Welzheim

Dreister Dieb stiehlt Buchboxen vor der Haustür

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Die Boxen wurden gestohlen. Bei Regen werden die Bücher nun nass. © Christian Siekmann/ ZVW

Welzheim. „So war das nicht gedacht“, sagt eine Welzheimerin, die am Wochenende bestohlen wurde. Bereits im zweiten Jahr bietet sie eine Art öffentliches Bücherregal an. Regelmäßig nehmen die Welzheimer Bücher mit oder legen eigene Exemplare vor ihrer Haustür in Welzheim in die wasserdichten Buchboxen. Doch genau diese beiden Boxen wurden nun gestohlen.

„Zum Tauschen, Verschenken und Weiterschenken“ stand auf den beiden Plastikkisten. „Doch das war auf die Bücher bezogen, nicht auf die Boxen“, sagt die Welzheimerin, die ihren Humor noch nicht ganz verloren hat. Weil es in Welzheim kein öffentliches Bücherregal gibt, hat sie die Sache 2015 in die eigene Hand genommen und am Bürgersteig vor ihrem Haus zwei Boxen aufgestellt, in die sie regelmäßig neue Bücher legt, die die Welzheimer dann mitnehmen oder ausleihen können.

Austausch kam bei Leuten an

Zwei, drei Bücher wurden da am Tag im Vorbeigehen ausgeliehen. Manchmal legten auch andere Leseratten Bücher bei der Welzheimerin vor die Haustür, damit diese das private öffentliche Bücherregal bestücken kann und die Welzheimer mehr Auswahl haben. Nie habe sie daran gedacht, dass jemand sich die beiden Boxen unter den Nagel reißen könnte. Ihr Mann war da skeptischer.

Zwar waren die beiden Plastikboxen hochwertig, man konnte die Bücher dort auch beiden Regen trocken lagern, aber niemals hätte sie gedacht, dass jemand die Kisten klaut. Ihr Mann hat vielleicht mehr Krimis gelesen als seine Frau. Er hatte ihr schon mal mit kleinen Buchstaben ins Stammbuch geschrieben, dass er sich vorstellen könnte, dass irgendein Schlaumeier auf die Idee kommen könnte, die Boxen zu klauen.

Für ihn war das bloß eine Frage der Zeit. Seine Frau widersprach. Nun hat ihr Glauben an das Gute im Menschen ein paar Eselsohren erhalten.

 

Du sollst nicht stehlen!

Die Welzheimerin liebt Bücher, kauft auf Märkten immer wieder Nachschub und kriegt auch viele Exemplare geschenkt. Dann sortiert sie und stellt immer wieder neue Bücher in die Boxen. Das kam bisher gut an.

Nachbarn hatten sogar eine Lampe neben die Bücher gestellt, falls es mal dunkel wird. Doch abends hatte sie die Bücher immer wieder ins Haus geholt. Das hatte sie am Wochenende vergessen. Und prompt waren die Kisten weg.

Die Bücher lagen am Montagmorgen allerdings noch auf der Einfahrt. Eine Leseratte ist der Dieb nicht. Vielleicht hätte eine Bibel ihn abgehalten. Dort steht geschrieben: „Du sollst nicht stehlen!“

 

Hoffen auf das schlechte Gewissen

Oder er sollte Krimis lesen. Dann wäre ihm wohl aufgefallen, dass wohl nicht mal der kreativste Autor auf die Idee kommen würde, einen dreisten Dieb in einem schlechtem Roman Bücherboxen stehlen zu lassen. Zu abwegig. Zu absurd und zu blöd. Na ja. Nun sind die Boxen weg.

Die Welzheimerin hofft nun doch noch an das Gute im Menschen, dass der Dieb ein schlechtes Gewissen kriegt und die Boxen zurückbringt. Mehr als 300 Bücher habe sie noch für ihre Bücherboxen im Keller liegen. Wo sollen die jetzt hin? Immerhin hat der Dieb den kleinen Tisch stehenlassen. Der vermisst aber noch die beiden Kisten. „Bitte zurückhinstellen“, fordert die Welzheimerin, die hofft, dass der Dieb immerhin ein Leser der Welzheimer Zeitung ist, wenn er auch ansonsten Bücher verschmäht und lieber Boxen stiehlt.

 

Idee: Ein öffentliches Regal

Nun hat die Welzheimerin eine Idee. Der Verlust der Buchboxen wäre doch die Gelegenheit, dass die Stadt ein öffentliches Bücherregal anbieten könnte. So eine Einrichtung ist eine Art Schrank mit Büchern, der dazu dient, Bücher kostenlos, anonym und ohne jegliche Formalitäten zum Tausch oder zur Mitnahme anzubieten.

Es gebe doch den Poetenpfad, dort könnte die Verwaltung so einen Schrank aufstellen lassen. Sie würde sich auch als Helferin anbieten. Sie werde sich auf jeden Fall bei der Verwaltung melden und ihren Wunsch vortragen. So ein Regal würde Welzheim doch aufwerten, sagt sie. „Dann hätte die ganze Sache ja doch noch etwas Gutes“, sagt sie und sortiert die Bücher neu. Wir fragen ihren Mann besser nicht, was für ein Gefühl er bei dieser Idee hat.