Welzheim

Beeinflusst der Ukraine-Krieg die Reiselust? Welzheimer Reiseexperte berichtet

Reisebüro
Oliver Abt ist Geschäftsführer des Tui-Reisecenters in Schwäbisch Gmünd, das Welzheimer Reisebüro ist dessen Filialbüro. © Benjamin Büttner

Die Reiselust lockt. Ihr oder gar dem Fernweh nachzugeben, das gestaltete sich in der Corona-Pandemie, je nach Urlaubswunsch, mitunter als aufwendiger als gewohnt, zeitweise war es sogar nur beschränkt oder schwer möglich. Und mancher verzichtete ganz darauf und wartete erst einmal ab, weiß Oliver Abt vom Welzheimer Tui-Reisecenter. Der 56-Jährige ist Geschäftsführer des Tui-Reisecenters in Schwäbisch Gmünd, das Welzheimer Reisebüro ist dessen Filialbüro. 2009 hatte er das Reisebüro mit allen Mitarbeitern übernommen, nachdem sich die langjährige Betreiberin Karin Steinle zur Ruhe gesetzt hatte, erinnert sich Abt.

2019 markierte ein Rekordjahr, dann kam die Corona-Pandemie

Die Geschäfte liefen von Anfang an gut. „Wir hatten immer Steigerungen.“ 2019 markierte gar ein Rekordjahr. Dann kam die Corona-Pandemie. „Das war dann mit einem Schlag vernichtet.“ Abt unterstreicht indes: „Wir wurden gut unterstützt von unserem Staat.“ Es habe hervorragend geklappt mit den Corona-Hilfen. „Ohne die hätten wir das auch nicht überstehen können.“ Denn der Corona-Effekt war heftig: „Wir hatten Einbußen zum Teil von 90 Prozent.“

Aktuelle Entwicklung erfreulich: Sehr viele Fernreisen

Dann habe man sich „aufgerappelt“. Derzeit sei man mit 40, 50 Prozent des Umsatzes dabei, berichtet Oliver Abt. Die aktuelle Entwicklung sei erfreulich, „sehr viele Fernreisen, Malediven, Seychellen, Afrika, Südafrika, Kenia, Tansania, Namibia; die USA gehen gerade irre gut.“ Und: „Auch Kreuzfahrten gehen, wenn auch immer wieder irgendwo Beeinträchtigungen sind.“ Außerdem gefragt: Nord-und Südeuropa, die Golfregion, die Vereinigten Arabischen Emirate, Spanien, Griechenland und die Türkei, „und die Karibik ist natürlich ungebrochen“.

Der Aufschwung kam mit der Möglichkeit der Immunisierung gegen das Coronavirus. „Zu Beginn ist das Geschäft nach dem ersten Schock nahezu zum Erliegen gekommen“, denkt Oliver Abt zurück. „Zu Beginn war ja gar nichts möglich. Dann kamen die Impfungen, dann kamen die Regelungen mit den Tests. Dann wurden die Länder wieder bereitwilliger, Touristen einzulassen.“

Der Wunsch, reisen zu können und zu dürfen, war da

Und als diese Entwicklungen voranschritten, kamen die Reisenden wieder. „Natürlich hatten die Leute Bedenken“, erinnert sich Abt.

„Dennoch war der Wunsch, reisen zu können und zu dürfen, da.“ Dass coronabedingt auch Inlandsreisen gefragt waren, hat Oliver Abt ebenfalls festgestellt, sie würden aber auch viel online gebucht. „Es war auch in Deutschland gar nicht so einfach, zu verreisen“, erinnert er an die verschiedenen damaligen Corona-Vorschriften. Mit der Öffnung der Reisegebiete nahmen auch die Buchungen zu. Autoreisen nach Österreich, Italien, Kroatien, an Nord- und Ostsee waren überdies gefragt.

Wobei das, so der Experte, auch Ziele sind, die Gäste direkt buchen.

Seit März ist die Kurzarbeit beendet

Apropos: Einige bisherige Online-Kunden konnte das Welzheimer Reisebüro für sich gewinnen wegen der Informationen zu den Reisen. „Wir waren während der kompletten Zeit immer da.“ Teilweise wurde nur die Welzheimer Filiale an einzelnen Tagen geschlossen. Das Büro in Gmünd aber war keinen Tag zu, gegebenenfalls wurden die Telefone umgestellt. „Wir waren telefonisch immer erreichbar.“ Das Welzheimer Tui-Center musste während der Corona-Zeit nicht lockdownbedingt schließen, hatte aber Kurzarbeit und in dieser Zeit dienstags und donnerstags geschlossen. Seit März ist die Kurzarbeit beendet.

Wie blickt der Reisefachmann auf die nähere Zukunft? Die Reisepreise steigen derzeit, bemerkt Abt eine Tendenz. Eine andere: „Ich habe den Eindruck, dass es wieder etwas ruhiger wird. Wir erwarten aber für den Sommer deutlich mehr Buchungen.“ Im vergangenen Monat hätte man sehr starke Zuwächse verzeichnet, wenn auch noch unter dem Vergleichsmonat von 2019. Der Ukraine-Krieg schlägt aufs Gemüt. „Die Leute nehmen sich das auch zu Herzen.“ Abt merkt an: „Das ist tendenziell einfach Gefühlssache. Wenn so ein Leid auf der Welt herrscht, kann ich nicht Party machen. Es ist die Stimmung. Es hat keine wirtschaftlichen Gründe.“ Ein Gefühl, das Abt angesichts der Nachrichten aus der Ukraine teilt. Es würden die Buchungen dadurch derzeit leicht abflachen.

Russland als Reiseziel stand für die Welzheimer Kundschaft bisher weniger im Fokus. „Wir haben sehr wenig Russland-Reisen.“ Flusskreuzfahrten ins Donaudelta, das zum Teil in der Ukraine liegt, sowie die Ostsee-Kreuzfahrten mit Besuch von St. Petersburg seien alle abgesagt worden. Dass Letztere nicht möglich sind, träfe das Büro noch am meisten.

Prognose: Steigende Energiekosten werden sich bemerkbar machen

Der Ukraine-Krieg beeinflusst die Reiselaune zum einen. Künftig werden sich außerdem steigende Energiekosten bemerkbar machen, davon geht Oliver Abt aus. Der Kerosin-Verbrauch der Urlaubsflieger, die Lieferungen: „Das wird sich auf die Preise auswirken“, fürchtet er. Aktuell sei das noch nicht der Fall. „Mal sehen, wie es sich entwickelt.“

Wie sich das Geschehen in der Ukraine auf das Reisejahr auswirken wird, da tut sich Oliver Abt verständlicherweise schwer mit einer Einschätzung. Bis zu dieser Krise hätten die Zeichen sehr gut gestanden. Der Geschäftsführer für das Tui-Center geht optimistisch ins Jahr, er geht aber davon aus: „Wir werden immer noch nicht auf Vor-Krisen-Niveau kommen können.“ Und Abt rät Kunden, Reisewünsche nicht zu lange zu überdenken, um sich nicht dem Risiko von Preisschwankungen auszusetzen.

Die Reiselust lockt. Ihr oder gar dem Fernweh nachzugeben, das gestaltete sich in der Corona-Pandemie, je nach Urlaubswunsch, mitunter als aufwendiger als gewohnt, zeitweise war es sogar nur beschränkt oder schwer möglich. Und mancher verzichtete ganz darauf und wartete erst einmal ab, weiß Oliver Abt vom Welzheimer Tui-Reisecenter. Der 56-Jährige ist Geschäftsführer des Tui-Reisecenters in Schwäbisch Gmünd, das Welzheimer Reisebüro ist dessen Filialbüro. 2009 hatte er das Reisebüro mit

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