Welzheim

Erstes Weihnachtsfest in Welzheim: Wie drei Ukrainerinnen fern der Heimat feiern

Ukrainerinnen
Das erste Weihnachten in Welzheim: Halyna Donchenko (von links nach rechts), Yuliia Samoilova und Nataliia Donchenko am festlich beleuchteten Kirchplatz. © Gabriel Habermann

Es ist ihr erstes Weihnachtsfest in Deutschland. Doch anders als ihre schwäbischen Nachbarn können sich Halyna Donchenko, Nataliia Donchenko und Yuliia Samoilova noch etwas Zeit lassen mit den letzten Vorbereitungen. Denn die drei Frauen aus der Ukraine feiern Weihnachten nach den Traditionen ihrer Heimat. Davon haben sie unserer Zeitung bei einer kleinen Kaffeerunde erzählt.

„Der Krieg war schon da“

Ihr erstes Weihnachtsfest in Welzheim werden sie gemeinsam feiern. Die Frauen sind miteinander verwandt. Sie stammen aus der Stadt Sumy im Nordosten der Ukraine. Halyna Donchenko ist 45 Jahre alt. In Sumy arbeitete sie in der Buchhaltung der Universität der Stadt. Sie hatte ihre Heimat verlassen und ist im April hier angekommen, gemeinsam mit ihren beiden Kindern. „Der Krieg war schon da“, erinnert sie sich an das Geschehen in der Heimat zurück. Sie hatten Angst gehabt. Mit dem Zug fuhren sie nach Polen und gelangten über die Grenze.

Yuliia Samoilova, 31 Jahre alt, in der Ukraine arbeitete sie als Ingenieurin für Lebensmitteltechnik, war zunächst in ein Gebiet geflohen, wo kein Krieg herrschte, und hatte sich dann mit einem Bus nach Deutschland aufgemacht. Im August kam sie mit ihren zwei Kindern hier an. Nataliia Donchenko, die Tochter von Halyna Donchenko, ist 22 Jahre alt und hat in der Ukraine Sprachen und Landwirtschaft studiert, um Lehrerin zu werden. Und ein College für Buchhaltung hatte die 22-Jährige belegt.

Dankbar für die Hilfe in Deutschland

Aus der Heimat konnten die Frauen nur das Nötigste mitnehmen, es musste schnell gehen. Nein, sagen sie, sie brauchen nichts, sie haben im Moment alles. Sie haben in Welzheim eine Wohnung von der Stadt erhalten. Sie sagen auch, sie seien dankbar für alles, was Deutschland für sie getan habe.

Für Weihnachten haben sie auch einen kleinen Weihnachtsbaum. Der gehört in der Ukraine ebenfalls zum Fest. Der 24. Dezember ist für die Ukrainerinnen jedoch nicht der festlich begangene Heiligabend. Wie das zusammenhängt, das hat Yuliia Samoilova vorab fein säuberlich auf ein Blatt Papier notiert und schiebt es über den Tisch.

„Die meisten Menschen in der Ukraine feiern Weihnachten am 7. Januar“

„2019 gab unser Land offiziell bekannt, dass wir in der Ukraine nun am 25. Dezember Weihnachten nach dem gregorianischen Kalender feiern werden“, heißt es da. „Aber die meisten Menschen in der Ukraine feiern Weihnachten am 7. Januar.“ Am 6. Januar begehen sie den Heiligen Abend. „Daher gehen die meisten Menschen am Morgen des 6. Januar in die Kirche. Und am Abend versammelt man Verwandte und Freunde um den Tisch, auf dem zwölf Fastengerichte stehen sollen“, so Yuliia Samoilova.

Die zwölf Fastengerichte entsprechen alten Traditionen. Aus Verbundenheit mit Deutschland wollen Yuliia Samoilova, Halyna und Nataliia Donchenko in diesem Jahr wahrscheinlich auch ein deutsches Gericht zubereiten. Am Heiligen Abend singen die Kinder in der Ukraine Weihnachtslieder und bekommen Süßigkeiten.

Am 7. Januar werfen die Jungen morgens Weizen. Damit wünscht man sich Gesundheit und Glück. Am 7. Januar „treffen wir uns mit unseren Patenkindern und Paten unserer Kinder“, hat Yuliia Samoilova zur Tradition in der Ukraine notiert. Gelöst, ja lebhaft wird die Kaffeerunde, als die Erinnerungen wach werden, die Frauen lächeln.

Geschenke gibt es natürlich auch in der Ukraine. Traditionell bringt die das Pendant zum deutschen Weihnachtsmann, und zwar in der Silvesternacht. Da dürfen die Kinder dann lang aufbleiben.

Wünsche: Frieden in der Ukraine, und Zusammensein mit der Familie

So wird Weihnachten in der Ukraine gefeiert. Halyna Donchenko und Yuliia Samoilova sind nun mit ihren Kindern in Welzheim, und sie sind zum Fest beisammen.

Aber ihre Ehemänner, sie durften das Land nicht verlassen, und die Eltern sind in der Ukraine geblieben. Per WhatsApp, Handy und über das Laptop halten sie Kontakt. Die Situation in ihrer Heimatstadt ist schwierig, erzählen die Frauen, und ihre Gesichter sind wieder ernst, tapfer. Russische Raketen setzten der Stadt und den Menschen zu, die Infrastruktur sei kaputt, stundenweise gebe es keinen Strom und keine Internetverbindung, kein Wasser, es sei kalt, erzählen Halyna Donchenko und Yuliia Samoilova. Ihre Familien würden aber noch ihre Wohnungen haben, sie hätten Essen und bekämen Hilfe.

So sind die Gedanken der Frauen auch an Weihnachten immer mit in ihrer Heimat. Was sie sich zu Weihnachten wünschen, das liegt auf der Hand. „Frieden in der Ukraine.“ Und zusammensein mit der Familie.

Es ist ihr erstes Weihnachtsfest in Deutschland. Doch anders als ihre schwäbischen Nachbarn können sich Halyna Donchenko, Nataliia Donchenko und Yuliia Samoilova noch etwas Zeit lassen mit den letzten Vorbereitungen. Denn die drei Frauen aus der Ukraine feiern Weihnachten nach den Traditionen ihrer Heimat. Davon haben sie unserer Zeitung bei einer kleinen Kaffeerunde erzählt.

„Der Krieg war schon da“

Ihr erstes Weihnachtsfest in Welzheim werden sie gemeinsam feiern. Die

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