Welzheim

Enormer Anstieg bei Rauschgiftdelikten

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Die Polizei führte 2017 anlässlich ihrer DiS-Tage (Drogen im Straßenverkehr) eine Drogenkontrolle auf der B 14 durch. © Gabriel Habermann

Welzheim. Was die Kriminalstatistik betrifft, war 2016 in Welzheim ein schlechtes Jahr. In vielen Bereichen war die Kriminalität im Vergleich zu den Vorjahren stark angestiegen. Daher bat die Stadt Welzheim den Schorndorfer Revierleiter Markus Jatzko, zu berichten, wie sich die Statistik 2017 entwickelt hat. Durch mehr Präsenz und Prävention habe man die Zahlen teilweise deutlich senken können, so Jatzko. Aber es gab auch Wermutstropfen, unter anderem zwei Vergewaltigungen. Das Thema Rauschgift bleibt ein Problem.

Es ist immer die Frage, mit wem ich mich vergleiche. Das machte Bürgermeister Thomas Bernlöhr am Ende des Berichts von Markus Jatzko, Leiter des Polizeireviers Schorndorf, deutlich: In Welzheim gab es mehr erfasste Vorkommnisse als im größeren Murrhardt oder in Kernen, das größer sei und näher an Stuttgart liege, legte Bernlöhr den Finger in die Wunde. Welzheim müsse über einen personell gut ausgestatteten Polizeistandort verfügen, sprach er eine politische Forderung aus, die nicht an Jatzko ging, sondern an die Landesregierung: Der Polizeiposten dürfe nicht nur werktags und tagsüber besetzt sein, sondern durchgehend. Das werde aber, Stichwort anstehende Pensionierungswelle bei der Polizei, leider eher unwahrscheinlicher.

Das war nicht als Kritik an Jatzko oder an Manfred Brodtmann, Leiter des Polizeipostens in Welzheim, gemeint. Die gesunkenen Fallzahlen zeigten an, dass Polizeiarbeit wirke, so Bernlöhr weiter. Die gefühlte Polizeipräsenz im Welzheimer Wald sei, das hatte Jatzko auch vor einiger Zeit angekündigt, „deutlich gestiegen“, hielt er fest. Unter anderem wird das dadurch deutlich, dass in den vergangenen Monaten mehrfach Kontrollen durchgeführt wurden. Zuvor hatte Markus Jatzko die Zahlen präsentiert.

In Welzheim lebt es sich sicherer als im Landesdurchschnitt

Und hier wurde deutlich, dass es entscheidend ist, mit wem man sich vergleicht. Denn in Schorndorf lebt es sich z. B. nicht so sicher wie in Welzheim, hielt Jatzko fest, der bereits am Anfang ein Fazit zog: „In Welzheim lebt es sich sicher.“ Im Vergleich zum Vorjahr sei beispielsweise die Zahl der Gesamtstraftaten von 589 auf 514 zurückgegangen und die Aufklärungsquote um rund ein auf 57 Prozent gestiegen. Welche Delikt-Schwerpunkte gibt es in Welzheim? Knapp 30 Prozent aller Delikte sind Diebstahldelikte, gefolgt von Sachbeschädigung (17,5 Prozent), Körperverletzung (16,7 Prozent), Rauschgiftkriminalität (10,1 Prozent), Vermögens- und Fälschungsdelikten (7,4 Prozent), Sexualdelikten (1,4 Prozent) sowie sonstigen. Zweite Bemerkung von Markus Jatzko: „In Welzheim lebt es sicherer als im Landesdurchschnitt.“

Rauschgift: Enormer Anstieg und eine Rauschgifttote 

Dort gebe es rund 6000 Straftaten pro 100 000 Einwohner. In Welzheim seien es 4655, 12,6 Prozent weniger als 2016, wo die Zahl jedoch sehr hoch war. Die hohe Anzahl der Rauschgiftdelikte sei für eine Stadt wie Welzheim „außergewöhnlich“. Daher werde man den Ermittlungsdruck hochhalten, verdeckt ermitteln. Nachgefragt im Rathaus: Gibt es in Welzheim eine Drogenszene? Pressesprecher Uwe Lehar bejaht – und verneint: Das Phänomen sei seit Jahren, nicht erst seit der Ankunft der Flüchtlinge, bekannt. Es gebe eine „gewisse Szene“. Allerdings sei dies kein Problem, was im Alltag ins Auge falle. Hierbei handle es sich nicht um die sogenannten „harten Drogen“.

Markus Jatzko betonte zuvor, die Zahlen seien auch angestiegen, weil die Polizei aktiver geworden sei, somit seien mehr Fälle aktenkundig geworden. Die Rauschgiftkriminalität stieg von 2016 auf 2017 von 26 auf 52 Fälle an. 2015 waren es elf, 2014 28 Fälle. 2017 habe es sogar eine Rauschgifttote gegeben. Welzheim gelte in den vergangenen Jahren somit als lokaler Schwerpunkt in Sachen Drogen und Alkohol, räumte Jatzko ein. Hier werde in diesem Jahr daher erneut ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit gesetzt.

Zwei angezeigte Vergewaltigungen

Die Zahl der Fahrraddiebstähle ging enorm zurück, 60 Prozent. Die Zahl der Wohnungseinbrüche stieg auf 15 (2013: 9, 2015: 5). Allerdings würden sich hier die Investitionen der Haushalte in sicherere Fenster und Türen auszahlen. Immer mehr Täter müssten den Einbruchsversuch abbrechen, hielt Revierleiter Markus Jatzko fest.

Die Entwicklung der Straßenkriminalität pendle sich wieder auf einem Niveau von rund 80 Fällen pro Jahr ein. Darunter fallen beispielsweise Sachbeschädigungen. Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stiegen von vier auf sieben, so Jatzko. Darunter falle aber auch seit 2017 die sexuelle Belästigung. Doch gab es in Welzheim zwei angezeigte Vergewaltigungen, bedauerte Jatzko.

Der Schwerpunkt liegt bei jüngeren Tätern

Die Gewaltkriminalität sei rückläufig. Es habe seit 2014 kein Tötungsdelikt gegeben. Ebenso sei die Zahl der Gewaltdelikte im öffentlichen Raum gesunken, bleibe aber im Vergleich zu den Jahren zuvor hoch. Hier konzentriere sich das betroffene Gebiet auf die Innenstadt. Zwei Polizisten seien Opfer von Gewalt geworden – die von Frauen ausgegangen war. Bei den Tatverdächtigen liege der Schwerpunkt bei jüngeren Tätern. Bei den 18- bis 21-Jährigen sei die Zahl um 22 Prozent angestiegen.

Von 246 Tatverdächtigen, etwas weniger als 2016, waren 64 Nicht-deutsche – überwiegend türkischstämmig. Das sind 18 Prozent weniger als 2016. Allerdings liegt der Ausländeranteil bundesweit bloß bei rund 10,6 Prozent. Die Anzahl der tatverdächtigen Flüchtlinge ging von 31 auf 17 zurück. Für wie viele Taten diese 17 Personen (vor allem Syrer und Afghanen) allerdings verantwortlich sind, wurde nicht gesagt. Viele Straftaten würden innerhalb der Flüchtlingsunterkünfte stattfinden.

Zahl der Unfälle leicht angestiegen

Die Anzahl der Unfälle sei leicht auf 126 Fälle angestiegen, ebenso die Zahl der Unfälle unter Drogen- und Alkoholeinfluss. Positiv: Durch die Polizeiarbeit steige das Entdeckungsrisiko bei Unfallflüchtigen an.

Auch für 2018 rechne man mit rückläufigen Zahlen. Ein Schwerpunkt werde weiterhin auf dem Bereich der Prävention liegen. Polizeipostenleiter Manfred Brodtmann gibt an, man versuche weiterhin, die Präsenz im Welzheimer Wald hochzuhalten. Ziel sei es, dass sich immer eine Streife in diesem Gebiet aufhalte. Nach 2016 sei man gezwungen gewesen, gegenzusteuern, „und das geht nur durch Präsenz“.