Welzheim

Caroline Hermes ist die beste Nachwuchsgolferin

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Caroline Hermes trainiert natürlich vor und nach dem Interview auf dem Gelände des Golf- und Landclubs Haghof. © Habermann / ZVW
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Trainer James Dawson und seine Schülerin Caroline Hermes im Interview. © Habermann / ZVW
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Tochter Caroline mit Vater Andreas. © Habermann / ZVW

Alfdorf/Welzheim. Caroline Hermes zählt zu den Nachwuchstalenten im Golfsport. In der Altersklasse 14 belegt die Welzheimerin in Baden-Württemberg derzeit den ersten Ranglistenplatz. An den meisten Tagen steht sie rund vier, fünf Stunden auf dem Golfplatz oder trainiert anderweitig. Wie sie und ihre Familie Golfsport, Privatleben und Schule unter einen Hut bringen, ist eine Leistung, die auch Opfer erfordert.

Video: Die beste Nachwuchs-Golferin Baden-Württembergs.

„Sie ist im Augenblick die Nummer eins“, sagt Stiefvater Andreas Inselsberger stolz, der Caroline in vielen Bereichen unterstützt. Die beiden üben gerade Abschläge auf dem Gelände des Golf- und Landclubs Haghof. Sie sind ein eingespieltes Team, das viel Zeit miteinander verbringt; auf dem Trainingsplatz, auf Turnieren und auf den Reisen, denn Caroline ist viel unterwegs. „Seelentröster, Manager und Betreuer“, so könne man ihn nennen, hält der sportliche Vater lachend fest. Gleich nach den ersten beiden Sätzen kann man ermessen, warum Caroline Hermes es bisher schon so weit gebracht hat: Ehrgeiz und Spaß am Spiel. „In drei Jahren will ich in den Nationalkader“, sagt sie bestimmt und schildert, was ihr am Golfsport so viel Spaß macht. Gibt es ein Erfolgsrezept, so dürften dies die beiden wichtigsten Zutaten sein. Doch es braucht mehr, machen Vater und Tochter deutlich.

Erst trainierte sie der Vater, dann kamen Profis

Den ersten Schläger hatte Caroline mit vier Jahren in der Hand. „Sie hatte Talent, das sah man an den Bewegungen“, erinnert sich Vater Andreas, der in jungen Jahren „halbprofessioneller Tennisspieler“ war. Und so kam es, dass der Vater, mit Leistungssport und Trainingsmethoden vertraut, viel Zeit mit seiner Tochter auf dem Golfplatz verbrachte. Für die ersten Jahre habe das ausgereicht, dann irgendwann nicht mehr. Trainer wurden engagiert. James Dawson, Golf Professional, ist seit knapp einem Jahr der dritte und bisher erfolgreichste Trainer von Caroline. Ein-, zweimal trainieren die beiden zusammen, und langsam beginnt der Redakteur zu verstehen, wie viel Einsatz notwendig ist, um die Rangliste in Baden-Württemberg anzuführen.

Da die Welzheimerin Mitglied des Leistungskaders II des Golfverbandes Baden-Württembergs ist – die II bezieht sich auf das Alter, nicht die Qualität der Spieler –, genießt sie das Privileg, für das Familie Inselsberger auch bezahlen muss, stark gefördert zu werden. Es gibt Lehrgänge und Trainingslager. Verbandstrainer schulen den Nachwuchs. Eine Mentalitätstrainerin gibt Tipps, und Physiotherapeuten ergänzen das Trainingspaket. Auf der Internetseite des Verbandes heißt das Ziel, „mit einer erhöhten Lern- und Leistungsbereitschaft auf nationaler Ebene eine führende Rolle zu spielen und den Weg an die internationale Spitze zu beschreiten“. Außerdem geht Caroline ins Fitnessstudio, trainiert gezielt Muskeln und Kondition und verbringt fast jede freie Minute auf dem Golfplatz. Das führt zwangsläufig zu einer Frage.

Man spielt mit anderen, obwohl es Einzelsport ist

Wie bringt die Familie Leistungssport, Schule und Privatleben unter einen Hut? Vater und Tochter geben ehrliche Antworten. Natürlich bedeutet der eingeschlagene Weg, dass sie auf manche Dinge verzichten müsse. Auch der Familien-Urlaub orientiert sich am Trainingsplan, den Familie und Golfverband aufstellen. Im Sommer tritt Caroline fast jedes Wochenende bei Turnieren an. Wenn sich die Freundinnen nachmittags oder abends mal treffen, steht Caroline sehr oft noch auf dem Golfplatz. „Das sind die Zeiten, wo es schwer ist, sie zu motivieren“, sagt Vater Andreas. Caroline nickt. Wer auf diesem Niveau Golf spiele und Ambitionen habe, der müsse dranbleiben. „Es macht mir Spaß“, sagt die Welzheimerin, „man spielt mit anderen, obwohl es Einzelsport ist.“

Ihr gefallen die Kontakte mit den Gleichaltrigen, das Rahmenprogramm, das sie und Vater Andreas sich ausdenken, wenn sie von Turnier zu Turnier fahren. Städte wie Brüssel abseits des Platzes zu erkunden, sei Ausgleich und Motivation. Die vielen Turniere und das tägliche Training bedeuten schon Stress, sagt die 14-Jährige. Doch was ist Stress? „Ich weiß die Vorteile schon zu schätzen“, sagt sie und blickt über den Tellerrand. Diesen Lebensstil, viel unterwegs zu sein, viel zu sehen und viel zu erleben, kann sie einordnen und genießen.

Dass ihre „Golfer-Familie“ den finanziellen Hintergrund hat, der Tochter diese Mischung aus Hobby und Leistungssport zu ermöglichen, und aus dem Hobby erst einen Leistungssport machen zu können, damit geht Andreas Inselsberger offen um. „Ohne finanzielle Unterstützung geht das gar nicht.“ Das erst biete auch die notwendige Flexibilität. Er könne schon einschätzen, dass jetzt einige Leser meinen könnten, der reiche Vater treibe seine Tochter an, projiziere seinen Ehrgeiz auf das Kind. So wirken die beiden allerdings nicht. Er vertrete den Ansatz, dass Kinder, wenn sie ein Hobby haben, dieses auch richtig machen sollen. Seine Tochter habe eben den Willen, das Talent und den Spaß am Spiel. Seine Aufgabe, und die Aufgabe seiner Ehefrau, sei es nun, „die Rahmenbedingungen positiv zu gestalten. Ich will das Beste für Caro und tue alles dafür, dass sie ihre Leistung bringen kann. Das ist eine Aufgabe, die mir Spaß macht“, sagt er. „Ich bringe meine Tochter nicht zum Turnier und geh' dann wieder“. Gemeinsam üben sie Manöverkritik nach und vor Turnieren, überlegen, welche Taktik sie wählen können. Er holt einen Zettel aus seiner Tasche. 18 kleine Skizzen für jedes der 18 Löcher sind auf dem Grünplan für das letzte Turnier zu erkennen. Schrägen und Bunker sind eingezeichnet. Der Rennfahrer weiß, wann Kurven kommen; die junge Golferin weiß, welche Punkte sie auf den Golfplätzen anspielen muss.

Kann sie auch ohne Golf? Nach ein paar Tagen juckt es schon in den Fingern, sagt sie. Und natürlich müssen Trainer und Vater sie auch mal motivieren und antreiben. Das müsse so sein, sagt der Vater. Es gebe lustige und harte Zeiten. Sonst würde sie nicht auf diesem Niveau spielen, sagt Andreas Inselsberger. Und Golf sei ein komplexer Sport. „Du musst konstant gut spielen! Ohne Einsatz geht das nicht.“ Abschläge, putten, das Grün treffen, den richtigen Schläger verwenden, die richtige Taktik anwenden und, und, und. Mittlerweile sei sie besser als er, sagt er stolz und lacht.

Worauf kommt es an? „Fleiß und Übung“, antwortet Trainer James Dawson. Auch der Anteil, den die Eltern leisten, spiele eine große Rolle.“ Nicht nur finanziell. Manchmal sei er der strenge Lehrer, dann wieder ein guter Freund. Diese Mischung mache es aus. „Man darf einen Fehler nicht mit einem anderen Fehler ausbessern“, sagt er.

Ganz wichtig sei der Spaßfaktor, sind sich alle einig. Dann stelle sich irgendwann der Erfolg ein. „Wir brauchen den Spaßfaktor“, sagt Vater Andreas. Und den Ehrgeiz.

Sport und Schule?

Caroline geht auf das Limes-Gymnasium. Das Kollegium unterstütze die 14-Jährige, Stichwort Schulbefreiung.

Die Schule leide schon unter dem Golfsport, sagen Vater und Tochter. Doch sei der Golfsport auf diesem Level in Sachen Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit eine Art Ausbildung, urteilt Andreas Inselsberger. Für eine 1 vor dem Komma reiche es bei diesem Golf-Pensum nicht. Solange es eine 3 oder vielleicht eine 2 ist, zögen sie ihr Pensum durch. Doch Schulbücher begleiten sie auf vielen Turnieren. Geht es auf das Abitur zu, werde die Schule in den Vordergrund rücken. Vor dieser Zeit hat Caroline schon jetzt Respekt.