Welzheim

Endlich wieder offen, doch wie lange: Das sagen Welzheimer Einzelhändler dazu

Schuih Höf
Die Schuhe können wieder im Laden angeschaut und probiert werden, außerdem gibt es Beratung: Auch das Schuhgeschäft Höfer begrüßt seine Kunden zurück. © Benjamin Büttner

Die Erleichterung, dass halbwegs Normalität einkehrt, ist spürbar. Dies melden Einzelhändler zurück. Doch die Sorge vor steigenden Neuinfektionen und erneuten Schließungen lässt sich nicht ausblenden. Panik bringt nichts. „Man muss sehr geduldig sein. Und Maß halten beim Bestellen neuer Ware“, findet Christine Höfer vom Schuhfachgeschäft aufbauende Worte für sich, aber zugleich für eine Branche, die durch harte drei Monate musste und der durch das entgangene Weihnachtsgeschäft heftige Umsatzeinbußen zugemutet wurden. Die erste Woche nach der Wiedereröffnung zeigt überwiegend ein mutmachendes Bild: In der Kleinstadt lebt man voneinander. „Solange das nicht verloren geht, ist Schwarzmalerei jetzt der schlechteste Ratgeber.“ Ein Trost für die Geschäftsinhaberin: „Es geht ja allen gleich. Es ist keiner im Vorteil - außer die Discounter, die in allen Sortimenten mitmischen, die sonst der Fachhandel verkauft.“

Die Kunden haben Lust auf neue Farben und Sachen

Sie lege zuversichtlich wieder los. Jetzt freue sie sich aufs Frühjahrsgeschäft. „Wir hoffen jetzt einfach, dass die Kunden uns treu bleiben.“ Die erste Woche sei vergleichsweise ruhig angelaufen. Doch das sei um diese Zeit, wenn das Wintergeschäft gelaufen sei, an der Schwelle zur neuen Saison, nichts Ungewöhnliches. „Viele sind erst mal noch zurückhaltend, warten noch aufs passende warme Wetter.“ Sie habe zudem Verständnis, dass die Kunden nicht sofort losrasen: „Man kann ja kein Geld ausgeben, wenn man nicht weiß, was übermorgen ist.“ Ihr Winterlager habe sie mit Click & Collect ganz gut reduziert. „Dadurch, dass es viel Schnee gab und man nichts anderes tun konnte, als spazieren zu gehen, haben die Leute ja Outdoor-Schuhe gebraucht.“ Jetzt sitzt sie in den Startlöchern, zuversichtlich. Die Sommerware sei fast vollständig da, die Leute hätten Lust auf neue Farben und Sachen.

Groß die Freude vor und hinter der Ladentheke

Das bestätigt Elke Döbele. „Wir hatten Highlife“, sagt die Inhaberin eines Modegeschäfts. „Die Kunden haben mit den Hufen gescharrt, froh, dass sie endlich wieder einkaufen und stöbern können.“ Sie und ihr Team hätten „gut zu tun gehabt, das hat uns sehr gefreut“, so die Modeexpertin, die ihre Kunden wie ihr Geschäft vermisst hat. Ein Vierteljahr Schließung sei „Horror“ gewesen. Bestellen und Abholen seien kein Ersatz. „Wir wollen beraten, wir kennen unsere Kunden, können auf sie eingehen.“ Groß darum die Freude vor und hinter der Ladentheke, dass „wir uns wiederhaben“.

"Die Kunden freuen sich, dass sie wieder in den Laden dürfen"

Gut angelaufen ist es auch bei Juliane Munz. „Die Kunden freuen sich, dass sie wieder in den Laden dürfen und bummeln können.“ Viele suchten in Ruhe nach Ostergeschenken - Spielsachen und Haushaltswaren seien da immer gefragt. Zwar sei Ostern nicht die Schenkzeit wie Weihnachten. Dennoch hofft Juliane Munz auf etwas Belebung durch das Ostergeschäft. „Sie schenken den Kindern was. Und es geht mit dem Garten wieder los, da sind Sachen für den Sandkasten und was zum Spielen für draußen gewünscht.“

„Wer kauft schon Kleidung unter Zeitdruck mit Blick auf die Uhr?“

Nicht kleinreden lasse sich allerdings die Sorge, dass sich das Wiedersehen im Laden bald wieder ändern könnte. „Die Angst ist schon groß“, räumt Juliane Munz ein. Mit der Inzidenz von 40 sei man womöglich schneller, als einem lieb sein kann, wieder oben bei 50. „Wir haben Bedenken.“

Im Fall steigender Neuinfektionen könnten Kunden bei Elke Döbele nur nach Terminvereinbarung zu festen Zeitfenstern einkaufen. „Termingeschäft ist für uns ein No-Go.“ Denn: „Wer kauft schon Kleidung unter Zeitdruck mit Blick auf die Uhr?“ Vieles werde spontan gekauft, angeregt durch das Vorbeigehen am Schaufenster. Oder es wird etwas Elegantes für einen besonderen Anlass gesucht. „Die Kundinnen wollen oft mehrere Sachen anprobieren, dafür reicht eine halbe Stunde oder Stunde nicht aus.“ Momentan verkaufe sich reduzierte Winterware noch gut. „Ansonsten sind die Kundinnen jetzt scharf auf die Frühlingskollektionen und frische Farben.“

"Blumen geben den Menschen Hoffnung"

Hungrig nach Farbtupfern erlebt auch Floristin Carola Baur ihre Kunden. Im Februar hatten Floristen, Gärtner und Gartencenter in Baden-Württemberg für frühere Öffnungen getrommelt. So war es Carola Baur vergönnt, am 1. März öffnen zu dürfen. Vor der Tür stehen Stiefmütterchen, Narzissen, Tausendschön. Die Welzheimer seien vom ersten Tag an wieder auf der Matte gestanden: „Und wenn sie nur ein Narzissentöpfchen oder ein kleines Primele mitgenommen haben, aber es war für sie ganz arg wichtig.“ Seit vergangenem Montag, als die anderen Geschäfte wieder öffnen durften, sei die Stadt „wieder etwas gefüllter“ gewesen, so die Blumenfachfrau. „Die Leute sind jetzt ganz anders drauf, weil sie sich wieder was Gutes tun können. Man sieht es ihnen im Gesicht an.“ Jeder Tag zeige ihr, dass ein schöner Blumenstrauß und eine farbige Topfpflanze „systemrelevant“ seien: „Blumen geben den Menschen Hoffnung und sie schenken Freude zurück, das hören wir so oft.“

Schließung des Einzelhandels: "Es war völlig unnötig"

Auch in der Buchhandlung stöbern Kunden wieder gern, Unterhaltung ist gefragt, „eben etwas, das gute Laune macht“, sagt Inhaber Werner Bredl. Die Umsätze hätten in der ersten Woche „etwas über normal“ gelegen. Dafür habe er in den letzten Monaten „sehr viel mehr Arbeit für den halben Umsatz“ gehabt. „Viele haben nicht verstanden, dass wir ausliefern. Andere klingelten an der Hintertür und verstanden nicht, warum sie nicht reindürfen“, erinnert er an die Lockdown-Zeit. Eher ein Buch mit sieben Siegeln sei für ihn die Schließung des Einzelhandels gewesen: „Es war völlig unnötig. Die Gefahr der Ansteckung liegt doch eher an den Sonderangebotstischen der Discounter.“ Der Einzelhandel habe seit Beginn der Pandemie alle Voraussetzungen für Sicherheit und Hygienemaßnahmen im Kundenverkehr erfüllt.

Die Erleichterung, dass halbwegs Normalität einkehrt, ist spürbar. Dies melden Einzelhändler zurück. Doch die Sorge vor steigenden Neuinfektionen und erneuten Schließungen lässt sich nicht ausblenden. Panik bringt nichts. „Man muss sehr geduldig sein. Und Maß halten beim Bestellen neuer Ware“, findet Christine Höfer vom Schuhfachgeschäft aufbauende Worte für sich, aber zugleich für eine Branche, die durch harte drei Monate musste und der durch das entgangene Weihnachtsgeschäft heftige

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