Welzheim

Als die Touristen erstmals auf dem Schienenweg zum Kloster Lorch kamen

Alter Fahrplan
Wann geht’s los, wo steigt man zu? Das Bild zeigt den Fahrtenplan für die Remsbahn „vom 25. Juli 1861 an bis auf Weiteres“ aus einer Beilage zum Schwäbischen Merkur, Nr. 173, 24. Juli 1861. © Privat

Die Eisenbahn war der Schrittmacher der Industrialisierung, die schnaubende Dampflok das Geräusch der Moderne: Vor genau 160 Jahren war ein denkwürdiger Tag für Lorch: Am 25. Juli 1861 wurde die Remstalbahn eröffnet. Daran erinnern die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Das berühmte Stauferkloster in Lorch wurde durch die Schiene zum beliebten Ziel von Touristen und Tagesausflüglern.

Vor genau 160 Jahren, am 25. Juli 1861, wurde die Remstalbahn von Stuttgart nach Wasseralfingen eröffnet: ein bedeutendes Ereignis für Lorch, das man an den Vortagen ausgiebig feierte. Denn die Eisenbahn war der Schrittmacher der Industrialisierung - das war bereits den Zeitgenossen klar: Die Eröffnung der Bahnverbindung war, so berichtete eine Tageszeitung, „ein Ereigniß, das von der ganzen Bevölkerung des Remsthales längst ersehnt und nun mit allseitigem Jubel begrüßt wurde“. Durch den Anschluss ans Schienennetz stieg Lorch zum touristischen Ziel auf. Das Erbe der Staufer in Kloster Lorch und die gute Luft lockten Tagesausflügler und Urlauber ins Remstal.

Der König fährt Zug

Die Eröffnung der Remstalbahn war ein mehrtägiges Ereignis. Die „Schwäbische Kronik“ berichtet von den Festlichkeiten, die eine Woche vor der offiziellen Eröffnung der Strecke stattfanden: In allen Orten wurde der Zug „von dem Jubel der Bevölkerung freudigst begrüßt. Die Stationsgebäude waren überall geschmackvoll dekorirt, an vielen Orten waren schöne Ehrenpforten errichtet, und die Gemeindebehörden waren erschienen, um ihre Freude und ihren Dank auszudrücken.“ In Wasseralfingen, der Endstation, wurden König Wilhelm I., die Beamten und die Vertreter des Landtags freundlichst empfangen. Nach einer Feier und der Besichtigung des berühmten Hüttenwerks von Wasseralfingen traten sie am Abend gegen 19 Uhr die Rückreise an: „Auch dießmal wieder wurde der Zug auf allen Stationen von der Bevölkerung … freudigst begrüßt; in Schorndorf wurde sogar noch ein schönes Feuerwerk abgebrannt.“

„Vier Züge, je in beide Richtungen, durchbrausten diese Thäler“

Am nächsten Tag, dem 19. Juli, wurden die Ehrenfahrten fortgesetzt: „Vier Züge, je in beide Richtungen, durchbrausten diese Thäler und mögen, meist mit zwei Lokomotiven und einer stattlichen Zahl Wagen, wohl je 1200-1500 Personen befördert haben.“ Die „Schwäbische Kronik“ berichtet von einem wahren Volksfest: „Noch wehte auch an diesem zweiten Festtage die schwarzrothgoldene Fahne von der Zinne des Schorndorfer Kirchthurms, noch prangten überall die Ehrenpforten und Tannenbäume an den Stationen, die Kränze an den Häusern; … noch sprang in Winterbach am Bahnhof ein munterer Springbrunnen, zwar nicht, wie Tags zuvor, mit Bier vom nahen Engelberg, aber mit frischem Wasser gespeist, noch war überall festlicher Empfang und allgemeine Theilnahme.“

Freikarten: „Warum sollte man auch dem Volke seine Freude nicht gönnen?“

Die württembergischen Beamten hatten für die Feierlichkeiten Freikarten ausgegeben. In Stuttgart, „wo das Eisenbahnfahren nichts Neues ist“, war man damit zurückhaltend. Im Remstal zeigte man sich umso freigebiger: „In liberaler Weise ließ man mitfahren, so weit es der Plaz gestattete. Warum sollte man auch dem Volke seine Freude nicht gönnen? Da stiegen im Rückweg in Waldhausen ein paar schmucke Bauernmädchen schüchtern in den Wagen, um auch ein wenig zu fahren, oder in Grunbach einige zwölfjährige Buben, um dann von Endersbach wieder heimzugehen, zum erstenmale in ihrem Leben aber das Wunder selbst mitzumachen.“

Herrliche Ausblicke und historische Stätten

Den Reisenden bot die Remstalbahn beeindruckende Ausblicke. Ort für Ort stellte die Zeitung die Gemeinden an der Bahnstrecke vor. Für Lorch wurden das Kloster und der Klosterberg gerühmt, „an dessen Fuß die Bahn vorüberführt, und der besonders von oberhalb im Thale gesehen, einen schönen Blick gewährt“. Sehenswert sei vor allem das Kloster als Grablege der Staufer, „davon zeugen noch jetzt der schöne Sarkophag in der Mitte des Langhauses, die auf der Vorderseite der 8 Pfeiler desselben befindlichen Gemälde und die byzantinischen Ecksäulen mit dem hohenstaufischen Löwen“. Auch das Umland versprühte seinen Reiz: „In der Nähe liegt Wäschenbeuren mit dem Wäscherschlößchen, der Wiege der Hohenstaufen. Der kahle Gipfel des Berges aber, der einst ihren Herrschersiz trug, wird erstmals zwischen Lorch und Gmünd, am Ende eines kleinen Einschnitts der Bahn, zwischen zwei Vorbergen hindurch, sichtbar.“

Restaurierung: „Welch tüchtigem Künstler diese Arbeit anvertraut wurde“

Für Lorch stellte der Anschluss der Stadt an den Schienenverkehr einen entscheidenden Moment dar. Früh erkannte die Stadt den Stellenwert des Klosters als touristisches Ziel. Nach langer Vernachlässigung nahm man sich der Restaurierung an: „Schon längst war es allgemeiner Wunsch, dass die Freskobilder der Hohenstaufenkaiser im hiesigen Kloster restauriert werden. … Hr. Maler Pilgram aus Stuttgart befindet sich seit 10 Tagen hier, um diese Bilder zu restaurieren. Welch’ tüchtigem Künstler diese Arbeit anvertraut wurde, sehen wir an dem bereits vollendeten Bilde des Kaisers Friedrich II., das nach dem Urtheil von Sachverständigen als durchaus gelungen bezeichnet werden kann. - Die Anzahl der Fremden, welche sowohl das Kloster als auch die hiesige Umgebung anzieht, wird immer größer, um so mehr, als der Aufenthalt hier ein äußerst angenehmer ist.“ Dank dieser und weiterer Restaurierungen ist Kloster Lorch heute eine authentische Erinnerungsstätte an die Staufer.

Eisenbahn macht Sonntagsausflüge in die nächste Stadt erst möglich

Durch die Eisenbahn wurden Reisen, die zuvor Tage beziehungsweise Stunden brauchten, auf Stunden oder Minuten verkürzt. Sonntagsausflüge in die nächste Stadt wurden so für weite Teile der Bevölkerung erst möglich. Der Zug brachte die Reisenden in zwei Stunden von Stuttgart nach Lorch. Zum Vergleich: Für dieselbe Strecke benötigte man zu Fuß rund neun Stunden; selbst mit der Postkutsche war man noch einen halben Tag unterwegs. Zudem war die Reise mit der Bahn bequemer und in vielen Fällen auch günstiger.

Kloster Lorch am Samstag und Sonntag geöffnet

Das Kloster Lorch ist am Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Für Gruppen und Schulklassen ist nach Absprache eine Sonderöffnung jederzeit möglich. Die Greifvogelschau in der Stauferfalknerei erfolgt am Samstag und Sonntag um 15 Uhr. Erwachsene zahlen sechs Euro, ermäßigt drei Euro, Familien 15 Euro.

Im Kloster Lorch und in Burg Wäscherschloss gilt die Corona-Verordnung des Landes. Es gilt eine strikte Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen (medizinische Masken oder FFP2-Masken) für Gäste ab sechs Jahren. Außerdem muss der Abstand von eineinhalb Metern zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und anderen Gästen eingehalten werden.

Die Gäste sind verpflichtet, beim Besuch ihre Kontaktdaten mit Namen und Vornamen, Adresse und Telefonnummer sowie Datum und Uhrzeit des Besuchs abzugeben. Wer den Ablauf erleichtern will, kann das Kontaktformular auf der Homepage herunterladen und es ausgefüllt zum Besuch mitbringen. In Kloster Lorch ist auch die Registrierung mit der Luca-App möglich.

Weitere Informationen gibt es beim Kloster Lorch,0 71 72/92 84 97, per Mail an info@kloster-lorch.com sowie unter www.klosterlorch.de und www.schloesser-und-gaerten.de