Welzheim

Corona-Tagebuch aus Welzheim von Simone Dorra: Das Virus, die Angst und die Hühnersuppe

Zur Illustration eines Berichts žber einen Vortrag im Forum Mitte zum Thema "Wie man mit ƒngsten umgeht" h‰tten wir gerne ein Bi
Angst spielt für Menschen in der Corona-Quarantäne eine große Rolle, auch für die Welzheimer Journalistin Simone Dorra. © hikrcn - Fotolia

Ein Corona-Tagebuch von Simone Dorra (freie Mitarbeiterin beim ZVW), die von ihrer Quarantäne berichtet.

Angefangen hat es am 11. Dezember. An dem Tag hab ich meinen Jüngsten zum Corona-Test geschickt, weil ihn seit seiner Rückkehr von der Uni in Stuttgart dieser komische, trockene Husten plagt. Nur zur Vorsicht, wohlgemerkt. Er hat schließlich immer Maske getragen, alle Abstände eingehalten, sich vorgesehen. Das haben wir alle.

13. Dezember. Immer noch kein Ergebnis. Wir haben uns (ganz coronaregelkonform) Tickets für eine Veranstaltung in unserer Kirchengemeinde besorgt, und wir gehen auch (ohne den Sohn) hin. Alle Fenster stehen weit offen, alle Stühle weit auseinander. Abends mache ich Arme Ritter, mit Schinken und Käse aufgepimpt. Plötzlich steht mein Ältester neben mir und klingt panisch: Mein Jüngster schmeckt nichts mehr. Überhaupt nichts. Das Entsetzen schießt mir jäh in die Glieder; sind wir infiziert? Haben jetzt wir jemanden angesteckt? Können wir irgendwann alle nicht mehr atmen?

15. Dezember: Der Test unseres Jüngsten ist positiv. Am 16. Dezember wird mein Mann nach dem Test durch die Corona-App positiv gemeldet, am 17. Dezember ich. Meine Tochter und mein Ältester sind (noch) negativ, aber meine Tochter teilt sich ihr Zimmer mit unserem Jüngsten - wenig Chancen, dass sie davonkommt. Nicht zum ersten Mal wünsche ich mir ein geräumiges Haus, wo sich jeder in seine eigene Höhle zurückziehen kann. Ich habe Angst. (Und Fieber habe ich auch, das wird - neben einer heftigen Dauererschöpfung - so ziemlich mein einziges Symptom bleiben, aber das weiß ich jetzt noch nicht.)

Kleiner Lichtblick: Mein Ältester darf laut Ordnungsamt zu seiner (ebenfalls negativ getesteten) Freundin nach Bad Cannstatt und dort die Quarantäne verbringen. Er nimmt den Wagen meines Mannes und verschwindet noch am selben Abend. Ich bin traurig; aber Hauptsache, er kann sich nicht anstecken.

18. Dezember. Freunde aus dem Stadtrat und der Kirchengemeinde greifen uns unter die Arme, lassen sich Listen schicken und kaufen ein, aus den beiden Tiefkühl-Hühnern für die hilfreiche Krankenkost werden Maispoularden und damit die wohl luxuriöseste Hühnersuppe aller Zeiten. Ich koche extra würzig, weil von vier Menschen in unserem Haushalt drei (fast) nichts schmecken. Und wenn ich mit dem Müll raus will oder mit der Wäsche in den Keller muss, gibt es zwei kurze Zeitfenster pro Tag, damit mir im Hausflur keiner begegnet. Mit Maske und Gummihandschuhen. Komischerweise gewöhnt man sich auch daran. Aber das Fieber geht nicht herunter, das Halsweh und der Husten bleiben den anderen erhalten. Und wir sind alle unendlich müde. Einen Wäschekorb tragen, eine Treppe hinaufsteigen - furchtbar anstrengend. Irgendwer verkriecht sich immer für ein paar Stunden ins Bett. Nachrichten machen auch keinen Spaß. Die täglichen Fallzahlen spülen die Angst jedes Mal wieder hoch.

24. Dezember. Der Gänsebraten ist gestrichen, aber frische Räucherforellen sind auch super. Bei der Bescherung ist mein Ältester samt Freundin per Livestream zugeschaltet. Er fehlt uns - aber er ist gesund.

29. Dezember. Mein Jüngster schmeckt immer noch nichts, aber mein Fieber ist weg und meine Quarantäne vorüber - endlich. Meine Tochter ist symptomfrei und negativ getestet und will wieder arbeiten; der Körper macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Der erste Einkauf (selbstverständlich mit Maske und Abstand) ist ein surreales Abenteuer. Mein Ältester muss die Tests seines Vaters und Bruders abwarten, um zu wissen, ob er wieder nach Hause darf und wir sind alle „geschafft“ - aber es hätte schlimmer kommen können. Viel schlimmer. Wir sind alle noch da.

Ein Corona-Tagebuch von Simone Dorra (freie Mitarbeiterin beim ZVW), die von ihrer Quarantäne berichtet.

Angefangen hat es am 11. Dezember. An dem Tag hab ich meinen Jüngsten zum Corona-Test geschickt, weil ihn seit seiner Rückkehr von der Uni in Stuttgart dieser komische, trockene Husten plagt. Nur zur Vorsicht, wohlgemerkt. Er hat schließlich immer Maske getragen, alle Abstände eingehalten, sich vorgesehen. Das haben wir alle.

13. Dezember. Immer noch kein Ergebnis. Wir haben

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