Welzheim

75 Jahre Welzheimer Landfrauen: Wie alles begann und was sie vorhaben

Elisabethjacobi
Die Vorsitzende der Welzheimer Landfrauen Elisabeth Jacobi mit historischen und aktuellen Unterlagen des Vereins. © Zühr

Eine große Jubiläumsfeier, ein mehrstündiger Festabend gar, darauf haben die Welzheimer Landfrauen für ihr 75-jähriges Bestehen angesichts der Corona-Pandemie verzichtet. Ohne gedruckte Einladungskarten wegen möglicher Änderungen von Regeln zum Infektionsschutz wurde zu einem gemeinsamen Frühstück auf Samstag, 2. April, in den Gasthof zum Lamm eingeladen. Bei einem gemütlichen Beisammensein sind unter anderem Reden der Vorsitzenden Elisabeth Jacobi, der Vorsitzenden des Kreisverbands der Landfrauen sowie des Bürgermeisters geplant. Als Gäste werden die Vorstände benachbarter Landfrauenvereine erwartet. Das Jubiläum wird zwar in kleinerem Rahmen begangen, doch gibt es gleichwohl allen Grund zum Feiern, wie ein Blick auf den rührigen „Jubilar“, den Verein, zeigt.

„Wir müssen irgendwie positiv in die Zukunft schauen“

Das Infektionsgeschehen wirkt sich natürlich auch auf das Vereinsleben der Welzheimer Landfrauen aus. Sie haben dennoch für 2022 ein Jahresprogramm erstellt, gedruckt und verteilt, sagt die Vorsitzende Elisabeth Jacobi, 2021 gab’s nur ein provisorisches. „Wir müssen irgendwie positiv in die Zukunft schauen. Zwischenzeitlich sind wir es doch gewohnt, dass wir umplanen und absagen.“

Das restliche Jahresprogramm für 2022 zeigt ein breites Themenspektrum, zum Beispiel Vorträge wie „Frauen und Rente“, „Gesünder mit Apps“ und „Smartphone, Laptop & Co.: Was ist beim Kauf und der Entsorgung zu beachten?“, aber auch eine Führung in der Voggenbergmühle oder eine Krimi-Wanderlesung mit Weinprobe.

Sportgruppen der Landfrauen trafen pandemiebedingte Einschränkungen auch

Andere Angebote, wie etwa das Filzen, sind noch ausgesetzt. „Ein Vortrag ist leichter möglich als diese Dinge, bei denen der Abstand auch vergessen wird“, meint Elisabeth Jacobi. Dazu kommt die räumliche Situation. Die Welzheimer Landfrauen haben kein Vereinsheim. Das für kreative Dinge auch genutzte Bürgerhaus in Breitenfürst steht derzeit nicht zur Verfügung.

Die Sportgruppen der Landfrauen trafen die pandemiebedingten Einschränkungen ebenso. Jeweils zwei Gruppen gibt es für Seniorengymnastik und für präventive Gymnastik sowie eine Yogagruppe. In der Anfangszeit der Pandemie, als noch niemand geimpft war, trafen sich die Sportlerinnen auch im Freien, im Herbst konnten sie wieder innen trainieren. Die Gruppen sind kleiner geworden und arbeiten mit einem guten Hygienekonzept.

Den Linientanz gibt es derzeit nicht, weil ein neuer Lehrer gesucht wird.

Für die Wassergymnastikkurse, die in Kürze wieder stattfinden können, stehen neue Regelungen an.

Bereits zum 70-jährigen Bestehen der Landfrauen hat Elisabeth Jacobi alte Unterlagen gesichtet und weiß, welche Themen die Mitglieder stets geschätzt haben: Gesundheit und Ernährung beispielsweise, ebenso Bildungsthemen im Wandel der Zeit.

Vorgänger des Ortsvereins wurde 1918 gegründet

Das Jubiläum, das die Welzheimer Landfrauen nun feiern, bezieht sich auf die Neugründung des Vereins im April 1947. Der Vorgänger des Ortsvereins wurde 1918 als „Landwirtschaftlicher Hausfrauenverein Welzheim“ unter Vorsitz von Mina Öttle ins Leben gerufen. „Damals gab es viele alleinstehende Bäuerinnen, und ein kleiner Kreis hatte sich zusammengefunden, um sich gegenseitig mit Rat und Tat beiseitezustehen“, vermerkt die Chronologie. Landfrauen- und Haushaltungsschulen wurden gegründet, damit junge Frauen und Mädchen eine Aus- und Weiterbildung bekommen konnten.

1933 wurde der Verein von der nationalsozialistischen Regierung zwangsweise aufgelöst. Die Mitglieder wollten sich nicht in die NS-Organisationen integrieren lassen und nahmen lieber die Auflösung in Kauf.

Landfrauenverein Welzheim im „Gasthof zum grünen Baum“ neu gegründet

Im April 1947 wurde der „Landfrauenverein Welzheim“ von 15 Bäuerinnen aus Welzheim sowie umliegenden Weilern und Höfen im „Gasthof zum grünen Baum“ neu gegründet. Dort kamen die Frauen im Winter alle zwei, drei Wochen bei der „Boom-Sofie“, der Wirtin, zusammen. „Beim Stricken und Flicken sprach man über aktuelle Themen und die eigenen Sorgen und Nöte“, vermerkt die Vereinschronologie. „An erster Stelle stand: Gib uns unser täglich Brot“, sagt Elisabeth Jacobi, „wie bekam man die Familie satt?“ Und: Wie bekam man möglichst alle Nährstoffe, welche Hausmittel halfen Mensch und Vieh? „Der Zweite Weltkrieg und das Leid, das er mit sich brachte, waren noch nicht vergessen. Manche Ehemänner, Söhne, Brüder, Väter waren im Krieg gefallen“, so die Vereinschronik.

Die Nachkriegsjahre verlangten den Frauen viel ab

Die Welzheimer Landfrauen waren für alle Frauen offen. „Vor allem sollten sich auch die neu nach Welzheim gekommenen Frauen in dieser Gemeinschaft aufgenommen fühlen“, also die geflüchteten sowie die aus ihrer Heimat vertriebenen Frauen.

Die Nachkriegsjahre verlangten den Frauen viel ab, sie mussten, vor allem dort, wo die Männer nicht da waren, schwer arbeiten. Dennoch lag ihnen an Geselligkeit, Kameradschaft, Austausch, und sie schauten in die Zukunft. Kurse in Hauswirtschaft und zur Babypflege waren wichtig für die Familien. Zudem gab es Referate zu allgemeinbildenden Themen. „Ein ganz wichtiges Event war damals der Ausflug“, weiß Elisabeth Jacobi. Manche Frauen seien da zum ersten Mal im Leben fortgekommen.

Für die Zeit bis 1970 gibt es keine Unterlagen, 1971 wurde eine Gymnastikgruppe gegründet, durch die auch jüngere Frauen aus allen Berufen in den Verein kamen.

Für die folgenden Jahre berichtet die Chronik von reger Vereinstätigkeit, von Einsätzen bei Seniorennachmittagen und Straßenfesten, von Vorträgen, Kursen, bunten Nachmittagen, Ausflügen.

Für 1983 ist vermerkt: „Das Vereinsprogramm spiegelte die veränderte Lebensweise wider. Das Spektrum der Vorträge erweiterte sich ...“ Halbtagesfahrten mit Firmen- und Betriebsbesichtigungen waren beliebt.

„Unsere jüngsten Mitglieder sind Jahrgang 1990“

In den anschließenden Jahren wurden Jubiläen gefeiert, Sportgruppen entstanden, Vorträge, Wanderungen, Betriebsbesichtigungen, Besuche von Kulturveranstaltungen, von Gartenschauen und Museen sowie ein Englischkurs standen auf dem Programm.

Der Linientanzkurs kam dazu. 2017, zum 70-jährigen Bestehen, hatten die Welzheimer Landfrauen rund 200 Mitglieder.

Und heute? Rund 185 sind’s, so Elisabeth Jacobi. Mehr als die Hälfte von ihnen ist älter als 80 Jahre. Doch es kommen neue Frauen dazu, auch jüngere. „Unsere jüngsten Mitglieder sind Jahrgang 1990“, freut sich die Vorsitzende. Sie seien gewillt, etwas für die Jüngeren auf die Füße zu stellen. „Es ist im Werden“, sagt Elisabeth Jacobi.

Eine große Jubiläumsfeier, ein mehrstündiger Festabend gar, darauf haben die Welzheimer Landfrauen für ihr 75-jähriges Bestehen angesichts der Corona-Pandemie verzichtet. Ohne gedruckte Einladungskarten wegen möglicher Änderungen von Regeln zum Infektionsschutz wurde zu einem gemeinsamen Frühstück auf Samstag, 2. April, in den Gasthof zum Lamm eingeladen. Bei einem gemütlichen Beisammensein sind unter anderem Reden der Vorsitzenden Elisabeth Jacobi, der Vorsitzenden des Kreisverbands der

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