Welzheim

Ein Kleid aus Zeitungen in der Welzheimer Kur-Apotheke: Was steckt dahinter?

Kopie von Kur Apotheke
In der Kur-Apotheke in Welzheim (hier noch vor der Wiedereröffnung) können Kunden ein besonderes Ausstellungsstück begutachten. © Hinderberger

Man erwartet manches in einer Apotheke - Naturkosmetika, Hustenbonbons und selbstverständlich reichlich Medikamente. In der Kur-Apotheke an der Wilhelmstraße in Welzheim gibt es noch etwas anderes zu bewundern - eine grazile Puppe. Die steht (fast) lebensgroß neben einem Aufsteller mit weihnachtlichen Duftölen, das Mieder eng, ärmellos und am Ausschnitt mit Röschen verziert, lange Handschuhe als Accessoire, der Rock elegantes Plissee. Und das bezaubernd altmodische Outfit besteht zur Gänze aus - Zeitungspapier.

Wie ist sie da hingekommen? Ganz einfach - sie war eine Dekoration für das Schaufenster, erklärt Christian Köstlin, der in der ehemals eigenen Apotheke inzwischen als Filialleiter arbeitet; die Kur-Apotheke ist seit neuestem eine Zweigstelle der Apotheke am Kirchplatz. Und da Köstlin nicht viel davon hält, im Schaufenster bloß Pharma-Poster, hie und da ein überdimensionales Fieberthermometer und übergroße Verpackungen der Medikamente im Sortiment aufzustellen, hat er sich schon immer etwas anderes einfallen lassen - „wir sind auch anders“, meint er und lacht.

Damenkleid: Dauer-Ausstellungsstück in der Welzheimer Kur-Apotheke

Birgit Hafner ist Grafik-Designerin und eine Freundin von Köstlin. Sie hat ihm immer wieder geholfen, mit der Dekoration des Schaufensters Kunden anzulocken und zu überraschen. Das Zeitungskleid wurde zum Thema „Frauenleiden“ entworfen, und Köstlin fand es viel zu schade dafür, um irgendwo in einem Keller zu verstauben.

„Sie hat mir einen Freundschaftspreis dafür gemacht“, erzählt er. Also hat er beschlossen, dass die Puppe samt Zeitungskleid in der Apotheke bleiben darf. Wo es den in der Historie der Medizin bewanderten Betrachter daran denken lässt, dass man in der Periode, an die dieses Kleid stilistisch ein wenig erinnert, „Frauenleiden“ immer noch gern pauschal mit Laudanum behandelte.

Das bestand zu 90 Prozent aus Wein und zu 10 Prozent aus Opium, war jahrhundertelang überall verfügbar und preiswert - und machte hochgradig süchtig. Womit bewiesen wäre, dass der Erfinder des reichlich zweifelhaften Gebräus - ein gewisser Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493 - 1541) auch ein paar katastrophale Ideen hatte. Viel bekannter ist er übrigens unter dem Namen „Paracelsus“.

Das kreative, schöne Damenkleid aus Zeitungspapier von Birgit Hafner kann man bis auf weiteres in der Welzheimer Kur-Apotheke als Dauer-Ausstellungsstück besichtigen.

Man erwartet manches in einer Apotheke - Naturkosmetika, Hustenbonbons und selbstverständlich reichlich Medikamente. In der Kur-Apotheke an der Wilhelmstraße in Welzheim gibt es noch etwas anderes zu bewundern - eine grazile Puppe. Die steht (fast) lebensgroß neben einem Aufsteller mit weihnachtlichen Duftölen, das Mieder eng, ärmellos und am Ausschnitt mit Röschen verziert, lange Handschuhe als Accessoire, der Rock elegantes Plissee. Und das bezaubernd altmodische Outfit besteht zur Gänze

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper