Welzheim

Demonstration in Welzheim: 170 Querdenker, ein halbes Dutzend Gegner und ganz viel Polizei

C66A0242
Querdenker: Durch Welzheim mit Lastwagen und Trommeln. An der Kirche protestierte ein halbes Dutzend Gegner. © Büttner

„Coronawahnsinn stoppen“ lautete die Aufschrift auf dem tiefroten Banner, das dem Demonstrationszug vorangetragen wurde, der sich am Samstagmittag durch Welzheim zog. „Die Menschen müssen wachgerüttelt und darüber informiert werden, was in diesem Land geschieht“, begründete Stephan Schmidt seine Teilnahme an dem Demonstrationszug. Die seit Samstag geltende Ausgangssperre und der bevorstehende Lockdown – für Schmidt „Extremmaßnahmen, die mit der Zahl der Erkrankten in keinem Verhältnis stehen“. Die dadurch verursachten Kollateralschäden findet er um einiges schlimmer als die Folgen der Krankheit selbst.

Aber die Politik, so sieht es Schmidt, habe sich total vergaloppiert und finde nun kein Mittel, um aus der Hysterie wieder herauszufinden, die sie selbst erzeugt habe. Da müssten Bundesregierung und Ministerpräsidenten ja zugeben, dass sie es „total vergeigt haben“ und geschlossen zurücktreten. Bereits am 19. November habe es ja in Welzheim eine Demonstration gegeben, und die Gegendemonstration, die sich ihr in den Weg stellte, habe er zumindest als Einladung verstanden, noch einmal wiederzukommen.

Maskenpflicht und Mindestabstand

Angemeldet wurde die Demonstration am Samstag gemeinsam von den Querdenken-Gruppen aus Schorndorf, Murrhardt, Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd, Kirchheim, Wendlingen und Nürtingen sowie dem Verein „Ruf der Trommeln“. Die Demonstrationsleiterin aus Schorndorf bat darum, ihren Namen nicht zu veröffentlichen, da sie für sich und ihre Familie Ausgrenzungen, Anfeindungen und Drohungen fürchte. Sie informierte die Teilnehmer über den umfangreichen Auflagenkatalog des Welzheimer Ordnungsamtes, zu dem auch die Verpflichtung zum Tragen von Schutzmasken und das Einhalten von Mindestabständen gehörten. „Wir fangen an, uns regional zu organisieren, als friedliche Bewegung zur Wiedererlangung unserer Freiheit und Grundrechte“ verkündete sie. „Es geht um uns, unsere Kinder und unsere Grundrechte“, begründete sie ihre Warnung davor, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. So seien mittlerweile in Großbritannien mehrere Fälle von allergischen Reaktionen als Folge der Impfung aufgetreten. Wenn nun ab 5. Januar in Bayern mit dem Impfen der Polizeibeamten begonnen werde, und wenn nur die Hälfte der Beamte dadurch gesundheitliche Probleme bekomme und nicht mehr dienstfähig sei, dann könne die öffentliche Sicherheit nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Kurz nach elf Uhr setzte sich der Zug vom Waldparkplatz bei den Wellingtonien aus in Bewegung, mit Trommeln, Musik aus Lautsprechern und dem Skandieren von Parolen. Es ging über die Schorndorfer Straße vorbei an Rathaus und Kirche, durch die Wilhelmstraße und die Rudersberger Straße letztendlich zurück zum Ausgangspunkt. 170 Demonstrationsteilnehmer zählte die Polizei, die selbst mit einer derart beeindruckenden Zahl von Beamten präsent war, dass man zeitweise den irrigen Eindruck gewann, es seien mehr Ordnungshüter als Demonstranten unterwegs. Mehrere Einsatzfahrzeuge fuhren dem ungefähr 500 Meter langen Demonstrationszug voraus, ihnen folgte eine zehnköpfige, martialisch in schwarzem Kampfanzug gewandete und in geschlossener Zweierreihe marschierende Vorhut. Eigentlicher Wegbereiter für die Demonstranten war allerdings ein äußert gelassen auftretendes Antikonfliktteam, dessen Mitglieder direkt auf die wenigen Passanten zugingen, die an dem nasskalten Wintertag unterwegs waren, das Gespräch mit ihnen suchten und überall dort beschwichtigten, wo sich die Gemüter zu erhitzen drohten. Die auf Deeskalation und Konfliktvermeidung ausgerichtete Einsatzstrategie war ein voller Erfolg, die Demonstranten wussten sich gut behütet, es kam zu keinerlei Zwischenfällen oder offenen Anfeindungen unterwegs. Diskret verteilt begleiteten Polizisten die Kolonne auf der ganzen Länge und bildeten auch deren Abschluss.

Querdenker: "Nicht willkommen"

Es sei doch kompletter Unsinn, kommentierte Gemeinderat Philip Köngeter, der sich zusammen mit einem knappen halben Dutzend Demonstrationsgegner vor der Kirche aufgestellt hatte, wenn man im gleichen Atemzug die Bundesrepublik als Diktatur beschimpfe und sich von der Polizei dieses Staates bei seiner Demonstration schützen lasse. Die Welzheimer seien aber zu intelligent, um sich in die Irre führen zu lassen, so Köngeter, die Zahlen der Erkrankten, der Menschen in Quarantäne, in den Intensivstationen und nicht zuletzt der Verstorbenen sprächen für sich selbst. Aus diesem Grund habe man auch entlang des Demonstrationswegs Plakate aufgehängt, die deutlich machen sollen, dass in dieser Stadt Querdenker nicht willkommen seien.

„Coronawahnsinn stoppen“ lautete die Aufschrift auf dem tiefroten Banner, das dem Demonstrationszug vorangetragen wurde, der sich am Samstagmittag durch Welzheim zog. „Die Menschen müssen wachgerüttelt und darüber informiert werden, was in diesem Land geschieht“, begründete Stephan Schmidt seine Teilnahme an dem Demonstrationszug. Die seit Samstag geltende Ausgangssperre und der bevorstehende Lockdown – für Schmidt „Extremmaßnahmen, die mit der Zahl der Erkrankten in keinem Verhältnis

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper