatte ihn ein Kollege nach Schwäbisch Gmünd zum Besuch eingeladen. Was folgte, war das Angebot, die Filialleitung eines Optik-Fachgeschäftes zu übernehmen, was er auch tat.

Der Schwiegervater leitete viele Jahre lang das Bauknecht-Werk Klingenmühle

Oberhalb des Optikers war ein Zahnarztlabor, in dem Ute Zinnecker arbeitete, die Tochter des langjährigen Betriebsleiters des damaligen Bauknecht-Werks Klingenmühle. Wie das Leben so spielt, lernten sich die jungen Menschen kennen und verlieben sich ineinander. Seit 1978 ist Walter Linde mit Ute Linde verheiratet. Aus der Ehe gingen die beiden Söhne Michael und Peter hervor.

Mit der Liebe zur Ute kam auch die Liebe zur Stadt Welzheim. Im Jahr 1981 eröffnete Walter Linde sein Augenoptiker-Fachgeschäft am Welzheimer Kirchplatz, wo ihn seine Frau in all den Jahren tatkräftig unterstützte. „Die Geschäftseröffnung war für uns ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt Walter Linde heute. Ein Sprung, der sich gelohnt hat. Schon damals hat der Augenoptikmeister erkannt, dass ein Fachgeschäft auf Dauer nur mit Qualität überleben kann. Gute Beratung ist das A & O. Die Kunden müssen sich wohl und gut betreut fühlen. Der Erfolg gab ihm recht. Auch in Zeiten, in denen jedermann eine Brille im Internet bestellen kann, hat Optik-Linde sein Stammpublikum, das mit dem Einstieg von Michael Linde ein noch größeres Einzugsgebiet erschlossen hat.

Astrid Hahn hat Walter Linde für die SPD gewinnen können

Und jetzt zur Kommunalpolitik: Astrid Hahn, langjährige Stadträtin für die SPD im Gemeinderat und zeitweise auch Fraktionsvorsitzende, warb Walter Linde als Kandidat für die SPD-Liste. Seither ist Walter Linde Sozialdemokrat, wenngleich er nicht mit allen Entscheidungen und Entwicklungen der SPD einverstanden ist. Walter Linde wurde 1999 zum ersten Mal ins Gremium gewählt. Damit verbunden war natürlich eine große zeitliche Belastung. Zu der Verantwortung als Chef eines Optikgeschäftes kam nun noch das ehrenamtliche Engagement als Stadtrat.

Heiße Eisen: Windrad, Welzheimer Bahn und Anschluss Wiesenstraße

In seine Amtszeit fiel zum Beispiel der umstrittene Anschluss der Wiesenstraße an die neue Umgehungsstraße. Das Thema schlug damals hohe Wellen. Dabei vertrat Linde auch mal eine andere Meinung als seine Fraktionskollegen. „Ich lasse mir nicht den Mund verbieten.“ Es folgten so heiße Eisen wie der geplante Bau der Windkraftanlage in Aichstrut. Eine Bürgerinitiative „Gegenwind“ wollte das Windrad verhindern. Das Windrad steht immer noch und ist weiterhin in Betrieb. Walter Linde setzte sich für die Welzheimer Bahn ein. „Das war auch ein Dauerbrenner.“

Im Gemeinderat durfte auch mal gelacht werden

Seine engagierten und teils witzigen Redebeiträge waren ein Gewinn für die Ratsrunde. Es durfte auch mal gelacht werden. Der Spruch mit der Pfütze fiel übrigens in Zusammenhang mit der Kostenabrechnung für das Kinderhaus Pfarrstraße.

Der Welzheimer Architekt Günter Brecht hatte es geschafft, das Projekt mit vergleichsweise geringen Mehrkosten durchzuziehen, obwohl dabei die Sanierung des Kindergarten-Altbaus mit zu berücksichtigen war. „Mich ärgerte damals, dass die Ratskollegen damals wegen der geringen Mehrkosten herummeckerten.“

Nach einer schweren Erkrankung musste er kürzertreten

Zur letzten Gemeinderatswahl ist Walter Linde nochmals angetreten. Allerdings hatten ihn seine Parteikollegen dazu überredet, weil er nach einer schweren Erkrankung merkte, dass er kürzertreten musste. Deshalb war es für ihn kein Beinbruch, dass er nicht noch einmal gewählt wurde, sondern eher eine Erleichterung. Eine volle Amtszeit hätte er ohnehin nicht mehr leisten wollen und können.

Gefeiert wird der Geburtstag im kleinen Familienkreis

Walter Linde fühlt sich in Welzheim „sauwohl“, wie es ein Schwabe formulieren würde. „Nur mit vorgehaltener Pistole würde ich die Stadt verlassen.“ So sehr ist sie dem Westfalen ans Herz gewachsen.

Zu seinen Hobbys zählt der Jubilar Reisen mit dem Wohnmobil, Wandern und Kochen, meistens vegetarisch.

Gefeiert wird der runde Geburtstag im kleinen Familienkreis bei Sohn Peter in Ulm. Die Glückwünsche der Stadt wird Bürgermeister Thomas Bernlöhr zu einem anderen Zeitpunkt überbringen.

„Wie tief eine Pfütze ist, weiß man erst, wenn man drin ist.“ Einer von mehreren, meist witzigen und hintergründigen Sprüchen von Walter Linde, als er noch amtierender Stadtrat war. Der Wahl-Welzheimer wird am Freitag, 18. März, 70 Jahre alt und bereut im Rückblick keines der 20 Jahre, die er im Gemeinderat saß.

Seniorchef des Optik-Fachgeschäfts am Kirchplatz

Nicht nur als Alt-Stadtrat ist Walter Linde im Ort bekannt, viele Menschen aus Welzheim und Umgebung haben beim

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