Welzheim

Einschränkungen der Corona-Pandemie: So wirken sie bei Schülern in Welzheim nach

Schule Corona
Grundschüler haben viele Fragen. Doch in der Schule geht es nicht nur um das Lernen von Fakten. Symbolbild © adobe-stock - Marco Herrndorff

Viele Corona-Schutzmaßnahmen wurden zurückgenommen, das Infektionsgeschehen beruhigt sich. Doch die pandemiebedingten Einschränkungen der Vergangenheit wirken nach, zum Beispiel an den Schulen. Auch in Welzheim, weiß Michael Huy, der geschäftsführende Schulleiter. Wie sich das zeigt, was dagegen getan wird und was außerdem helfen würde, darüber hat er mit unserer Zeitung gesprochen.

Bei den Schülern ab der fünften Klasse macht der Pädagoge vor allem Auswirkungen fachlicher Art aus. Um Lernlücken aus zwei Schuljahren mit Schulschließungen aufzuholen, hat das Kultusministerium Baden-Württemberg ein Programm „Lernen mit Rückenwind“ erstellt. Es wird an allen Welzheimer Schulen genutzt.

Teilen lernen, den anderen zulassen, wahrnehmen, wie es dem Gegenüber geht

Bei den Grundschülern zeigen sich die Corona-Folgen vor allem im sozialen Bereich, so Huy. Bei Pausenspielen etwa heißt es: „Ich spiele. Das ist mein Spiel.“ Teilen lernen ist ein Thema, den anderen zuzulassen. Ein anderes ist das Wahrnehmen, wie es dem Gegenüber, dem Mitschüler, geht. Darf man ihn oder sie weiter ärgern, obwohl bereits das Signal kam: Es reicht? Solche Reaktionen zu erkennen, sich in andere Menschen einzufühlen, auch diese Fähigkeit hat durch Corona gelitten, stellt Michael Huy fest. Die Kinder hatten ja durch die Schließungen und Einschränkungen der Pandemie weniger Gelegenheit, sie zu üben.

„Jede Studie stellt fest, dass unsere Schüler immer weniger können“

Das hat Folgen für den Unterricht. „Wir haben diesen Bildungs- und Erziehungsauftrag“, ruft der Schulleiter in Erinnerung. Ist der Lehrer aber mehr erzieherisch gefragt als früher, hat er weniger Zeit für den Lehrstoff. Zu bedenken ist dabei: „Jede Studie stellt fest, dass unsere Schüler immer weniger können.“ So beispielsweise der sogenannte „IQB-Bildungstrend 2021“, der von der Kultusministerkonferenz in Auftrag gegeben und im Oktober veröffentlicht wurde. „Die Kompetenzen der Viertklässler in den Fächern Deutsch und Mathematik sind gegenüber den Ergebnissen aus den Jahren 2011 und 2016 bundesweit deutlich zurückgegangen“, stellt die Kultusministerkonferenz dazu auf ihrer Homepage fest.

Doch zurück nach Welzheim: Wenn es im Klassenzimmer nicht die Atmosphäre hat, dass man lernen kann, weil es etwa unruhig ist oder sich ein Kind nicht wohlfühlt, dann geht’s im Unterrichtsstoff nicht weiter. Müssen die sozialen Folgen der Corona-Pandemie mit aufgearbeitet werden, dann bleibt zum Lernen weniger Zeit.

Fachmann bringt Gewaltprävention und Regeln des Miteinanders nahe

Was kann eine Schule tun? „Wir machen ein Sozialtraining“, sagt Huy für die Bürgfeld-Gemeinschaftsschule, die er leitet. Das gab es bereits im vergangenen Schuljahr. Ein Fachmann von außerhalb bringt den Kindern mit einem sportlichen Zugang Gewaltprävention und Regeln des Miteinanders nahe. Die Bürgfeldschule zum Beispiel ist in Kontakt mit der Schulpsychologin des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung in Gmünd. Und: „Wir werden eine schulinterne Fortbildung machen zum Thema Umgang mit auffälligen Grundschülerinnen und Grundschülern.“ Die Hofgarten-Grundschule hat eine Lehrerin als Deeskalationstrainerin ausgebildet. Die Lehrer der Bürgfeld-Gemeinschaftsschule wollen sich für alle Schüler, größere und kleinere, in Richtung Erlebnispädagogik fortbilden, um durch gemeinschaftliche Erlebnisse auch soziale Fähigkeiten zu fördern. So schildert Huy Beispiele von Welzheimer Schulen.

Kinder in Gesellschaft bringen, ruhig auch ein wenig Geselligkeit „nachholen“

Was können Eltern tun? „Genau schauen, was braucht mein Kind“, rät Huy. Bewegung, Ausgleich, andere Kinder? Da lässt sich ansetzen. Die Kinder in Gesellschaft zu bringen, etwa im Vereinssport, bei der Jungschar oder durch Musik, das hält der Experte für gut, ruhig auch ein wenig Geselligkeit „nachzuholen“. Er weiß, dass manche Kinder nach Schule, Ganztags- und Kernzeitbetreuung bereits einen langen Tag hinter sich haben, und will sie an solchen Tagen natürlich auch nicht überlasten. Doch da vertraut er auf die Kompetenz der Eltern und hebt auch deren Engagement hervor.

Was würde den Schulen helfen, die Corona-Folgen aufzuarbeiten? „Für uns wäre es toll, wenn wir kleinere Klassen hätten.“ In einigen Jahrgängen gibt es tolle Verhältnisse, erzählt der geschäftsführende Schulleiter, in anderen aber große Klassen. Es geht darum, dass die Lehrkraft jemanden zur Seite hat, der mitarbeitet, einen pädagogischen Assistenten etwa. Eine junge Frau absolviert derzeit ihren Bundesfreiwilligendienst an der Bürgfeld-Gemeinschaftsschule. „Das ist ein echter Gewinn für uns.“ Huys Fazit: „Wir brauchen einfach Personal.“

Schulbands oder Schulchor „schwitzen wir uns echt aus den Rippen“

Dass die Lehrerversorgung an den Welzheimer Schulen bereits zum Schuljahresbeginn knapp war, davon hatte der geschäftsführende Schulleiter unserer Zeitung im Herbst berichtet und unterstreicht es erneut. Da ist der Pflichtbereich des Unterrichts: „Wir schaffen es noch einigermaßen mit den Lehrerstunden, ihn abzudecken.“ Der ergänzende Bereich mit Arbeitsgemeinschaften und außerunterrichtlichen Angeboten ist „kaum bis gar nicht mehr umsetzbar“. Schulbands oder Schulchor „schwitzen wir uns echt aus den Rippen“. Wenn die Welzheimer Realschule als Erasmus-Schule einen Austausch zum Beispiel nach Polen anbietet, das Limes-Gymnasium ein Skischullandheim oder die Schulband der Bürgfeld-Gemeinschaftsschule mit Auftritten unterwegs ist, ist es für die zuständigen Lehrer „eine große Aufgabe. Da braucht es schon viel Herzblut, teilweise auch Idealismus“.

Doch kommt auch viel zurück. Und Huy weiß um die Besonderheit solcher Erfahrungen: „Daran wird man sich zurückerinnern. Das sind die Eindrücke, die bleiben, die Erlebnisse, die Schule bietet.“

So ist es eine Gratwanderung für die Lehrer: Unternehmen sie etwas mit der Klasse und verzichten dafür auf Unterricht? „Es steht und fällt mit der Versorgung von Lehrern.“

Viele Corona-Schutzmaßnahmen wurden zurückgenommen, das Infektionsgeschehen beruhigt sich. Doch die pandemiebedingten Einschränkungen der Vergangenheit wirken nach, zum Beispiel an den Schulen. Auch in Welzheim, weiß Michael Huy, der geschäftsführende Schulleiter. Wie sich das zeigt, was dagegen getan wird und was außerdem helfen würde, darüber hat er mit unserer Zeitung gesprochen.

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Bei den Schülern ab der fünften Klasse macht der Pädagoge vor allem Auswirkungen fachlicher

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