Welzheim

Drogeriemarkt und Parkplatznot

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Muntere Gesprächsrunde im Mitgliederforum der Volksbank Welzheim zur Bürgermeisterwahl (von links): HGV-Vorsitzender Martin Kohnle, Stellvertreter Jürgen Müller, die Kandidaten Thomas Bernlöhr und Amanda Köhler Eisenmann, der Vorsitzende des Wirtschaftsforums Welzheimer Wald Karl-Thomas Starke und seine Stellvertreterin Sabine Kaesser. © Habermann / ZVW

Welzheim. Handel und Gewerbe: Wie ist die Lage in Welzheim, wie läuft die Entwicklung? Im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Welzheim am 11. März hat die Welzheimer Zeitung Kandidaten und kompetente Gesprächspartner zu einer rund zweistündigen Diskussionsrunde ins Mitgliederforum der Volksbank Welzheim eingeladen.

Kernpunkte der Diskussion waren der Wunsch des HGV nach mehr Gewerbeflächen auch für kleinere Betriebe in der Kernstadt und der Wunsch nach mehr Parkplätzen, aber auch nach mehr Kontrollen des ruhenden Verkehrs. Das Wohn- und Geschäftshaus am See mit dem konzipierten Drogeriemarkt Rossmann rückte in den Mittelpunkt. Die HGV-Vorstandsmitglieder Martin Kohnle und Jürgen Müller wiederholten ihre Bedenken für die Läden in der Welzheimer Innenstadt. Kandidatin Amanda Köhler Eisenmann, die selbst in der Innenstadt wohnt, sah ebenfalls keinen Bedarf für einen Drogeriemarkt. (Von den eingeladenen Bürgermeisterkandidaten konnten einige wegen Krankheit und anderen Wahlveranstaltungen nicht kommen).

Der Vorsitzende des Wirtschaftsforums Welzheimer Wald, Karl-Thomas Starke, lobte die gute Zusammenarbeit mit dem HGV. Während das Wirtschaftsforum mehr regional im Welzheimer Wald unterwegs sei, konzentrierten sich die Aktivitäten des HGV auf die Stadt. Der Handels- und Gewerbeverein arbeitet, wie HGV-Vorsitzender Kohnle meinte, an einer gemeinsamen Werbeplattform für die Welzheimer Händler und Betriebe. Außerdem sei mit den Vorbereitungen für die Leistungsschau im nächsten Jahr begonnen worden.

Gewerbefläche auch für kleine Betriebe

Jürgen Müller, Zweiter Vorsitzender des HGV, griff das Thema Ansiedlung von kleinen Betrieben in der Kernstadt an. Nicht jeder wolle ins große Gewerbegebiet in Breitenfürst ziehen. In der Kernstadt würden Gewerbeflächen für große Betriebe frei gehalten. Amanda Köhler Eisenmann kann sich durchaus vorstellen, diese Flächen künftig auch an kleinere Unternehmen zu vergeben. Thomas Bernlöhr versteht das Anliegen des HGV, gibt aber zu bedenken, dass es durchaus Sinn mache, Flächen frei zu halten. Manche Erweiterung und Neubauten heimischer Betriebe wären sonst am Standort nicht möglich gewesen.

Weil die Flächen im Remstal immer knapper würden, steige der Druck auch in Welzheim. Zudem seien die genannten freien Gewerbeflächen für kleine Zuschnitte nur schlecht geeignet. Das Thema sei komplex und letztendlich entscheide der Gemeinderat. „Wir werben weiter um Unternehmen, auch um kleine.“ Die derzeit bestehende Nachfrage nach Gewerbebauplätzen könnte zwar auf einen Schlag befriedigt werden, die Stadt stünde dann aber in den nächsten Jahren fast ohne bebaubare Fläche da, weil die weitere Erschließung neuer Gebiete wegen der schwierigen Planungs- und Genehmigungsphase Jahre dauere.

Entwicklungsmöglichkeiten beim Wohnungsbau

Beim Wohnungsbau hingegen, so Bernlöhr weiter, gebe es derzeit bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Zum einen würden am Stadtrand neue Flächen erschlossen, zum anderen sei es nach 43 Jahren gelungen das Filetstück im Schulareal zu erwerben, immerhin 3,2 Hektar groß. Auf diesem Areal sei auf jeden Fall unter anderem angedacht, eine Wohnbebauung vorzusehen. Wie es mit dem leerstehenden BayWa-Areal weitergeht, ist derzeit offen. Zumindest lässt sich die Stadt die Option offen, das Gelände zu erwerben und zu überplanen.

Karl-Thomas Starke lobt bei diesen und bei anderen Themen das gute und erfolgreiche Miteinander der Beteiligten. Seit zehn Jahren gebe es das Wirtschaftsforum und in dieser Zeit habe sich viel getan. Im Wettbewerb in der Region sei es wichtig, dass der Welzheimer Wald mit einer Stimme spreche, dann werde man auch gehört. Amanda Köhler Eisenmann sprach in diesem Zusammenhang den öffentlichen Nahverkehr an. Es sei eine Zumutung, wenn zu bestimmten Zeiten der Bus aus Welzheim nach Rudersberg zum Wiesel fahre und es erst nach einer Wartezeit mit dem Zug in Richtung Schorndorf weitergehe. „Da kann ich ja gleich das Auto nehmen.“ Morgens seien die Busse oft überfüllt, zu anderen Zeiten würden sie leer durch die Gegend fahren. Das zurzeit diskutierte Thema kostenloser Busverkehr hält sie für nicht bezahlbar, „auch wenn es wünschenswert ist“.

Betreeungskräfte für Kindergärten werden gebraucht

Probleme gibt es nicht nur im Busverkehr, sondern bei der Suche nach Betreuungskräften für die Kindergärten. Amanda Köhler Eisenmann schlug deshalb vor, das Modell Teilzeitausbildung für Erzieherinnen einzuführen.

Das Wirtschaftsforum hat in diesem Zusammenhang mit dem Tagesmütterverein das Bündnis für Familie mit ins Leben gerufen, um die interkommunale Zusammenarbeit zu verbessern und Betreuungslücken zu schließen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bekommt in der Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert. Seit Jahren schon, so Sabine Kaesser, stellvertretende Vorsitzende des Wirtschaftsforums, funktioniere die interkommunale Ausbildungsmesse hervorragend. Inzwischen kämen sogar schon Betriebe aus Backnang zu dieser Veranstaltung mit der Gefahr, dass junge Menschen aus dem Welzheimer Wald abgeworben werden.


Pro und Contra zum geplanten Drogeriemarkt

Der Handel sieht die geplante Ansiedlung des Drogeriemarktes Rossmann im Wohn- und Geschäftshaus Feuersee kritisch. Dort gebe es zum Beispiel auch Fotoapparate. „Die Ladengeschäfte jammern“, so Jürgen Müller, Zweiter Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins. „Das ist nicht der große Wurf.“ Müller sieht auf den Einzelhandel in Welzheim große Probleme zukommen.

HGV-Vorsitzender Martin Kohnle bereitet die Parkplatznot Sorgen. Mit weiteren Dienstleistern, die im Wohn- und Geschäftshaus am See angesiedelt werden sollten, würden auch zusätzliche Stellplätze benötigt. Das zentrumsnahe Parken sei ein Problem. Folge sei, dass manche zu den Einkaufszentren nach Lorch oder Rudersberg fahren.

„Keinen Mehrwert“ sieht die Kandidatin zur Bürgermeisterwahl in Welzheim Amanda Köhler Eisenmann, durch die Ansiedlung eines Drogeriemarktes. „Das war ein Schlag ins Gesicht für die Damen vom Drehpunkt.“ Bei den Supermärkten in der Umgebung gebe es genügend Drogeriemarktangebote. Und auf die Frage von Martin Kohnle, was im Welzheimer Angebot in der Innenstadt fehle, antwortete Köhler Eisenmann: „Ich vermisse nichts.“

Der Besatz mit Läden sei in Welzheim gut bis sehr gut, stimmt Thomas Bernlöhr bei. Die größte Lücke im Sortiment sei aber der Drogeriemarktbereich. Familien mit Kindern würden von „untragbaren“ Zuständen sprechen. Nach der Schlecker-Insolvenz habe es in Welzheim einen großen Aufschrei gegeben. Es sei schade, dass der Drehpunkt-Drogeriemarkt geschlossen wurde. „Das hat nicht allein mit Rossmann zu tun.“ Es wäre falsch, keinen Drogeriemarkt anzusiedeln.