Welzheim

Corona: Keine Staatshilfe seit Januar für das Hotel Reich und das Restaurant Himmelreich

Himmelreich
Volker Reich, Hotelbesitzer, wünscht sich mehr Fingerspitzengefühl und Solidarität in der Corona-Politik für Hotels und Restaurants. © Joachim Mogck

Das Restaurant Himmelreich hatte am vergangenen Wochenende seine Tore für die Hungrigen und Durstigen geöffnet. Hotelbesitzer Volker Reich berichtete, er sei streckenweise sogar höchstpersönlich im Imbiss am Grill gestanden, um für das leibliche Wohl der Besucher zu sorgen, die trotz oder gerade wegen der tropischen Temperaturen wieder in so großer Zahl den Weg hinauf zur „Perle des Schwäbischen Waldes“ gefunden hatten, dass zeitweise der Parkplatz gesperrt werden musste.

„Das macht mir Spaß“, erklärte Reich seinen Einsatz „direkt an der Verkaufsfront“. Er genieße den unmittelbaren Kontakt mit den Kunden und lebe geradezu auf, wenn es darum gehe, auch in der Hektik eines größeren Ansturms dafür zu sorgen, allen Wünschen gerecht zu werden. Das sei für ihn so etwas wie ein Hobby. Zugleich beleuchte es aber auch schlaglichtartig eines der Probleme, mit dem nicht nur das Hotel am Ebnisee, sondern das ganze Hotel- und Gaststättengewerbe zu kämpfen habe: der Personalmangel.

Es fehlen 15 Mitarbeiter, der Arbeitsmarkt sei leer gefegt

Das Ebniseehotel und das Restaurant seien geöffnet, zählte Reich auf, an den Wochenenden auch Biergarten und Imbiss. Für den „Regelbetrieb“ würden ihm in dem Haus allerdings fünfzehn Leute fehlen, darunter drei Köche. „Woher soll ich die nehmen, der Arbeitsmarkt ist geradezu leer gefegt“, klagte Reich. Und wenn er versuche, Personal von auswärts anzuwerben, dann ziele die erste Frage inzwischen nach einer Wohnung. Geeigneter Wohnraum sei knapp, so Reich, inzwischen auch im Schwäbischen Wald. Und um am Ebnisee zu arbeiten, müsse man weite Wege in Kauf nehmen, Anfahrten mit dem Pkw, was angesichts weiter steigender Benzinpreise alles andere als verlockend sei.

Zudem seien während der anderthalb Jahre Zwangsschließung aus der Branche zahlreiche Fachkräfte abgewandert, entweder in andere Berufe, wie drei ehemalige Köche von ihm, die mittlerweile als Hausmeister, Elektriker und Maurer ihren Lebensunterhalt verdienten, oder gleich ins Ausland, wie eine einstige Restaurantleiterin, die inzwischen eine gesicherte Position in der Schweiz habe. Sie alle hätten keinen Grund, ihre gesicherten Existenzen aufzugeben, in einer Zeit, in der aus den Reihen der Politik schon wieder Stimmen laut würden, die für den Herbst eine „vierte Welle durch die Delta-Variante“ und erneute Betriebsschließungen an die Wand malen würden.

„Wer gibt schon seinen Arbeitsplatz auf und wechselt, mit der Aussicht, in zwei Monaten arbeitslos zu werden?“ Ein wenig mehr Nachdenken, Fingerspitzengefühl und Solidarität der Politik mit den Branchen, die die Hauptlast der Pandemie zu tragen haben, wären durchaus hilfreich, so Reich. So habe er zum Beispiel im Vertrauen auf das im November aufgelegte Sonderförderungsprogramm für Investitionen im Hotel- und Gaststättengewerbe im Januar begonnen, drei Ferienwohnungen zu renovieren, eine Zukunftsinvestition in Höhe von 300 000 Euro. Im März musste er dann von seiner Hausbank erfahren, dass die vom Land Baden-Württemberg für dieses Programm vorgesehenen Gelder alle aufgebraucht seien: „Der Topf der Landesregierung ist leer, die eigentlich einkalkulierten 25 Prozent Fördermittel müssen nun über einen Bankkredit aufgebracht werden. Auf diese Art und Weise gerät ein ganzer Wirtschaftszweig von einer Schräglage in die nächste. Es wird immer enger, und am Ende werden so manche Betriebe auf der Strecke bleiben“, so Reichs Prognose.

Er selbst habe mittlerweile allein seit 1. Januar keinen Cent staatliche Unterstützung für seine Hotels erhalten, aber 500 000 Euro aus seiner Privatschatulle in sie hineingesteckt, um ihr Überleben zu sichern, „aber diese Reserven muss man auch erst einmal haben“. Tragende Säule sei nach wie vor das Hotel an der Rems in Schorndorf. Dort sei es gelungen, das Personal weitestgehend zu halten, das Haus sei gut gebucht, nun kämpfe man um die Veranstaltungen und hoffe darauf, dass durch die Pandemie nicht wieder alle storniert werden müssten. Vom Aufwand und vom Personaleinsatz her mache es keinen Unterschied, gab Reich zu bedenken, ob zu einem Brunch fünfzig oder hundertzwanzig Besucher kämen, vom Umsatz her aber einen gewaltigen.

Somit hoffe die ganze Gastronomie auf anhaltend schönes Wetter, damit möglichst viele Gäste sich draußen bewirten lassen. Denn wer habe schon Lust, zum Essen in ein Restaurant zu gehen, wenn er sich dafür vorher impfen oder testen lassen müsse? Und die Angst vor der vierten Welle, dass man wieder zumachen müsse, spüre die komplette Branche.

Das Restaurant Himmelreich hatte am vergangenen Wochenende seine Tore für die Hungrigen und Durstigen geöffnet. Hotelbesitzer Volker Reich berichtete, er sei streckenweise sogar höchstpersönlich im Imbiss am Grill gestanden, um für das leibliche Wohl der Besucher zu sorgen, die trotz oder gerade wegen der tropischen Temperaturen wieder in so großer Zahl den Weg hinauf zur „Perle des Schwäbischen Waldes“ gefunden hatten, dass zeitweise der Parkplatz gesperrt werden musste.

„Das macht

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