Welzheim

90,7 Prozent: Bernlöhr wiedergewählt

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Hatte am Sonntag allen Grund zum Feiern: Wahlsieger Thomas Bernlöhr, der für weitere acht Jahre zum Bürgermeister der Stadt Welzheim gewählt wurde. © Schneider/ZVW

Welzheim. Die Überraschung blieb am Wahlabend aus. Der alte Bürgermeister von Welzheim ist auch der neue. Mit einem überraschend deutlichen Ergebnis haben ihn die Wahlberechtigten am Sonntag im Amt bestätigt. Die vier Mitbewerber blieben chancenlos.

Groß war der Andrang im Rathaus-Foyer zumindest zu Beginn des Wahlabends nicht gerade. Vor halb sieben verirrte sich jenseits der Offiziellen kaum ein Interessierter dorthin. Vielleicht weil die meisten bereits ahnten, dass der Sieger dieses Abends bereits als ziemlich sicher gelten durfte.

Wer den Wahlkampf verfolgte, konnte zumindest zwei Kandidaten aus der Favoritenliste streichen: Friedhild Anni Miller, die sich zwar bewarb, in der Limesstadt aber nur online Wahlkampf betrieb und schließlich, als sie dort Gegenwind zu spüren bekam, beleidigt abtauchte. Und Michael Uhl, der, abgesehen von einem telefonischen Interview mit unserer Zeitung, überhaupt nicht in Erscheinung trat.

Auch Köhler Eisenmann und Thomas Hornauer kamen ins Rathaus

Blieben also neben dem Amtsinhaber noch Amanda Köhler Eisenmann und Thomas Hornauer. Beide waren im Wahlkampf durchaus engagiert unterwegs, belebten dadurch die Diskussion (wenn auch Letzterer eher durch seine ungewöhnlichen Auftritte) und erschienen darum am Sonntagabend im Rathaus. Köhler Eisenmann mit ihrer sechsköpfigen Familie um zehn nach sechs sogar als eine der Ersten.

Aber auch Hornauer ließ sich nicht lange bitten, tauchte mit schwarzem Anzug und seinem Videoteam im Gefolge um kurz vor halb sieben auf. Da war mit Breitenfürst der erste Wahlbezirk bereits ausgezählt und die Tendenz klar erkennbar. Hornauer ließ sich im Rathaus (wie zu erwarten) dennoch die ganze Zeit im Livestream filmen, blieb ansonsten aber den ganzen Abend über ziemlich unauffällig.

Kollegen aus den umliegenden Gemeinden

Auch Bürgermeisterkollegen kamen: Raimon Ahrens (künftig: Rudersberg), Sven Müller (Winterbach), Maximilian Friedrich (Berglen), Katja Müller (Kaisersbach), Reinhold Sczuka (Althütte), Stefan Altenberger (Kernen), Matthias Klopfer (Schorndorf) und schließlich Landrat Richard Sigel. Jegliche Spannung war längst aus dem Abend gewichen, als auch Amtsinhaber Thomas Bernlöhr sich dazugesellte.

Im Foyer wurde es dann doch noch eng, im Gedränge ging gar, wenn auch unabsichtlich, ein abgestelltes Glas zu Bruch. Weitere Kollateralschäden gab es zum Glück nicht zu vermelden.

Um 18.46 Uhr waren alle sechs Wahlbezirke ausgezählt. Als Winfried Ellinger, Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses, dann das vorläufige Endergebnis verkündete, waren zwei Dinge bemerkenswert: die Freude des Publikums über die gerade mal sechs Stimmen für Friedhild Anni Miller. Und der langanhaltende Applaus für die 3627 Stimmen, die Bernlöhr von den wahlberechtigten Welzheimern erhielt.

Der alte Bürgermeister ist also auch der neue. Und der zeigte sich von dem Wahlergebnis „tatsächlich überwältigt“. Man könne eine Stadt ja nicht voranbringen, ohne manche Bürger und ihre Wünsche zu enttäuschen. „Ein solches Ergebnis kommt daher nur zustande, wenn mich viele trotzdem gewählt haben – auch wenn sie nicht mit allem einverstanden sind“, schlussfolgerte Bernlöhr. Eine Haltung, die in der heutigen Zeit ja immer seltener anzutreffen sei.

Die gute Wahlbeteiligung: Für Bernlöhr eine „große Ausnahme“

Auch mit der Wahlbeteiligung von annähernd 48 Prozent zeigte sich der Bürgermeister zufrieden. Bezeichnete sie in seiner Rede als „große Ausnahme“ und „Privileg“. Normalerweise liege diese, wenn der Amtsinhaber wieder antrete, zwischen 20 und 30 Prozent. „Nicht viele Bürgermeister können mit einem solchen Ergebnis nach acht Jahren in eine zweite Amtszeit starten.“

Zu verdanken sei dies auch allen Unterstützern des „Teams Bernlöhr“. Quasi aus dem Stand habe sich eine Gruppe von Menschen gefunden, die seinen Wahlkampf aktiv unterstützten. „Auch das ist lokale Demokratie: Menschen, die sich dafür entscheiden, jetzt gilt’s. Wir wollen, dass der Bernlöhr weiter unser Schultes bleibt.“

Sein Dank galt aber vor allem allen Welzheimern, die zur Wahl gegangen sind. „Dieses Ergebnis kann die gesamte Stadtverwaltung als Bestätigung der geleisteten Arbeit für sich in Anspruch nehmen.“ Nur für ganz wenige Dinge stehe er schließlich allein. Und das, so Bernlöhr, sei ja auch das Großartige an der Stadt: dass man hier gemeinsam statt gegeneinander arbeite.

Stimmen

„Meinen Mitbewerbern sage ich Danke, weil Demokratie immer erst mit mehreren Alternativen so richtig funktioniert. Eine Wahl ohne eine Auswahl ist wie ein Rennen gegen die Uhr. Alle meine vier Mitbewerber haben diese Auswahl möglich gemacht. Bei Frau Köhler Eisenmann bedanke ich mich für den durchaus respektvollen und fairen Umgang, Herr Hornauer, bei Ihnen für kreative Einfälle und einen gewissen Unterhaltungsfaktor“, sagte freudestrahlend ein im Amt bestätigter Bürgermeister Thomas Bernlöhr.

„Der Wahlkampf wurde der Sache nicht gerecht. Das Bürgermeisteramt ist ein wertvolles Amt zum Verwalten und Gestalten. Wir können froh sein, dass eine Stadt dieser Größe einen so hoch qualifizierten Bürgermeister hat. Solche Fachleute fallen nicht vom Himmel.“ Alt-Stadtrat Werner Buhl, Träger der Welzheimer Tanne.

„Ich arbeite mit Thomas Bernlöhr sehr eng zusammen und wir verstehen uns gut, auch auf anderen politischen Ebenen. Ich habe großen Respekt vor seiner Arbeit in den letzten acht Jahren“, Maximilian Friedrich, Bürgermeister der Gemeinde Berglen.

„Thomas Bernlöhr hat acht Jahre lang Gas gegeben und er wird es auch in den nächsten acht Jahren tun“, meinte der Bürgermeister von Althütte, Reinhold Sczuka, zum überwältigenden Wahlergebnis für den Wiedergewählten.

„Vom Ergebnis für mich bin ich schon etwas enttäuscht, aber ich bin angetreten, um bei der Bürgermeisterwahl eine Alternative zu bieten. Ich habe manche Themen angesprochen, die die Bürger beschäftigen und die Herr Bernlöhr sicherlich in den nächsten Jahren aufgreifen wird“, kommentierte Amanda Köhler Eisenmann das Wahlergebnis.

„Das ist ein tolles Ergebnis mit einer Neun vor dem Komma, das Herr Bernlöhr verdient hat. So ein Ergebnis ist keine Selbstverständlichkeit“, bewertet Landrat Richard Sigel die Welzheimer Wahl.

„Wir müssen uns Gedanken machen, das Niveau von Bürgermeisterwahlen wieder anzuheben. Zu überlegen wäre deshalb, ob nicht auch bei einer Kommune in der Größe von Welzheim künftig Unterstützerunterschriften erforderlich sind“, meinte Kreisrat Dr. Prof. Peter Engel aus Welzheim.

„Für mich persönlich ist das Ergebnis Ansporn, mich weiterhin für diese Stadt und für ihre Bürger in die Riemen zu legen! Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam in den nächsten acht Jahren so einiges hinbekommen können“, sagte der Wiedergewählte in einer kurzen Rede nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses.

„An der Spitze des Teams Bernlöhr steht meine Frau Christiane, sie hat als Wahlkampfmanagerin die organisatorischen Fäden in der Hand gehalten, geplant, Aufgaben verteilt, Flyer nachgeliefert, vieles andere mehr. Danke Dir für Deinen Einsatz und versprochen, jetzt geht’s wieder geordneter weiter“! (stü)