Welzheim

Auf dem Schönblick in Gmünd in Sicherheit, in Gedanken noch in der Ukraine

Ivanka und ihre Kinder
Ivanka ist mit ihren drei Kindern aus der Ukraine nach Deutschland geflohen und hat nun erst einmal eine sichere Unterkunft im Schwäbisch Gmünder Schönblick gefunden. © Privat

Der Blick in die Augen der Mutter zeigt es deutlich: Noch sitzt die Furcht tief in ihr. Doch auf der anderen Seite ist der 30-jährigen Ivanka aus der Ukraine auch anzusehen, wie glücklich sie ist, dass ihr gemeinsam mit ihrem Mann Sergej und ihren drei Kindern (drei, fünf und sieben Jahre alt) die Flucht aus dem Kriegsgebiet geglückt ist. Die junge Familie ließ ihre angestammte Welt hinter sich - um als Betreuer die Menschen mit Behinderung zu unterstützen, die wenige Tage nach der russischen Invasion den Weg über Polen nach Deutschland in das christliche Gästezentrum fanden.

In ihrer Unterkunft konnten sie ein wenig Familienalltag einkehren lassen

Wir treffen Ivanka gemeinsam mit ihren Kindern Alina, Sergej und Victoria in ihrem Zimmer im zweiten Stock des Gästehauses. In ihrer Unterkunft konnten sie ein wenig Familienalltag einkehren lassen. Zumindest am Tag. „In der Nacht“, erzählt uns die Mutter, „schreckt vor allem Victoria auf und hat große Angst. Sie fragt dann immer, ob jetzt die Bomben kommen würden“. Jedes Auto, jeder Lkw, der lautere Geräusche verursache, bringe das Mädchen in ihren Gedanken zurück in den Krieg. „Die Angst hat sich in den Tagen des Bombardements automatisiert“, sagt Ivanka. Das mache sie traurig. Sie hoffe allerdings, dass auch ihre große Tochter diese Ängste wieder loslassen könne.

„Wir wurden hier unendlich warmherzig aufgenommen“

Während wir mit Ivanka sprechen, spielen ihre Kinder auf dem Bett, lenken sich mit Handys ab. Und wirken wie Kinder, die eine glückliche Kindheit haben. Zumindest hatten. Dass sie, solange es nötig ist, auf dem Schönblick bleiben dürfen, überrascht und freut die 30-jährige Mutter sehr: „Wir wurden hier so unendlich warmherzig aufgenommen - dafür sind wir den Deutschen und dem Schönblick für immer dankbar.“ Aus dem Tanzsportzentrum von Alexander und Tanja Disam, in dem seit Tagen Spenden für die Ukraine abgegeben werden, hat Ivanka ihren Kindern Kuscheltiere mitgebracht. Zwei Einhörner und einen Dinosaurier. Als Sergej, nach dem Papa benannt („Ich habe einen großen und einen kleinen Sergej“, sagt Ivanka), seinen Dinosaurier bekommt, macht er einen Luftsprung. Er habe den gleichen in Groß zu Hause, konnte diesen aber nicht mitnehmen - das habe ihn sehr traurig gemacht, sagt uns seine Mutter.

Die junge Familie ist mit manchem an der neuen Situation noch überfordert, die Sprache ist ihnen noch vollkommen unbekannt.

"Viele andere hatten diese Chance nicht"

Und Ivanka spricht gar von einem schlechten Gewissen, dass sie aus der Ukraine rausgekommen seien: „Viele andere hatten diese Chance nicht“, lässt sie uns wissen. Warum sie nach Deutschland kommen konnten, lässt sich leicht erklären: Sie gehören zu den Betreuern der Menschen mit Behinderungen (darunter zehn Rollstuhlfahrer), die den Schönblick am Mittwochabend erreichten. Ohne diese Betreuung hätten es diese nicht geschafft. Der Weg, 96 Stunden insgesamt dauernd, forderte von der Familie den vollen Einsatz und unendlich scheinende Geduld. Ivanka und ihr Mann arbeiteten bereits in der Ukraine, zumeist ehrenamtlich, für die Menschen mit Behinderung, die jetzt in Schwäbisch Gmünd ihre erste Unterkunft gefunden haben. „Mit uns kam eine behinderte Mutter mit ihren beiden Kindern, um die ich mich auf dem Weg und hier jetzt kümmere. Sergej, mein Mann, ist für einen Rollstuhlfahrer zuständig.“ Als wir die Familie besuchen, ist Sergej mit diesem gerade beim Arzt.

"Niemals hätten wir gedacht, dass so etwas passieren könnte"

In Gedanken ist Ivanka noch immer in der Ukraine. „Ich habe dort 30 Jahre in Frieden gelebt. Niemals hätten wir gedacht, dass so etwas passieren könnte. Ich kann es nicht beschreiben, was jetzt in mir vorgeht - es ist alles so unwirklich, schrecklich.“ So habe sie auf dem langen Weg keinerlei Vorstellung gehabt, wie es sein würde in Deutschland. Sie hätten an ein Heim, eine Sporthalle mit Feldbetten gedacht.

Und jetzt würden sie in einem schönen Zimmer schlafen, könnten die ganze Anlage nutzen mit den tollen Spielplätzen für die Kinder und der herrlichen Natur. Und sie würden bestens versorgt. Da passiert gar der schöne Moment, dass die Mutter lachen muss und kann: „Wissen Sie, meine Kleinste hat gesagt, weil sie immer frisches Obst bekomme, dass das hier das Schlaraffenland sei.“ Das freut die Eltern besonders, dass in die Kinder die Freude zurückkehrt. Ivanka erzählt uns, dass sie schon einmal ein Geschenk Gottes erleben durfte. Nach zwei Fehlgeburten hatte sie, die in der Ukraine in einem Kinderheim arbeitet, von den Ärzten die Diagnose bekommen, dass sie niemals Kinder haben würden. Und plötzlich sei sie schwanger gewesen und habe heute zwei Töchter und einen Sohn. Das habe sie zum Glauben gebracht. Und auch dieses Mal hätte sie der liebe Gott wieder beschützt.

In einem fernen, fremden Land, aber dafür in Sicherheit

Wann sie wieder in die Ukraine zurückkehren können, steht (Stand heute) in den Sternen. Auch was sie dort erwarten wird, wenn es so weit sein sollte. „Wir können in diesem Moment noch nicht dran denken“, sagt Ivanka.

Ihre Mutter lebe weiterhin in Luzk, sie hätte nicht mit nach Deutschland kommen können. Daher denke sie oft zurück. Auch an all die Freunde - das mache es sehr schwer. Doch dann springt ihr die kleine Alina auf den Schoß und die Mutter lacht wieder: „Für meine drei Kinder und auch die anderen beiden da sein zu können, das ist das Wichtigste überhaupt.“ Jetzt in einem fernen, fremden Land. Aber dafür in Sicherheit.

Der Blick in die Augen der Mutter zeigt es deutlich: Noch sitzt die Furcht tief in ihr. Doch auf der anderen Seite ist der 30-jährigen Ivanka aus der Ukraine auch anzusehen, wie glücklich sie ist, dass ihr gemeinsam mit ihrem Mann Sergej und ihren drei Kindern (drei, fünf und sieben Jahre alt) die Flucht aus dem Kriegsgebiet geglückt ist. Die junge Familie ließ ihre angestammte Welt hinter sich - um als Betreuer die Menschen mit Behinderung zu unterstützen, die wenige Tage nach der

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