Welzheim

Altes Schulhaus in Aichstrut kostet sehr viel Geld, nämlich mittlerweile 2,7 Millionen Euro

Altes Schulhaus
Ein Verkauf ist Geschichte. Ein Abriss nicht mehr möglich. Das Alte Schulhaus in Aichstrut muss fertig renoviert werden, dabei steigen die Kosten auf jetzt schon 2,7 Millionen Euro. © ALEXANDRA PALMIZI

Aus den noch vor einem Jahr veranschlagten zweieinhalb Millionen Euro Renovierungskosten für das Alte Schulhaus in Aichstrut sind mittlerweile 2,7 Millionen geworden, und das Ende der Fahnenstange ist wahrscheinlich noch nicht erreicht. So die Botschaft, mit der die Stadtverwaltung am 13. April vor den Gemeinderat trat. Die zusätzlichen 150.000 Euro werden dadurch bereitgestellt, dass sie von der Verpflichtungsermächtigung für das Jahr 2022 für die Sanierung der Justinus-Kerner-Halle hin zum Alten Schulhaus verschoben werden. Somit sind für die Hallensanierung aktuell nicht mehr 2,4 Millionen Euro eingeplant, sondern lediglich 2,25 Millionen.

Jan Wölfl, der Sachgebietsleiter Hochbau der Stadt Welzheim, zeigte sich auf Anfrage davon überzeugt, dass mit der aktuellen Hochrechnung alle greifbaren Kosten für das Aichstrutprojekt erfasst wurden und dass es zu keinen weiteren Überschreitungen kommen werde. Das Gebäude aus dem Jahr 1911 sei sanierungsbedürftig gewesen. „Hätte es sich nicht um ein Denkmal gehandelt, wären manche Dinge vielleicht einfacher gewesen, aber in der Summe keinesfalls günstiger“, rechtfertigte Wölfl die Entscheidung zur Renovierung. Somit sei es die richtige Entscheidung gewesen, das Projekt anzugehen, denn ein Kindergartenneubau für drei Gruppen wäre auch nicht unter 2,5 Millionen zu verwirklichen gewesen. Zudem sollen in den Obergeschossen des Gebäudes auch noch zwei Wohnungen entstehen, durch deren Vermietung die Stadt Einnahmen erwarte. Dadurch werde zumindest ein Teil der Investitionen wieder hereinkommen.

„Im Gemeinderat beschäftigen wir uns schon einige Jahre mit der alten Schule. Letztendlich haben wir das Projekt gemeinsam beschlossen, nun müssen wir es auch gemeinsam zu einem guten Ende bringen. Wenn es einmal fertig dasteht, dann wird es ein Schmuckstück für Aichstrut“, kommentierte Brigitte Macha, die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, die jüngste Entwicklung.

Ursprünglich sollte das Gebäude verkauft werden, rekapitulierte sie die Geschichte des Projekts, doch leider sei der potenzielle Käufer in Aichstrut nicht willkommen gewesen. Schließlich habe die Stadt „in den sauren Apfel gebissen“, um das Haus für den Ort und seine Bewohner zu erhalten. „Jeder, der schon einmal ein altes Gebäude saniert hat, weiß, dass nach Beginn der Arbeiten immer Überraschungen zutage treten, mit denen man zunächst nicht gerechnet hat, die man aber dennoch finanzieren muss“, ergänzte Philipp Köngeter von den „Piraten“. Der Kindergarten werde benötigt, ansonsten müssten die Kinder in anderen Einrichtungen untergebracht werden. Zudem sei die Renovierung ein Signal an Aichstrut und die anderen Teilorte, dass sie von Welzheim geschätzt würden und ihm auch etwas wert seien.

Als erste Vorarbeit zur Sanierung des Gebäudes begann im November 2017 die Trockenlegung des Kellers. Richtig los ging es mit den Bauarbeiten dann nach der Grundsatzentscheidung des Gemeinderats vom Mai 2019 Mitte vergangenen Jahres. Zu den „Überraschungen“, die sich einstellten, gehörten der Holzwurmbefall im Dachtragwerk, Schadstoffbelastungen unter dem Parkettfußboden und in der Deckenbekleidung sowie Asbest in den Küchen und Bädern im Obergeschoss. Nach dem Öffnen der Decken stellte sich zudem heraus, dass diese mit Holz- und Stahlkonstruktionen verstärkt werden mussten. Bei den Vorarbeiten für den Einbau der neuen Stahlkonstruktion im Erdgeschoss dann die nächste Überraschung: Der Baugrund erwies sich als nicht ausreichend tragfähig für Einzel- oder Streifenfundamente. Im Mai soll deshalb von einer Spezialfirma eine Tiefgründung mit Kleinbohrpfählen eingebracht werden. Für die wiederum müssen Wände zunächst rückgebaut und anschließend neu hochgezogen werden, es müssen Decken abgefangen und Stahlbetonteile eingebracht werden, Arbeiten, für die ca. neun bis zehn Wochen eingeplant sind.

Mehrkosten von schon fast 500.000 Euro

Im Nachhinein betrachtet wäre es wohl günstiger gewesen, einen neuen Kindergarten für Aichstrut zu bauen, mutmaßte die Vorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion Alexandra Veit, aber diese Überlegungen würden sich erübrigen, nachdem die Bauarbeiten schon derart fortgeschritten seien.

„Wie ein Mühlstein“ würden allerdings die Forderungen des Landesdenkmalamtes der Gemeinde um den Hals liegen, das, anstatt die Bemühungen zu unterstützen, das ortsbildprägende historische Gebäude zu erhalten und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, nicht nur viel zu viel Zeit benötige, bis es „zu Potte kommt“, sondern mit seinen Forderungen oftmals über das Ziel hinausschieße. Es erschließe sich ihr zum Beispiel nicht, warum Decken und Wände aufwendig im Originalzustand erhalten werden müssten, wenn sie hinterher verschalt und versteckt werden. In diesem Zusammenhang schmerzt es den Architekten Peter Brinkmann, dass die im ursprünglichen Entwurf für den Kindergarten vorgesehenen Fenster vom Landesdenkmalschutzamt nicht abgenommen wurden. Die nun geforderte kleinsprossige Lösung würde nicht nur das Erscheinungsbild des Gebäudes verändern, sondern der fehlende Durchblick laufe auch der Nutzung als Kindergarten zuwider.

In der Summe sieht sich Welzheim Mehrkosten in Höhe von annähernd 473.000 Euro gegenüber. Sie konnten zu einem Gutteil dadurch aufgefangen werden, dass bei den bisherigen Ausschreibungen die beauftragten Unternehmen äußerst knapp kalkulierten und darauf schauten, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Somit beträgt im Augenblick der tatsächliche Mehrbedarf die vom Gemeinderat freigegebenen 150.000 Euro. „Die Stadt ist nicht schlecht damit gefahren, dass sie, wenn irgend möglich, mit ansässigen Unternehmen zusammenarbeitete“, meinte der an dem Projekt beteiligte Sebastian Buhl.

Letztendlich würden alle Beteiligten an einem Strang ziehen und sich bemühen, die Kosten im Griff zu halten und für alle Beteiligten zu einem guten Ende zu bringen, auch für das Gemeinschaftsheim und den Waldorfkindergarten, der selbstverständlich schon sehnsüchtig darauf warte, aus seinem Provisorium in sein neues Heim einzuziehen. Auch angesichts der bereits anziehenden Baukosten könne Welzheim damit rechnen, dass die zu erwartenden Nachträge aufgrund der allgemeinen Teuerungsrate, der Kostensteigerungen bei Energie, Material und Löhnen „mit Augenmaß und Heimatliebe“ kalkuliert würden. Ähnliches gelte sicherlich auch für die Arbeiten, die bisher noch nicht vergeben wurden.

Aus den noch vor einem Jahr veranschlagten zweieinhalb Millionen Euro Renovierungskosten für das Alte Schulhaus in Aichstrut sind mittlerweile 2,7 Millionen geworden, und das Ende der Fahnenstange ist wahrscheinlich noch nicht erreicht. So die Botschaft, mit der die Stadtverwaltung am 13. April vor den Gemeinderat trat. Die zusätzlichen 150.000 Euro werden dadurch bereitgestellt, dass sie von der Verpflichtungsermächtigung für das Jahr 2022 für die Sanierung der Justinus-Kerner-Halle hin zum

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