Welzheim

Beim siebten Kind grüßt der Bundespräsident

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Großfamilie mit Bürgermeister (links): Für das siebte Kind der Familie Schuhmann hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Ehrenpatenschaft übernommen. © Habermann / ZVW
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Der kleine Vincent hat nun einen berühmten Paten.

Welzheim. Bei Sonderangeboten wird zugeschlagen, in den Urlaub geht es mit dem Wohnmobil, und alle neun machen zusammen den Eindruck einer gut funktionierenden Familie. Um Familien zu unterstützen, übernimmt der Bundespräsident für das siebte Kind eine Ehrenpatenschaft. Dafür gibt es nicht nur eine Urkunde, sondern auch 500 Euro, bar ausbezahlt durch Bürgermeister Thomas Bernlöhr an die Familie Schuhmann vom Schafhof.

Die Ehrenpatenschaft hat in erster Linie symbolischen Charakter. Sie ist mit einer Taufpatenschaft nicht zu vergleichen. Der Bundespräsident bringt mit der Ehrenpatenschaft die besondere Verpflichtung des Staates für kinderreiche Familien zum Ausdruck. Die Ehrenpatenschaft soll mit dazu beitragen, das Sozialprestige kinderreicher Familien zu stärken.

Das kann die 42-jährige Mutter Sonja Schuhmann, Beamtin beim Zoll in Winnenden, nur zustimmen. Ab drei Kinder wird man heutzutage schon etwas schräg angeschaut.

"Vincent hält alle auf Trab"

Vincent kam am 4. Oktober 2017 in Heidenheim auf die Welt. Heidenheim deshalb, weil die Wunschärztin, die vorher in Aalen und Waiblingen gearbeitet hatte, die Stelle nochmals wechselte. „Vincent hält alle auf Trab“, berichtet Sonja Schuhmann. Alle sorgen dafür, dass er nicht weinen muss, und er wird viel und gerne auf den Arm getragen, natürlich auch von den Geschwistern. Nathalie ist mit 14 Jahren die Älteste und geht auf das Welzheimer Limes-Gymnasium. Schuhmanns Kinder haben viele Hobbys, deshalb sind Mutter und Vater als Elterntaxi viel mit dem Auto unterwegs. Pro Jahr kommen so locker 30 000 Kilometer zusammen. Nathalie fährt Einrad, spielt Fußball, spielt Gitarre und lernt Skifahren an der Skischanze in Degenfeld.

Die zwölfjährige Schwester Stephanie geht ebenfalls auf das Limes-Gymnasium und hat fast die gleichen Hobbys wie die größere Schwester.

Skifahren, Fußball spielen, Einrad fahren, Gitarre spielen stehen bei dem elfjährigen Bruder Valentin bei den Hobbys an oberster Stelle. Außerdem schreibt der Schüler des Limes-Gymnasiums gerne Gedichte.

Beim achtjährigen Bruder Quentin, der die Bürgfeldschule besucht, darf Fußballspielen ebenfalls nicht fehlen. Auch er springt gerne Ski und geht gerne Schwimmen. Und da haben die Eltern schon wieder ein Problem. Welzheim hat kein öffentliches Schwimmbad. Also wieder ins Auto steigen und fahren.

Die fünfjährige Leonie liebt das Wintercamping und fängt jetzt mit Skifahren und Skispringen an. Sie singt gerne und spielt ebenfalls Fußball. Der kleinere dreijährige Bruder Leonel fährt genauso gern Ski und möchte bald zum Fußball.

Vater ist Trainer beim FC 06 Welzheim

Jetzt fehlt nur noch einer in der Runde: Papa Ralph Schuhmann. Der Beamte beim Bundesverwaltungsamt in Stuttgart ist auch noch Trainer beim FC 06 Welzheim. Ihm wird es nie langweilig. „Die Familie geht vor“, sagt der 42-Jährige. Das bedeutet auch: Eltern müssen für ihre Kinder zurückstehen. Bei der Aushändigung der Urkunde des Bundespräsidenten steht Vincent Raphael Konstantin Felix Schuhmann im Mittelpunkt.

Mutter und Vater sind in Schorndorf aufgewachsen, zuletzt haben sie nach einem Zwischenaufenthalt in Plüderhausen im Schorndorfer Stadtteil Haubersbronn in einem Haus gewohnt. Weil die Familie immer größer wurde, stellt sich die Frage: anbauen oder umziehen? Die Familie entschloss sich für den Umzug, weil sonst der Garten für den Anbau weggefallen wäre.

Die Familie hat es nicht bereut, im Gegenteil. „Die Menschen hier sind hier viel freundlicher und nicht so gestresst wie in Schorndorf“, sagt Sonja Schuhmann. Hinzu kam, dass der Welzheimer Ortsteil Schafhof ein sehr idyllisches Fleckchen Erde am Rand der Stadt ist. Hier kennt jeder jeden, hier hält man zusammen. Das ehemalige Bauernhaus ist als Mehrgenerationenhaus für die Großfamilie wie geschaffen. Jedes Kind hat ein Zimmer, gleichwohl schläft immer einer beim anderen, dann ist es einfach kuscheliger und man ist nicht so allein.

Alle Familienmitglieder halten fest zusammen

Der Zusammenhalt in der Familie wird groß geschrieben. Die Geschwister helfen sich gegenseitig, die Großen kümmern sich um die Kleinen, anders wäre dies auch nicht zu bewältigen. Wer nun glaubt, die Eltern stammen selbst aus großen Familien, der irrt. Der Vater war ein Einzelkind, die Mutter stammt aus einer Familie mit zwei Kindern. Gerne nutzt Sonja Schuhmann die Gelegenheit, beim Bürgermeister ein paar Wünsche anzumelden. Bei der Schülerbeförderung (zuständig dafür ist der Landkreis) müsse dringend mehr für große Familien getan werden, sonst steigen die Fahrkosten ins Unbezahlbare. Angeregt hat die 42-Jährige eine Welzheimer Familienkarte, mit Vergünstigungen zum Beispiel bei Eintrittspreisen.

Ob nun bei der Familienplanung Schluss ist? Schuhmanns geben eine eher ausweichende Antwort. Käme noch ein Kind, bräuchte der Fahrer der Familie einen Busführerschein. Schon allein deshalb komme ein weiteres Kind nicht infrage. Da wendet der Bürgermeister ein: „Dann fahren Sie halt mit zwei Fahrzeugen.“ Das wäre eine, wenn auch teurere Lösung,

Hier hilft auch nicht eine alte Weisheit der Hebammen weiter, die besagt nämlich, dass das letzte Kind einer Familie vier Füße hat. Schuhmann haben einen Hund, der ist aber schon drei Jahre alt. „Der schläft den ganzen Tag.“ Er hat also die Ruhe weg und fürchtet keine Familienkonkurrenz.


Im Leben kann vieles passieren ...

Viele Hobbys, immer unterwegs: Bei Schuhmanns stehen die Familie und die Zeit füreinander an erster Stelle.

Im Sommer geht’s zum Camping nach Frankreich oder Italien, im Winter ins Allgäu. Alle Kinder sind begeisterte und begabte Skifahrer und Skispringer. „Im Leben kann vieles schnell passieren, deshalb genießen wir die Zeit zusammen“, sagt Sonja Schuhmann.

Die 42-Jährige weiß, von was sie spricht: Tochter Nathalie hatte nach einer Impfung im Alter von drei Jahren eine Halbseitenlähmung. Die Ärzte hatten sie bereits aufgegeben.

Doch Nathalie kämpfte sich zurück ins Leben und ist nun ein wichtiges Bindeglied für die Familie. „Jeder hilft jedem.“ Wenn viele Hände zusammen helfen, kommt man auch zügig ans Ende.

Vincent ist nicht der Einzige

Seit 1949 wurden insgesamt 80 285 Ehrenpatenschaften vom jeweiligen Bundespräsidenten übernommen (Stand 31. Dezember 2017).

Im Jahr 2017 waren es 460; 2016: 500; 2015: 550; 2014: 600; 2013: 600; 2012: 460.

Die Anträge für eine Ehrenpatenschaft sind über die Stadt- oder Gemeindeverwaltung an das Bundespräsidialamt zu richten.