Welzheim

Chance für Bahnverkehr bis Welzheim

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Der Welzheimer Gemeinderat entscheidet am kommenden Dienstag darüber, ob für eine beschränkte Zeit der Wiesel im Pendelverkehr nach Oberndorf als Ersatz angeboten werden kann. Unser Archivbild entstand bei einer Prüffahrt 2010 © Ramona Adolf
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offizielle Fahrt der Tourismusbahn von Oberndorf nach Welzheim mit Eisenbahnbundesamt & Co. zwecks Betriebsabnahme mit dem Wiese
Die Wieslauftalbahn auf einer Testfahrt zwischen Oberndorf und Welzheim. © Habermann / ZVW
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Nach heftigen Regenfällen im Juni ist die Landesstraße zwischen Klaffenbach und Welzheim in einem Teilbereich abgerutscht. © Habermann / ZVW

Welzheim. Die Straßensperrung zwischen Welzheim und Rudersberg-Klaffenbach, durch einen Erdrutsch im Juni ausgelöst, eröffnet nun die Chance, den Wiesel bis Welzheim fahren zu lassen. In der nächsten Gemeinderatssitzung am Dienstag, 16. August, wird das Gremium darüber entscheiden, ob der Bahnverkehr auf der Schiene vorübergehend wieder aufgenommen wird. Der letzte Personenzug war auf dieser Strecke am 30. Mai 1980 gefahren.

Die Idee ist gut, aber wahrscheinlich nicht ganz billig. Für die Museumsbahnstrecke eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Das Konzept sieht vor, einen Zug im Pendelverkehr zwischen Welzheim und Rudersberg-Oberndorf fahren zu lassen, in der Wieslauftalgemeinde kann dann auf den Wiesel umgestiegen werden. Eine durchgängige Fahrt ist derzeit noch nicht möglich, weil sonst der bestehende Fahrplan des Wiesels gefährdet wäre.

Falls das Gremium zustimmt, könnte der Zugverkehr noch in den Sommerferien aufgenommen werden, was vor allem für das Erfahrungsfeld der Sinne von Vorteil wäre. Und auch der Schülerverkehr nach den Sommerferien soll dann noch die Möglichkeit haben, den Zug zu nutzen. Über die Dauer des Zugbetriebs, den Fahrplan und die Kosten ist am Dienstag zu beraten.

Die Wieslauftalbahn ist durchgehend eingleisig und nicht elektrifiziert; sie wird durch die Württembergische Eisenbahngesellschaft (WEG) jedoch nur zwischen Schorndorf und Rudersberg-Oberndorf bedient. Im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) wird diese Strecke als Regionalbahnlinie geführt.

Der Betrieb auf dem restlichen Abschnitt bis Welzheim war infolge eines Hangrutsches seit April 1988 eingestellt, die Strecke wurde jedoch formal nie stillgelegt. Seit Mai 2007 wurde eine Reaktivierung mit dem Ziel eines Museumsbahnbetriebes angestrebt, welche schließlich am 8. Mai 2010 mit der Ankunft des ersten dampfgeführten Touristikzuges in Welzheim ihren erfolgreichen Abschluss fand.

Die Autofahrer und betroffenen Anlieger müssen noch länger mit der Straßensperrung zwischen Rudersberg-Klaffenbach und Welzheim leben. Seit Mitte Juni ist die Landesstraße zwischen Welzheim und Rudersberg-Klaffenbach wegen einer Rutschung für den Verkehr komplett gesperrt. Für die Autofahrer und den Busverkehr bedeutet dies eine Umleitung über Althütte beziehungsweise über Schorndorf-Haubersbronn in beide Richtungen.

Aber nicht nur die täglich über 5000 Verkehrsteilnehmer sind betroffen, sondern auch die Anlieger. Für das Erfahrungsfeld der Sinne mit seiner Gastronomie „Molina“, das Restaurant Bahnhof Laufenmühle und die Gaststätte in der historischen Klingenmühle bringt die eingeschränkte Erreichbarkeit vom Tal aus empfindliche Einbußen, insbesondere in der sommerlichen Hauptsaison.

Hang muss mit Bohrpfählen abgesichert werden

Zur Wiederherstellung der Straße ist eine hangseitige Absicherung mit Bohrpfählen notwendig. Diese werden auf Höhe des Banketts in den Untergrund getrieben und mit einem Betongurt verbunden.

Der Zeitplan sieht vor, dass die Voruntersuchungen noch im August abgeschlossen werden und die Berechnungen für die Statik vorliegen. Unmittelbar danach erfolgt die Ausschreibung der Arbeiten. Baubeginn ist für das vierte Quartal dieses Jahres vorgesehen. Wenn alles reibungslos läuft, ist die Straße im nächsten Jahr wieder ab Sommer, spätestens Herbst wieder offen.

Trotz der oberflächlich relativ gering anmutenden Schäden sei die Baustelle umfangreich und komplex, so das Regierungspräsidium in Stuttgart. Das Projekt soll mit voller Energie und ohne jegliche Verzögerung vorangetrieben werden, die Bedeutung der Straße für die Region sei auch dem Regierungspräsidium bewusst.

Im Vorgriff auf die eigentliche Sanierung wird Ende September der Straßenbelag zwischen Bahnhof Laufenmühle und Klingenmühle auf einer Länge von fast 500 Metern saniert. Außerdem arbeitet die Stuttgarter Behörde mit Hochdruck an einer kurzfristigen Sanierungslösung der Rutschung auf der Landesstraße zwischen Klaffenbach und Althütte, so dass diese Verkehrsbehinderung noch in diesem Jahr beseitigt werden kann.

Die Betriebsinhaber der drei betroffenen Gastronomiebetriebe Bahnhof Laufenmühle, Antik-Café Klingenmühle und Erfahrungsfeld Eins und Alles müssen Einschränkungen im Zusammenhang mit der Sperrung hinnehmen. Um die Situation etwas zu verbessern, hat die Regional Bus Stuttgart (RBS) in Zusammenarbeit mit dem Rems-Murr-Kreis als ÖPNV-Aufgabenträger eine Linie von Welzheim als Stich organisiert. Vier Fahrten pro Tag (zwei morgens, zwei abends) bedienen die Haltestelle „Laufenmühle“. Damit soll für Bewohner und Mitarbeiter der Behinderten- und Freizeiteinrichtung ein Mindestmaß an Mobilität gewährleistet werden. Zur Information, wie die drei betroffenen Betriebe während der Sperrung erreicht werden können, wurden in Absprache mit der Verkehrsbehörde außerdem zusätzliche Hinweisschilder angebracht.

Eine Million Euro

Zum aktuellen Stand der Planung für die Sanierung der Landesstraße teilte das Regierungspräsidium Stuttgart auf unsere Anfrage hin mit: Die Fahrbahndeckenerneuerung im Gesamten wird mit der Rutschungssanierung ausgeschrieben und vergeben. Dabei werden neben der Asphaltdeckschicht auch stellenweise tieferliegende Asphaltschichten erneuert.

Baubeginn der Rutschungssanierung ist Ende des Jahres 2016. Die Fahrbahnbelagserneuerung erfolgt im Anschluss, voraussichtlich im zweiten Quartal 2017. Lediglich ein kleiner Abschnitt von 0,5 Kilometern wird vorgezogen, um die Beeinträchtigungen der Klingenmühle und weiterer Anlieger im kommenden Jahr zu minimieren.

Ziel ist es, im kommenden Jahr stets eine einseitige Zufahrt zu ermöglichen. Die Ausführung des vorgezogenen Abschnitts ist für Ende September dieses Jahres vorgesehen. Für den gesamten Straßenbelag investiert das Land Baden-Württemberg rund eine Million Euro.