Welzheim

Die Frage am Tag des Wassers (22. März): Ist genügend Trinkwasser vorhanden?

Hitze
Ist wirklich genügend Trinkwasser im Rems-Murr-Kreis und im Welzheimer Wald vorhanden? Auch an Spitzenverbrauchstagen? © Alexandra Palmizi

Der internationale Tag des Wassers am 22. März steht in diesem Jahr unter dem Motto „Das Grundwasser ins Bewusstsein rücken“. Dazu gehört auch, auf die elementare Bedeutung des Grundwassers für die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg hinzuweisen.

Landesweit entstammen rund 50 Prozent des Trinkwassers den Grundwasservorkommen, weitere 20 Prozent den Quellwasservorkommen, also dem Grundwasseranteil, der sich seinen Weg ans Tageslicht sucht. Bei einem Jahresbedarf von 650 Millionen Kubikmetern werden rund 460 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus Grundwasser gewonnen. Landesweit bewältigen rund 1300 Wasserversorgungsunternehmen diese Aufgabe für die Kommunen.

„Der Zweckverband Menzlesmühle bezieht rund 35 Prozent seines Wassers (rund 600.000 m³/Jahr) von der NOW. Es handelt sich um Grundwasser, das von der Landeswasserversorgung in den Fassungen bei Langnau gewonnen wird. Nach Desinfektion und Aufbereitung verkauft es die LW an die NOW und leitet es in deren Verteilsystem ein. Von dort erhält es die Menzlesmühle aus einem 4000m³-Speicher (Eschach Batschenhof) der NOW. Aktuell laufen die Planungen, um technisch den Bezug von der NOW um 20 Prozent zu erhöhen. 65 Prozent sind Eigenwasser (1,1 Mio. m³), das der Zweckverband Wasserversorgung Menzlesmühle aus seinen Brunnen und Quellen gewinnt“, sagt Geschäftsführer Hubert Barth vom Zweckverband Wasserversorgung der Menzlesmühle.

Wie sieht es mit Trinkwasserversorgung aus, sollte die Hitzewelle kommen?

Ist das Trinkwasser also gesichert? Wer in der ARD den Spielfilm „Bis zum letzten Tropfen“ vor kurzem sah, könnte einen anderen Eindruck haben. Martin Sommer, Bürgermeister von Lauterbronn, hat Probleme. Das Kleinstädtchen im Taubertal ist idyllisch, aber strukturschwach und stark von der Landwirtschaft abhängig. Je mehr Betriebe verloren gehen, desto größer werden die Sorgen des alleinerziehenden Vaters einer Teenagertochter um die Zukunft des Ortes und die kommunalen Finanzen. Silberstreif am Horizont ist das Angebot eines international agierenden Getränkeherstellers. Denn Lauterbronn verfügt über eine kommerziell nutzbare Ressource: ausgedehnte Grundwasservorkommen von sehr guter Qualität.

Die Firma PureAqua in Gestalt ihres Deutschland-Repräsentanten Rainer Gebhard macht ein lukratives Angebot für Entnahmerechte, sichert Arbeitsplätze zu und wird von der Landespolitik unterstützt, für die Julia Roland, Referentin für Wasser im Umweltministerium, im Einsatz ist. Mit einem Gutachten, das Lauterbronn quasi unerschöpfliche Tiefenwasservorräte bescheinigt, werden mögliche Einwände beruhigt, auch die von Martin. Er setzt sich für den Deal ein und gibt Land für eine Probebohrung frei. Trotzdem formiert sich Widerstand, der immer heftiger wird. Ava, Martins Tochter, stellt sich vehement gegen die Pläne ihres Vaters und wird zur Frontfigur einer Bürgerinitiative.

Der Protest gegen den Ausverkauf der Wasserrechte ist lautstark und kämpferisch. Ganz besonders erbittert ist er bei dem Bauern Bernhard Schultz, der nicht verhindern konnte, dass auf von ihm gepachteten Land der Brunnen gebohrt wird. Sein Hof leidet ohnehin unter der zunehmenden Trockenheit, die Privatisierung der Grundwasservorkommen ist für ihn ein Skandal, auf den er mit drastischen Mitteln aufmerksam macht. Mit so viel Gegenwind hat Martin nicht gerechnet.

Und von Julia Roland und der Politik fühlt er sich im Stich gelassen. Martin erwägt, zurückzurudern. Aber ist das überhaupt noch möglich?

NOW und Menzlesmühle reagieren auf den Spielfilm „Bis zum letzten Tropfen“

Wer diesen ARD-Spielfilm sehen möchte, kann dies unter https://www.daserste.de/unterhaltung/film/unser-wasser/film/index.html in der ARD-Mediathek tun. Doch die Wasserversorger, in erster Linie der Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) und auch die heimische Menzlesmühle im Welzheimer Wald, können und wollen die Aussagen in diesem Film nicht so stehenlassen. Die Dreharbeiten für den Film fanden im Main-Tauber-Kreis rund um Weikersheim statt.

„Als kommunaler Fernwasserversorger ist es der NOW ein wichtiges Anliegen, auf die Bedeutung von Trinkwasser für unsere Gesellschaft und den Schutz unserer wertvollen Wasserressourcen hinzuweisen. Auf Anfrage der ARD war die NOW deshalb dazu bereit, das Wasserwerk Bronn bei Weikersheim als Schauplatz zur Verfügung zu stellen. Da der Film eine fiktive und überspitzte Geschichte zeigt, die in einigen Punkten von der Realität deutlich abweicht, könnte es vermehrt zu Anfragen in den Rathäusern zum Thema Trinkwassersicherheit kommen“, erklärt Dr. Jochen Damm, Geschäftsführer der NOW.

„In unserem Alltag ist es selbstverständlich, dass beim Öffnen des Wasserhahns jederzeit ausreichend Trinkwasser in bester Qualität fließt. Die NOW findet es daher positiv, dass der Film das Thema Wasserversorgung mehr in den Fokus der Öffentlichkeit bringt. Gleichzeitig zeigt sich durch den Spielfilm – wenn auch aus dramaturgischen Gründen überzeichnet –, dass Trinkwasser ein sehr wichtiges Gut ist, das in öffentliche Hand gehört. Dies gilt es auch in Zukunft beizubehalten. Bei der Abwägung der Nutzung unserer Wasserressourcen muss die öffentliche Wasserversorgung Vorrang vor rein wirtschaftlichen Interessen haben“, so Dr. Jochen Damm.

Die Versorgung ist aktuell gesichert, da es in öffentlicher Hand ist

Im Film findet ein Rückgang des Grundwasserpegels statt, wodurch die öffentliche Wasserversorgung zusammenbricht. „Hierzu möchten wir klarstellen, dass die Versorgung der Verbandsmitglieder durch die NOW aktuell gesichert ist und wir derzeit keinen Anlass sehen, dass dies in naher Zukunft anders sein sollte. Selbst im sehr lang anhaltenden Sommer 2018 konnte die NOW den Bedarf der Verbandsmitglieder jederzeit abdecken. Wie damals bei der Verbandsversammlung 2018 berichtet, verfügte die NOW selbst an Spitzenverbrauchstagen noch über Reserven“, bestätigen Damm und auch Barth.

„Die Ausgangslage für die NOW mit Blick auf den Klimawandel ist gut. Die in den letzten Jahren gemeinsam mit Verbandsmitgliedern über Gemeindegrenzen hinweg umgesetzten Versorgungskonzeptionen haben dazu geführt, dass die Versorgungsstrukturen durch den Bau neuer Leitungen und Wasserwerke modernisiert wurden und dadurch mehr Grundwasser für die Wasserversorgung zur Verfügung steht. Somit steht auch bei leicht rückläufiger Tendenz noch Potenzial beim Grundwasser zur Verfügung“, berichtet Damm. Die Wasserversorgung im Verbandsgebiet der NOW und auch der heimischen Menzlesmühle sei aktuell gesichert und „die Herausforderungen der Zukunft gehen wir bereits jetzt aktiv an“, sagt Dr. Jochen Damm.

Info

Die NOW veranstaltet am 15. Juli von 13 bis 19 Uhr einen Tag der offenen Tür im neuen Wasserwerk Murrtal bei Burgstetten (Rems-Murr-Kreis). Nähere Informationen zur Veranstaltung werden rechtzeitig auf der Homepage (www.now-wasser.de) bereitgestellt. Ganzjährig öffnet die NOW auf Anfrage ihre Versorgungsanlagen für einen Blick hinter die Kulissen. Die Besichtigungen sind für Besuchergruppen (Vereine, Ausflugsgruppen, Schulklassen, etc.) kostenlos, auch in der Menzlesmühle. Anmeldungen per E-Mail an info@now-wasser.de.

Der internationale Tag des Wassers am 22. März steht in diesem Jahr unter dem Motto „Das Grundwasser ins Bewusstsein rücken“. Dazu gehört auch, auf die elementare Bedeutung des Grundwassers für die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg hinzuweisen.

Landesweit entstammen rund 50 Prozent des Trinkwassers den Grundwasservorkommen, weitere 20 Prozent den Quellwasservorkommen, also dem Grundwasseranteil, der sich seinen Weg ans Tageslicht sucht. Bei einem Jahresbedarf von 650

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