Welzheim

Als Welzheim 26 Wirtshäuser hatte: ein Rückblick auf gesellige Zeiten

Heimatkunde
Vier von 26 Wirtschaften, die es zeitweise in Welzheim gab: Unser Bild zeigt historische Aufnahmen des „Gasthauses zur Krone“ oben links, des Gasthauses „Zum Schwarzen Ochsen“ unten links (Kerner-Haus), der Bierbrauerei „Zum Roten Ochsen“ oben rechts und des Gasthauses „Zum Hirsch“ unten rechts. © Benjamin Büttner/historische Aufnahmen: Archiv Bubeck

Personalmangel, Preissteigerungen, Inflation: Dieser Tage hat’s auch die Gastronomie nicht leicht. Da mag ein Blick in die Vergangenheit Mut machen: In Welzheim gab es zeitweise 26 Wirtschaften. Wobei natürlich zu bedenken ist: Die Zeiten waren damals andere, und die Wirtschaften mitunter auch. Damals, das war etwa um 1900 bis 1920, schätzen Bernd Bubeck und Herbert Soukopp als versierte Heimatkundler.

In jenen Jahren lebten in der Limes-Stadt weit weniger Menschen. Um 1900 zählte die Stadt zwischen 2000 und 2200 Einwohnern.

Die alten Wirtschaften einmal wieder ins Gedächtnis zu rufen, lag Mitstreitern des Historischen Vereins am Herzen. Da traf es sich, dass unsere Zeitung unlängst über Gasthausgeschichten berichtet hatte.

„Em Gasthaus zum Engel war a frohs Leba“

Von den damaligen Welzheimer Wirtschaften können Bernd Bubeck und Herbert Soukopp viel berichten und alte Aufnahmen aus ihren Sammlungen zeigen. „Da gibt es Wirtschaften, den ‘Engel’, den ‘Schwan’, den ‘Adler’, die sind weniger bekannt“, sagt Herbert Soukopp. Bernd Bubeck hat zum Gespräch ein sehr interessantes Buch mitgebracht, das seine 2019 verstorbene Frau Ingrid geschrieben hat: „Welzheim, unvergessene Bilder und Geschichten“.

Darin findet sich ein Kapitel zu den Wirtschaften der Stadt. Zum Gasthaus „Zum Engel“ etwa zitiert die Autorin ein Gedicht zum „Welzheimer Tag“, man höre, in Philadelphia, von Elise Weber, in dem es unter anderem heißt: „Em Gasthaus zum Engel war a frohs Leba, wie ihr wisset, hots do en Musikkasta geba. Oft hot der gspielt en de lauteste Tön: ‘O Susanna, wie ist das Leben schön.’“

Nachtwächter sagte den Schülern manchmal seine Wächterrufe auf

Bekannter war, so ordnet Herbert Soukopp ein, das Gasthaus „Zum Bären“. Dort fand bis 1907 der Unterricht der Realschule im Oberamt Welzheim statt. „Auf gleicher Ebene mit dem Schulbetrieb wohnte ein Welzheimer Original, der Nachtwächter ‘Hannelesbeck’, der den Schülern manchmal seine um ‘zehne, ‘elfe’ und ‘zwölfe’ gesungenen Wächterrufe aufsagte“, schreibt die Autorin Ingrid Bubeck in ihrem Buch.

Die Wirtschaft wurde um den Ersten Weltkrieg aufgelöst, sagt Herbert Soukopp. Gottlob Kühnle, der 1921 das erste Fotoatelier in Welzheim gründete, kaufte 1937 das ehemalige Gasthaus in der Wilhelmstraße und richtete dort Geschäftsräume mit Laden und Labor ein. An dieser Stelle ist das Fotogeschäft Kühnle immer noch zu finden, seit Anfang der 1980er Jahre in einem Neubau.

Zu den bekannten Welzheimer Gasthäusern zählte damals schon der Gasthof „Zum Lamm“. Ingrid Bubeck vermerkt in ihrem Buch, er sei „weit über Welzheim hinaus bekannt“. 1888 schrieb der Stadtschultheiß, so ist in Bubecks Buch zu lesen, Lobendes über den Gasthof und hielt fest: „Vom Lamm aus werden auch die Fahrten nach Gausmannsweiler, welche sommers immer hin und her gehen, unterhalten.“

„Den Kurgästen ist Gelegenheit gegeben, kuhwarme Milch zu trinken“

In Gausmannsweiler befand sich das Hotel Ebnisee, das 1886 eröffnet wurde und einige Annehmlichkeiten bot. Ingrid Bubeck zitiert den damaligen Stadtschultheiß, der zum Hotel Ebnisee schrieb „Dasselbe erfreut sich einer großen Frequenz. Den Kurgästen ist Gelegenheit gegeben, kuhwarme Milch zu trinken. An Weinen wird nur reine Ware abgegeben, und das Bier lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig.“

Ins Gasthaus „Zum Hirsch“ kehrte auch Justinus Kerner ein

Ein bemerkenswertes Lokal war auch das Gasthaus „Zum Hirsch“. Es gehörte zu den ältesten Gebäuden in Welzheim, schreibt Ingrid Bubeck, und hält unter anderem fest: „Auch viele berühmte Leute wie Justinus Kerner, der für einige Jahre schräg gegenüber wohnte, kehrte gerne mit seinen Gästen hier ein.“ Zum Verbleib des Hauses vermerkt die Autorin: „Das Wirtshaus musste 1959 dem Neubau der Volksbank weichen.“

Apropos Alter: „’Krone’ und ‘Adler’ waren Welzheims älteste Wirtschaften“, notiert Ingrid Bubeck in ihrem Buch, „man nannte sie Gastgebereien. In der ‘Krone’ pflegten die Württemberger einzukehren, im ‘Adler’ die Limpurger.“

In den Welzheimer Teilorten gab es ebenfalls Gasthäuser.

Die Gegebenheiten der Wirtshäuser waren unterschiedlich. „Einige haben eine Metzgerei gehabt, mitunter auch eine Bäckerei“, sagt Bernd Bubeck. Und mancher hatte auch sein Wohnzimmer hergerichtet, bewirtete dort mit Most und Vesper und hatte so einen Nebenverdienst.

„Jede Zunft hat eine eigene Wirtschaft gehabt“

Die Wirtschaften fungierten nicht alle als Restaurants im heutigen Sinn, erklärt Bernd Bubeck. Üblicherweise aß man dort ein Vesper. In die Wirtschaften gingen die Männer, die Frauen nicht, gern nach Feierabend. Es gab ja noch keinen Fernseher, erinnert Bernd Bubeck. „Die Wirtschaften haben alle ihre Stammkundschaft gehabt.“

Mehr noch: „Jede Zunft hat eine eigene Wirtschaft gehabt.“ So war das Gasthaus „Zum Waldhorn“, heute das Restaurant „Marathon“, etwa das Stammlokal der Hafner, weiß Bernd Bubeck. Die „Sonne“ in Eselshalden galt auch als Wirtshaus für Fuhrleute, wenn sie von Schorndorf heraufkamen und den Berg hinaufmussten. Eine Wirtschaft in der Laufenmühle nutzten Fuhrleute ebenfalls, um Rast zu machen und die Pferde ausruhen zu lassen, bevor es weiter bergauf ging. Und das Gasthaus „Zum Grünen Baum“, gegründet 1750, war das Stammlokal der Glaser.

Der Fremdenverkehr kam mit der Eisenbahn. Zwischen 1900 und 1920 war die Hochzeit der Sommerfrischler. Das waren meist Tagesausflügler. Doch auch Kurgäste kamen und logierten zum Beispiel im „Lamm“.

In einigen Wirtshäusern wurde selbst Bier gebraut

Herbert Soukopp ergänzt einen Aspekt, der seinerzeit sicher zur Beliebtheit der Wirtschaften beitrug: „Es gab auch noch kein Flaschenbier.“ Zumindest war es in den 1920er Jahren noch selten. Einige Welzheimer Wirtschaften hatten Eiskeller, wo das Bier gekühlt werden konnte, zum Beispiel das Gasthaus „Zum Hirsch“. In einigen Wirtshäusern wurde selbst Bier gebraut, etwa im Gasthaus „Zum Roten Ochsen“, einst beheimatet, wo heute die Sparkassen-Versicherung an der Rienharzer Straße zu finden ist.

Doch wurden die Welzheimer auch mit auswärtigen Bieren beliefert. In Alfdorf gab es die Schlossbrauerei der Herren vom Holtz, von dort wurde der Gerstensaft nach Welzheim geliefert. Andere Brauereien taten das ebenfalls, zum Beispiel „Löwenbräu“ aus Schwäbisch Hall und Schorndorf oder Stuttgarter Hofbräu.

Personalmangel, Preissteigerungen, Inflation: Dieser Tage hat’s auch die Gastronomie nicht leicht. Da mag ein Blick in die Vergangenheit Mut machen: In Welzheim gab es zeitweise 26 Wirtschaften. Wobei natürlich zu bedenken ist: Die Zeiten waren damals andere, und die Wirtschaften mitunter auch. Damals, das war etwa um 1900 bis 1920, schätzen Bernd Bubeck und Herbert Soukopp als versierte Heimatkundler.

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In jenen Jahren lebten in der Limes-Stadt weit weniger Menschen. Um 1900

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