Welzheim

Der Whiskytrain von Schorndorf nach Welzheim: Eisenbahnromantik gepaart mit gutem Whisky

Whiskytrain
Der Whiskytrain von Schorndorf nach Welzheim erfreut sich immer größerer Beliebtheit. © Benjamin Büttner

Im Verlauf einer fröhlichen Runde, erzählte Naturparkführer Walter Hieber, hätten sein Freund Volker Stahl und er miteinander die Idee vom „Whiskytrain“ durch den Schwäbischen Wald entwickelt, eine nur konsequente Idee, schließlich liege es nahe, die Liebe zu dem gebrannten Gerstengetränk von den Britischen Inseln mit der zur heimischen Natur zu kombinieren.

Der inzwischen schon vierte Whiskytrain startete am 3. Oktober mit 48 Teilnehmern pünktlich um 10.30 Uhr, nicht an dem weltberühmten Gleis 9¾ auf dem Bahnhof King’s Cross, aber immerhin an Gleis 5 in Schorndorf. Auf den ersten Blick hätte man meinen können, es handle sich um eine verspätete Vatertagsgesellschaft, die sich abseits der anderen Fahrgäste zusammengefunden hatte - überwiegend Männer mittleren Alters in wetterfestem Outfit, ein Probierglas für Hochprozentiges um den Hals gehängt. Auffällig allenfalls, dass mehrere unter ihnen Röcke trugen, und der eine oder andere seine bessere Hälfte an der Seite hatte. „Irgendjemand muss heute Abend schließlich fahren“, so die griffige Erklärung einer von ihnen.

Maske abnehmen zum Essen und Trinken

Zischend und fauchend kam kurz nach 10 Uhr die dampfgetriebene Personenzug-Tenderlok, Baureihe 64 Pt 3515 1’C1’, die Lokomotivführer Eberhard Möller und Heizer Benjamin Schmidt in den Bahnhof steuerten, zum Stillstand. Sie hatte an diesem Morgen ordentlich zu arbeiten, hatte der „DBK (Dampfbahn Kochertal) Historische Bahn e.V.“ doch Gepäck- und vier Personenwaggons angehängt, um das Fahrgastaufkommen auch tatsächlich bewältigen zu können. Dann kam die Stunde von Zugführer Markus Müller und Schaffner Benjamin Schärtel. Souverän sorgten sie dafür, dass unter dem Gewusel am Bahnsteig die Whiskyverkoster nicht verloren gingen und leiteten sie zum Zugende, wo sie von Hieber und Stahl in Empfang genommen wurden. „Walter ist im Gelände zuständig, ich für die Getränke“, so Stahls fröhliche Präsentation, nachdem er eindringlich auf Abstandsregeln und Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Gaststätten hingewiesen hatte.

Zum Essen und Trinken dürfe man die Maske allerdings abnehmen, versicherte er. Und kaum dass sich der Zug nach einem durchdringenden Pfiff fauchend in Bewegung gesetzt hatte und seinem Ziel - nicht Hogwarts, wie die wilde Waldlandschaft hinter Rudersberg und die schwindelerregenden Viadukte hätten vermuten lassen können, aber immerhin Welzheim - entgegenrumpelte, gab es für die fröhliche Gesellschaft bereits die erste Probe: Einen 18 Jahre alten Deanston aus den Highlands „mit ausbalanciertem Aroma nach süßer Eiche und Gerstenzucker, mit feiner Note von Heu, Getreide, Heidehonig und Toffee, wärmend, weich und süß, mit langanhaltendem und kräftigem Abgang“, wurde er von Stahl angesprochen, und von den versammelten Whiskyliebhabern begeistert geschlürft. „Wenn du jetzt nach einer Dose Cola fragst, um deinen Whisky zu verdünnen, dann werfen sie dich bestimmt aus dem fahrenden Zug“, brachte Marc Riediger an seinen Vater den altbekannten Scherz an. Für ihn handle es sich bei diesem Ausflug in zweifacher Hinsicht um Neuland, erklärte der. Einerseits sei er kein ausgesprochener Kenner, und mit der Schwäbischen Waldbahn sei er auch zum ersten Mal unterwegs. Aber er genieße beides, versicherte er, umso mehr, als Vater und Sohn auf Einladung ihres Bekannten Uwe Kugler aus Murrhardt unterwegs waren. Der wiederum erzählte, er habe sich selbst ein Geschenk bereitet. Als Caterer habe er schon so viele Whiskydegustationen miterlebt, bedingt durch seine Arbeit aber noch nie von Anfang bis zum Ende daran teilgenommen. Hartmut Kloster hat es aus Bad Kreuznach in den Whiskytrain verschlagen. Der Tipp für diese einmalige Kombination aus Dampflok und edlen Bränden sei von Bekannten gekommen, und er sei begeistert. Das letzte Mal sei er als junger Mann in den siebziger Jahren mit einem von einer Dampflok gezogenen Zug in Pakistan von Karachi nach Lahore gereist, erzählte er und begann in Eisenbahnromantik aus Kindertagen zu schwelgen, während die Reiseleiter Hieber und Stahl nicht nur über Hochprozentiges, sondern auch über die Schwäbische Waldbahn und deren einstige Bedeutung für Welzheim und dessen Hinterland berichteten.

Der Whiskytrain endete an diesem Morgen am Bahnhof Laufenmühle. Von dort ging es für die Teilnehmer in einem kurzen Fußmarsch hinab zur wildromantischen Klingenmühle. Dort wartete nicht nur ein gastfreundlich rauchender Schornstein, sondern auch der nächste zu verkostende Whisky: ein zwanzig Jahre alter Dailuaine Speyside aus den Fässern 11370 und 11371. Während eine kleine Gruppe den Genuss noch mit einer würzigen Sumatra-Zigarre verlängerte, widmeten sich ihre Mitreisenden bereits dem Mittagessen, einem deftigen Gulasch und einem mit Whisky-Likör verfeinerten Mandarinenquark, die notwendige habhafte Grundlage für das Nachmittagsprogramm: Eine Wanderung durchs Edenbachtal hinauf nach Welzheim, eine gruselige Begegnung mit dem „Monster von Loch Edenbach“ und eine weitere mit der charmanten Waldfee Leonie, ein Konzert der schottischen Folkband Can Seo und noch fünf weitere Whiskyproben, die letzte davon bereits auf der Heimfahrt, als die Schwäbische Waldbahn talwärts Richtung Schorndorf dampfte: dem Anlass geschuldet ein 48-prozentiger Laphroaig Lore NAS mit würzig kräftiger Rauchnote, mit einem Aroma, das an Bitterschokolade und Asche, zum Ende hin süß und malzig an geröstete Kastanien erinnerte.

Im Verlauf einer fröhlichen Runde, erzählte Naturparkführer Walter Hieber, hätten sein Freund Volker Stahl und er miteinander die Idee vom „Whiskytrain“ durch den Schwäbischen Wald entwickelt, eine nur konsequente Idee, schließlich liege es nahe, die Liebe zu dem gebrannten Gerstengetränk von den Britischen Inseln mit der zur heimischen Natur zu kombinieren.

Der inzwischen schon vierte Whiskytrain startete am 3. Oktober mit 48 Teilnehmern pünktlich um 10.30 Uhr, nicht an dem

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