Welzheim

Erstes Konzert in der Kultursäule Welzheim: „Schön, wieder Applaus zu hören“

Konzert Kultursäule
Mit Abstand und mit Maske – aber immerhin: Wieder Live-Kultur. © Gabriel Habermann

Neun Monate ist es her, dass die Kultursäule Welzheim das letzte Konzert veranstaltet hat; am vergangenen Samstag boten Jürgen Ohnemus (Gitarre) und Jochen Narciß-Sing (Violine) dem Publikum in der Eugen-Hohly-Halle zum ersten Mal wieder die Gelegenheit, Musik live zu erleben - und das auf einem begeisternd hohen Niveau.

Die Bühne befindet sich an diesem Abend um 19 Uhr überraschenderweise an der linken Seitenwand, die Bestuhlung zieht sich schräg durch die Halle, damit der nötige Abstand gewahrt bleibt; jeder Platz ist besetzt. „Ich bin ja froh, dass endlich wieder was stattfindet“, hat eine Dame vor der Halle kurz vorher noch gesagt. Das geht offenbar allen so. Niemand stört sich daran, dass man die Adresse auf der Eintrittskarte hinterlassen und selbstverständlich Maske tragen muss. Und Violinist Jochen Narciß-Sing fasst die allgemeine Vorfreude in einem Stoßseufzer zusammen: „Schön, wieder Applaus zu hören.“

Südamerikanische und jüdische Melodien

Das Konzert wird eröffnet mit dem berühmten „Libertango“ von Astor Piazzolla. Das Publikum bekommt eine erste Ahnung davon, was zwei Virtuosen mit Gitarre und Geige anstellen können, wenn sie ihr Handwerk wirklich beherrschen. Neben südamerikanischen Komponisten zieht sich jüdische Musik durch das Programm wie ein roter Faden … ob es die melancholische, schöne „Hebräische Melodie“ von Joseph Achron ist oder das Motiv „Jewish Town“ von John Williams aus „Schindlers Liste“. Der erste Teil des Konzertes endet allerdings mit einem Stück, das aus keiner dieser zwei Welten stammt: einer aufregend virtuosen Version der „Bohemian Rhapsody“ von Queen.

Anfänge in Buenos Aires

Die Musiker plaudern über die Komponisten, deren Werke sie spielen; viele der Arrangements stammen von Jürgen Ohnemus. Für die Geige, meint Narziß-Sing, gibt es eine Unzahl von Werken quer durch alle Musikepochen, Gitarristen müssen sich ihre Stücke oft selbst suchen und umschreiben, damit es „passt“. Das gilt auch für die „Histoire du Tango“ von Astor Piazzolla - drei Stücke, die schwungvoll und leidenschaftlich die Geschichte des Tangos in Argentinien erzählen, von den Anfängen in den Bordellen von Buenos Aires bis zu den Nachtclubs in den 1960er Jahren.

Improvisationen und ein Echo

In „Freilechs“ von Joel Engel (der im Russland des 19. Jahrhunderts jüdische Folklore sammelte) treiben sich Geige und Gitarre gegenseitig zu musikalischen Höchstleistungen an, aber das vielleicht beste Stück des Abends ist die „Improvisation über ein jüdisches Thema“. Die beginnt mit schwermütig-orientalischen Gitarrenklängen, als säße der Musiker beim Spiel in der spanischen Alhambra. Dann schält sich kraftvoll die Melodie von „Hava Nagila“ heraus, und man staunt, als die beiden Musiker auch noch ein Echo von „Smoke on the Water“ anklingen lassen. Das ist musikalisch ganz großes Kino, und das Publikum ist zu Recht hingerissen.

Der offizielle Teil des Konzertes endet mit einem Arrangement des Rockklassikers „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin, aber damit dürfen die beiden natürlich noch nicht von der Bühne. Es folgt ein Django-Reinhardt-Titel, den viele aus dem Film „Chocolat“ kennen, und ganz am Schluss noch einmal eine Zugabe von John Williams, das Titelthema aus „Schindlers Liste“, das den Abend leise, wunderschön und nachdenklich ausklingen lässt.

Neun Monate ist es her, dass die Kultursäule Welzheim das letzte Konzert veranstaltet hat; am vergangenen Samstag boten Jürgen Ohnemus (Gitarre) und Jochen Narciß-Sing (Violine) dem Publikum in der Eugen-Hohly-Halle zum ersten Mal wieder die Gelegenheit, Musik live zu erleben - und das auf einem begeisternd hohen Niveau.

Die Bühne befindet sich an diesem Abend um 19 Uhr überraschenderweise an der linken Seitenwand, die Bestuhlung zieht sich schräg durch die Halle, damit der nötige

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