Welzheim

Circus Piccolo: Große Aufgaben für kleine Künstler

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Starker Auftritt: Auf Bällen trippelnd sorgten diese Artisten für Begeisterung beim Publikum. © Habermann / ZVW
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Die Flying Socks lassen Kugeln fliegen. © Habermann / ZVW
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Premiere: Ein Begrüßungslied. © Habermann / ZVW

Welzheim. Ein Pony frisst seelenruhig Gras auf der Wiese und kümmert sich nicht um die Aufregung, die im und um das Zelt vom Circus Piccolo herrscht. Im Zelt jubeln Gäste. Hinter den Kulissen versuchen die Akrobaten, ihre Aufregung in den Griff zu bekommen. Vor dem Zelt proben einige noch ein allerletztes Mal. Bälle, Stangen und Diabolos fliegen durch die Luft. Mange frei für die Flying Socks, die Flying Wheels und den Zirkus Miracolix der Hofgartenschule.

Video: Circus Piccolo in Aktion

„Ich bin noch nie in einem Zirkuszelt aufgetreten“, ruft Elena mit einer Stimme, die nach Vorfreude und Aufregung klingt. „Das ist ein komisches Gefühl“, sagt sie und reibt sich die Hände. Lampenfieber? „Ja!“, ruft das Mädchen aufgeregt. „Ich habe Angst, dass ich etwas falsch mache“, sagt sie ernst. Mut macht ihr allerdings, dass die Generalprobe im Zelt, erste und einzige Möglichkeit, die Einrad-Nummer final einzustudieren, von allen Proben am besten gelaufen ist. Das ist doch mal ein gutes Omen. Bei der Aufführung klappt auch fast alles. Die Schüler der Janusz-Korczak-Schule und der Hofgartenschule sowie die Kinder und Jugendlichen vom CVJM liefern eine gute Show ab. Und das wird honoriert.

Das Publikum klatscht begeistert, als die Kinder mit Trippelschritten auf Bällen laufend in die Manege rollen. Doch die Zuschauer sollten sich zurückhalten, denn das war noch nicht alles. Denn der akrobatische Nachwuchs setzt noch einen obendrauf: Ein Junge balanciert auf dem Ball und fängt die Ringe seiner Kollegen auf. Klasse Leistung. Klasse sind auch die Helfer, die lossprinten, sobald irgendjemand mal vom Ball geflogen ist, um den Artisten wieder auf ihr Gerät zu helfen.

Zuvor hatten zwei kleine Welzheimer die Zuschauer mit einer musikalischen Begrüßung willkommen geheißen. Sie sangen gleich zweimal. Einmal ohne Mikrofon – und voller Hingabe – und dann mit Mikro. Mira und Sarah führen die Zuschauer mit Clown-Einlagen durch die Show. Ihre gespielte Ungelenkheit ergänzt sich wunderbar mit den teils starken Auftritten ihrer Kolleginnen und Kollegen. Das ganze Jahr über haben die Hobby-Zirkusleute geübt.

Lampenfieberthermometer zeigt rekordverdächtige Temperaturen an

Trainer Gerhard Kaiser und Trainerin Hannah Schneider haben gespürt, wie die Anspannung gestiegen ist. Ein Mädchen ruft aufgeregt, dass es die Nacht zuvor kaum geschlafen hat. Beim Auftritt wirkt sie sehr ausgeschlafen. Rund 60 Kinder, Jugendliche und ein paar alte Hasen sind beim Auftritt dabei. Die Chance, in einem Zirkuszelt aufzutreten, mit Musik, Lichtern und dem Geruch von Popcorn in der Nase, gibt es nicht so häufig. Dass die Profis vom Circus Piccolo dann auch noch mit den jungen Leuten trainieren, ist ein weiterer Höhepunkt. Und so schwingen die Artisten das Vertikalseil, das die Kinder spielerisch erklimmen. An beiden Armen hängend düsen sie fast waagerecht durch die Luft.

„Seit Wochen merkt man bei den Kindern, dass da was im Gange ist“, beobachtet Gerhard Kaiser, der einige Kinder hinter den Kulissen beruhigen muss, weil das Lampenfieberthermometer rekordverdächtige Temperaturen anzeigt. Ständig fragt ihn jemand, zieht jemand an seinem Hemd, weil er oder sie sofort wissen muss, wann der Auftritt startet. Hinter den Kulissen ist also viel los. Die Zuschauer merken davon nichts, obwohl manche Stange, mancher Ball und auch mal ein Diabolo auf dem Boden landet. Was soll’s? Der eine strahlt bühnenreife Souveränität aus, der andere wirkt hochkonzentriert. Die Verbeugung vor dem Publikum haben sie alle drauf. „Eine Traumkulisse“, flüstert ein kleines Mädchen im Publikum.

Einfach zum Staunen

Szenenapplaus kriegt eine Diabolo-Künstlerin, die schwierige Verrenkungen vorführt, Arme und Seile verknotet, um dann im nächsten Augenblick das Diabolo in die Luft zu werfen und gekonnt aufzufangen. Manege frei auch für die Einradfahrer, die auf engstem Raum den Überblick behalten. Oder die drei Pantomimen, die das Publikum unterhalten. Als dann noch zwei Artisten in die Manege stolziert kommen, die auf Stelzen gehen, jubeln die Zuschauer, egal ob Freunde, Großeltern, Eltern oder Geschwister. Bestimmt 300 bis 400 Gäste haben es sich auf den Bänken im Zirkuszelt bequem gemacht, manche haben sich Popcorn geholt. Eine Traumkulisse.

Neue Teilnehmer

Vielerorts finden Projekte mit Flüchtlingen statt. Auch beim Zirkusprojekt waren junge Kinder dabei. Die Sprachschwierigkeiten sind bei Zirkusnummern kein großes Problem, da viel mit Zeichensprache gearbeitet werden kann.