Welzheim

Ehrenamt für Schwäbische Waldbahn: Förderverein leistet 80.000 Arbeitsstunden

Diesel und Wandern
Die Schwäbische Waldbahn ist vor allem dank der vielen ehrenamtlichen Helfer ein Besuchermagnet im Welzheimer Wald. © Gabriel Habermann

Bald dampft die alte 64.419 wochenends wieder zwischen Schorndorf und Welzheim, bläst ihren weißen Atem in den Himmel und zieht schnaubend und prustend ihre Waggons durch den Schwäbischen Wald. Der Betrieb der Schwäbischen Waldbahn, die sich in den vergangenen Jahren zu einem der Vorzeigeobjekte für den Fremdenverkehr im Schwäbischen Wald entwickeln konnte, ruhe eigentlich auf drei zuverlässigen Säulen, erklärte der in der Welzheimer Stadtverwaltung für das Marketing zuständige Benedikt Schwarz. Dies seien die in Crailsheim beheimatete DBK Historische Bahn e. V., die in den vergangenen elf Jahren für den regelmäßigen Fahrbetrieb gesorgt hat, der Förderverein Welzheimer Bahn e. V. und die Schwäbische Waldbahn GmbH. Unterstützt würde er durch treue Förderer und alle diejenigen, die ihren Beitrag leisteten, das Angebot der Tourismusbahn attraktiv zu gestalten.

Gesellschafter sind die Stadt Welzheim und der Förderverein Welzheimer Bahn

Bei der Schwäbischen Waldbahn GmbH (SWB) handle es sich um ein zugelassenes Eisenbahninfrastrukturunternehmen, führte deren Geschäftsführer Reinhold Kasian aus. Gesellschafter seien zu 60 Prozent die Stadt Welzheim und zu 40 Prozent der Förderverein Welzheimer Bahn. Geschäftszweck sei der Unterhalt der 11,3 km langen Bahnstrecke zwischen Rudersberg-Oberndorf und Welzheim mit ihren vier Haltepunkten Laufenmühle, Breitenfürst, Tannwald und Bahnhof Welzheim. Die Strecke selbst befinde sich im Eigentum des Zweckverbundes Wieslauftal und wurde im Jahr 2000 von der SWB gepachtet, mit der Verpflichtung, sie verkehrssicher zu unterhalten. „Die Strecke wurde nie offiziell stillgelegt, aber ab April 1988 nicht mehr befahren. Sie wurde ab 2007 reaktiviert und im Mai 2010 als Tourismusbahn wieder eröffnet“, so Kasian.

Aufgrund der Topografie sowie der zahlreichen Brücken und Erdbauwerke ist der Unterhalt sehr aufwendig

Die laufende Finanzierung erfolge über Trassengebühren, darüber hinaus durch Zuschüsse von Land, Rems-Murr-Kreis und der Stadt Welzheim. Aufgrund der Topografie sowie der zahlreichen Brücken und Erdbauwerke sei der Unterhalt sehr aufwendig. „An größeren Baumaßnahmen stehen kurz- und mittelfristig unter anderem die Sanierung eines Erdbauwerks bei der Klingenmühle, verschiedene Schienenwechsel, die Wiederherstellung des Bahnsteigs und Betriebshofs beim Bahnhof Klaffenbach/Althütte sowie die Sanierung des Igelbach-Viadukts und des Pfeilers am Strümpfelbach-Viadukt an.“ Beim Unterhalt der Strecke, betonte Kasian, leiste der Förderverein mit seinen ehrenamtlichen Mitgliedern einen unschätzbaren und großen Beitrag.

Als neue Aufgabe ist noch die Pflege des Bahnerlebnispfads hinzugekommen

Diesen Beitrag bezifferte Johannes Friz, der Vorsitzende des Fördervereins, auf bisher ca. 80.000 Arbeitsstunden. Der Verein, so Friz, habe im Augenblick ca. 210 Mitglieder, zwischen zehn und fünfzehn Aktive würden sich zwischen Januar und Dezember bei jedem Wetter zum Arbeitseinsatz treffen. Denn mit der Eröffnung im Jahr 2010 sei es nicht getan, die Strecke müsse weiter gepflegt werden, es gelte, Signalanlagen, Weichen und den Wasserkran in Welzheim regelmäßig zu warten, neu zu schottern, Gräben und Wasserdurchlässe zu säubern, in Zusammenarbeit mit den Forstbehörden ein Zuwachsen der Strecke zu verhindern und die Strecke auf ihre Befahrbarkeit hin zu kontrollieren. Als neue Aufgabe sei noch die Pflege des Bahnerlebnispfads hinzugekommen, der es ermögliche, die Bahnstrecke aus einer völlig anderen Perspektive zu genießen. Bei der jährlichen Kontrolle durch die Landeseisenbahnaufsicht, berichtete Friz stolz, erziele man stets überdurchschnittlich gute Noten und könne eine Strecke vorweisen, die besser gepflegt sei als so manche, die von einem öffentlichen Unternehmen betrieben werde.

Es handelt sich um Heimat, die man beim gemeinsamen Arbeiten erleben kann

Um sich derart ehrenamtlich zu engagieren, so Friz, brauche es viel Idealismus, dazu Begeisterung für die Eisenbahn und die Landschaft, durch die diese unheimlich schöne Strecke führe. Es handle sich um Heimat, die man beim gemeinsamen Arbeiten erleben könne. „Wenn man einmal sein Herz an sie verloren hat, dann fühlt man sich dazu verpflichtet, dieses einmalige Kulturgut zu erhalten.“

Dazu hätten sich die unterschiedlichsten Leute zusammengefunden, der Älteste sei 90, Mitstreiter kämen aus Stuttgart, sogar aus dem Filstal herüber. Die Altersstruktur der Vereinsmitglieder bewege sich „zwischen 50 und 70“, aber darunter gebe es auch zwei, drei junge Aktive, die so gut wie jeden Samstag mit dabei seien. „Die gemeinsame Arbeit an der frischen Luft hält jung und gesund, da braucht es kein Fitnessstudio.“

Nur dank des Ehrenamts läuft die Schwäbische Waldbahn

Die Bahn, räsonierte Friz, könne nur dank des ehrenamtlichen Engagements vieler betrieben werden. Dies gelte sowohl für die Strecke wie auch für das fahrende Material, das von der DBK Historische Bahn e. V. gestellt werde. Die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen habe sich über die Jahre hinweg bewährt, man arbeite Hand in Hand. Dies gelte auch für die Stadt, mit der man als gemeinsame Gesellschafter der Schwäbischen Waldbahn GmbH verbunden sei. „Die Bündelung der Kräfte für unser gemeinsames Ziel ist sinnvoll“, so Friz. Er selbst sei vor 30 Jahren nach Welzheim gezogen und habe als Berufspendler erfahren, was es bedeute, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Stuttgart unterwegs zu sein. Aus dem Interesse heraus, mit dem er die Diskussion über eine Wiedereröffnung der Strecke verfolgte, habe sich sein Engagement entwickelt.

Bereits 1993 hätten die ersten Mitstreiter zunächst unkoordiniert damit begonnen, die Strecke freizuschneiden und darum zu kämpfen, dass sie nicht stillgelegt werde. Einen wichtigen Partner habe man damals im Schorndorfer Verein zur Unterhaltung der Wieslauftalbahn gefunden. Die Gründung des Vereins im Jahr 2000 sei dann der logische Schritt gewesen, um die juristischen, technischen und finanziellen Bemühungen zu bündeln. „Es dauerte dann noch zehn Jahre, bis wir es gemeinsam mit der Stadt schafften, dass die Strecke für den Freizeit- und Tourismusverkehr wieder eröffnet wurde.“

Bald dampft die alte 64.419 wochenends wieder zwischen Schorndorf und Welzheim, bläst ihren weißen Atem in den Himmel und zieht schnaubend und prustend ihre Waggons durch den Schwäbischen Wald. Der Betrieb der Schwäbischen Waldbahn, die sich in den vergangenen Jahren zu einem der Vorzeigeobjekte für den Fremdenverkehr im Schwäbischen Wald entwickeln konnte, ruhe eigentlich auf drei zuverlässigen Säulen, erklärte der in der Welzheimer Stadtverwaltung für das Marketing zuständige Benedikt

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