Welzheim

Erzieherin Margit Schüle gibt Tipps, wie das Backen zu Hause ein Erlebnis wird

Backenmitkindern
Gemeinsam backen macht Spaß. © Gaby Schneider

Der wirtschaftliche Abschwung kündigte sich bereits Ende letzten Jahres an. Hinzu kamen Handelsstreitigkeiten der USA mit China und der EU, der Brexit und die Frage der Zukunftsfähigkeit der Automobilindustrie in Deutschland. Im März kam dann noch Corona ums Eck. So einiges ist nun durcheinandergeraten, um es simpel zu formulieren. Im großen Weltgeschehen wie im ganz individuellen persönlichen Umfeld. Gerade jetzt sehnen sich die Menschen nach Halt und Tradition.

So wie Margit Schüle auch. Die Erzieherin steht in ihrer Küche. Regelmäßig alle zwei Wochen knetet sie Teige. „Ich genieße es, wenn es nach Brot duftet, das erinnert mich an meine Kindheit!“, schwärmt sie. Ihre Mutter hatte regelmäßig für die Familie mit drei Kindern gebacken. Es war selten, dass Brot gekauft wurde, erinnert sich Schüle.

"Ein selbst gebackenes Brot schmeckt einfach gut"

Allein die Namen verheißen Leckeres: vom Schwarzwälder Landkruste über eine Joghurtkruste bis hin zum König-Ludwig-Brot reicht das Repertoire, welches die Erzieherin nach und nach ausprobiert hat. Sie lässt die Teige ruhen: 24 oder auch 48 Stunden. Denn schon unsere Vorfahren wussten: Wer dem Teig Zeit gibt, braucht auch weniger Hefe. Gerade mal erbsengroß ist die Menge und das macht das Brot auch so bekömmlich. Kalt angerührt gelingt so auch gut ein Teig für Baguettes und Pizza. Roggen-, Weizen- und Dinkelmehl und eventuell noch Brotgewürz bezieht sie aus einer regionalen bekannten Mühle.

Auch die Eltern von Schüle freuen sich auf eine regelmäßige Lieferung, mit Mundschutz, des Selbstgemachten. „Ein selbst gebackenes Brot schmeckt einfach gut“, lobt der rüstige Senior. Seine Lieblingssorte wird mit würzigem Bier zubereitet und das schmeckt dann einfach kräftiger, verrät die Tochter augenzwinkernd.

Sich auf die Einfachheit und Ursprünglichkeit einlassen

„Als Corona anfing, bin ich viel spazieren gegangen“, erinnert sich Schüle. Sie bereitete im Frühjahr viele Gläser voll Bärlauchpesto. Wie schön, wenn die Tochter ein Bild vorbeischickte, wenn sie diese Pasta mit Pesto von der Mutter zubereitet hatte. Auch in ihrem kleinen Garten wuchsen Tomaten und Zwiebeln und es machte sie glücklich, diese nach und nach ernten zu können. Es ist dieses wahrlich gute Gefühl, sich auf die Einfachheit, die Ursprünglichkeit der Dinge einzulassen. Viele Menschen haben dies im Shutdown wahrgenommen und sich fest vorgenommen, dass das wiederentdeckte Verhalten Einzug in ihren zukünftigen Alltag erhält. Als die Apfelzeit näherkam, weckte sie ein: Apfelmus und Apfelchips entstanden und die Familie freute sich erneut. Ein wenig nachdenklich wird Schüle, die dem Vorstandsteam der Althütter Landfrauen angehört, wenn sie an die vielen ausgefallenen Veranstaltungen, die Koch- und Backkurse und Ausflüge denkt. Die agilen und umtriebigen Landfrauen sind auch zum Innehalten genötigt. Im evangelischen Kindergarten mit rund 60 Kindern ist die Erzieherin nun mit neuen Anforderungen konfrontiert, damit der Kindergartenbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Die Kinder dürfen nun beispielsweise nicht mehr selbst das Essen schöpfen oder etwa Salat zubereiten. Bei der Erntedanksuppe durften sie helfen, da die Zutaten alle gekocht wurden. Mit Mundschutz und Handschuhen werden dann die Essen ausgegeben: ein neuer Alltag. Man denkt in diesen Tagen wieder an vieles, wofür man zuvor keine Zeit hatte. „Die Menschen zu treffen ist schwieriger geworden, aber es gibt auch viel Positives und wir können ja noch rausgehen in die Natur. Auf jeden Fall freue ich mich immer aufs Brotbacken!“

Rezept für eine König-Ludwig-Kruste

König-Ludwig-Kruste

Zutaten:

520 g Wasser

10 g Hefe

1 Tl Honig

420 g Roggenmehl 1150

240 g Dinkelvollkornmehl

150 g Weizenmehl 550

20 g Salz

1 gehäufter Tl Brotgewürz

Je nach Wunsch:

40 g Sonnenblumenkerne

Zubereitung: Hefe und Honig im lauwarmen Wasser auflösen. Alle übrigen Zutaten zugeben und zu einem Teig verkneten. Rund fünf Minuten mit der Knetmaschine. Den Teig zugedeckt rund zwei bis drei Stunden an einem warmen Ort gehen lassen. Danach den Teig auf einer bemehlten Fläche zu einem Laib falten und in einen Römertopf oder einen gusseisernen Topf setzen, bemehlen und einschneiden. Im vorgeheizten Backofen mit Deckel bei 250 Grad Ober-/Unterhitze rund 1 Stunde backen. Deckel abnehmen und nochmals 5 bis 10 Minuten nachdunkeln lassen. Gutes Gelingen!

Der wirtschaftliche Abschwung kündigte sich bereits Ende letzten Jahres an. Hinzu kamen Handelsstreitigkeiten der USA mit China und der EU, der Brexit und die Frage der Zukunftsfähigkeit der Automobilindustrie in Deutschland. Im März kam dann noch Corona ums Eck. So einiges ist nun durcheinandergeraten, um es simpel zu formulieren. Im großen Weltgeschehen wie im ganz individuellen persönlichen Umfeld. Gerade jetzt sehnen sich die Menschen nach Halt und Tradition.

So wie Margit Schüle

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