Welzheim

Eine Geschichte von Gastfreundschaft beim Welzheimer Friedensgebet

FriedensGebet 1
Regionalbischöfin Gabriele Arnold und Martin Becker begrüßten coronakonform zahlreiche Gäste. © Privat

Um kurz vor sieben an diesem Montagabend steht eine große Leuchte vor dem Eingang der Kirche, in der ein Teelicht flackert. „Gemeinsam unterwegs“ steht daneben - auch wenn das in den Zeiten der Pandemie nicht mehr so reibungslos funktioniert wie sonst.

„Corona zerstört viel an Beziehungen“, meint Martin Becker, der das Friedensgebet seit Jahren leitet – umso wichtiger ist es, sich trotzdem zu sehen und miteinander zu beten, auch wenn die gewohnte, liebevolle Nähe dem achtsamen Abstand weichen muss. Und so zieht Regionalbischöfin Gabriele Arnold neben Martin Becker an spärlich besetzten Bankreihen vorüber in die Kirche ein.

Jeder Platz hat eine Nummer, jeder Besucher hat sich mit Namen und Adresse eingetragen, die vertraute Liturgie kann nicht gemeinsam gesungen werden. Ohne Musik bleibt der Abend dennoch nicht. Nachdem Martin Becker das Friedenslicht auf dem Altar entzündet und an die Freunde des Friedensgebetes erinnert hat, die nicht mehr leben, wird die Bischöfin mit einem Lied begrüßt, dass Ernest Atem extra für sie komponiert hat. „We welcome you, Bishop!“ Seine tiefe Stimme schallt durch die Kirche, und auch, wenn niemand sonst singen darf, Applaus geht immer, auch mit Maske. Sükran Seyhan liest ein Gedicht von Hilde Domin; „Ich mache ein kleines Zeichen in die Luft, unsichtbar, wo die neue Stadt beginnt, Jerusalem, die goldene, aus nichts.“

Die zarte Zerbrechlichkeit dieser Lyrik wirkt wie ein Sinnbild für den Konflikt, den das Friedensgebet in diesen besonderen Zeiten aushalten muss: ein Ort der Ruhe und Gemeinschaft, sein zu wollen, wo man sich begegnet und nahekommt – und es nur bedingt sein zu dürfen.

Ein Hauch Israel nach Welzheim

Zwischen gemeinsam gelesener Liturgie, Gebeten und Psalmtexten singt das syrische Ehepaar Abraham und Elisabeth Bahhi auf Aramäisch und bringt damit einen Hauch Israel in die Welzheimer Kirche. Und in ihrer Kurzpredigt bricht Gabriele Arnold eine Lanze für die fleißige Martha in der Bibel, die Jesus gemeinsam mit ihrer Schwester Maria willkommen heißt. Während sie für den Gast in der Küche steht und ihn bewirtet, sitzt Maria ihm zu Füßen und hört ihm zu. Beides gehört zum Glauben, erklärt die Bischöfin, und beides hat seine Zeit. Danach segnet sie die Kinder, die die Besucher zu ihr bringen, und das Friedensgebet geht mit einem Gebet und fröhlichen, afrikanischen Gesängen zu Ende.

„Das nehme ich mit nach Stuttgart, in meinem Herzen“, hat die Bischöfin gesagt, als sie sich für die Einladung bedankt hat. Und die Besucher können die Erinnerung an diesen besonderen Abend auch in ihrem Herzen mit nach Hause nehmen, genau wie sie.

Um kurz vor sieben an diesem Montagabend steht eine große Leuchte vor dem Eingang der Kirche, in der ein Teelicht flackert. „Gemeinsam unterwegs“ steht daneben - auch wenn das in den Zeiten der Pandemie nicht mehr so reibungslos funktioniert wie sonst.

„Corona zerstört viel an Beziehungen“, meint Martin Becker, der das Friedensgebet seit Jahren leitet – umso wichtiger ist es, sich trotzdem zu sehen und miteinander zu beten, auch wenn die gewohnte, liebevolle Nähe dem achtsamen Abstand

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper