Welzheim

Evangelische Kirchengemeinde Welzheim/Rienharz sucht weiter einen Geschäftsführenden Pfarrer

Markus Frasch
Markus Frasch war der Geschäftsführende Pfarrer der evangelischen Verbundkirchengemeinde Welzheim und Rienharz. Er ist nun Dekan in Böblingen. © Benjamin Büttner

Mitte September ist Markus Frasch, der ehemalige Geschäftsführende Pfarrer der evangelischen Verbundkirchengemeinde Welzheim und Rienharz, im Gottesdienst in der St.-Gallus-Kirche verabschiedet worden. Er ging nach Böblingen, um dort sein Amt als Dekan anzutreten (wir haben berichtet). Seitdem hat sich noch kein Nachfolger beziehungsweise keine Nachfolgerin für diese Stelle gefunden. Die Stelle sei zügig ausgeschrieben worden, das hatte Markus Frasch bereits im Herbst berichtet. Im Juni war’s, ergänzt Marius Böhmerle, Pfarrer zur Dienstaushilfe im evangelischen Kirchenbezirk Schorndorf.

Im Dienstzimmer des leeren Pfarrhauses übergangsweise ein Büro bezogen

Zwar ist das Welzheimer Pfarrhaus noch nicht wieder bewohnt, aber es sind dort doch nicht alle Lichter ausgegangen. Im Dienstzimmer des Hauses hat Marius Böhmerle übergangsweise sein Büro bezogen. Der 29-Jährige ist beim Kirchenbezirk beschäftigt und wurde von der Dekanin mit 50 Prozent des Dienstauftrags mit Aufgaben der Verbundkirchengemeinde Welzheim und Rienharz betraut.

Die Tätigkeiten des Geschäftsführenden Pfarrers, dazu gehören zum Beispiel die Personalverantwortung gegenüber den Mitarbeitern sowie der Kontakt zum Kirchengemeinderat und die Organisation der Treffen des Gremiums, hat kommissarisch Eberhard Bauer übernommen. Um klassische Aufgaben eines Pfarrers wie die Begleitung von Konfirmanden, seelsorgerische Aufgaben, Trauerfälle, die Begleitung trauernder Angehöriger, Geburtstagsbesuche und anderes im Gemeindebezirk des Geschäftsführenden Pfarrers kümmert sich Marius Böhmerle. Außerdem leitet er regelmäßig Gottesdienste für die ganze Kirchengemeinde in Welzheim und Rienharz.

Für Marius Böhmerle ist’s die erste Pfarrstelle, in der er als Geistlicher wirken kann, „im Probedienst“, wie er ergänzt. Was erlebt er in Welzheim und Rienharz? Eine Kirchengemeinde, die, wie derzeit wohl alle Gemeinden, damit beschäftigt ist, das Gemeindeleben in Pandemiezeiten zu gestalten, etwa in der Konfirmanden-Arbeit, der Kinderkirche oder im Umgang mit Festen, nennt Böhmerle Beispiele.

„Ich fühle mich sehr akzeptiert und freundlich angenommen“

Und er erlebt „eine große Offenheit mir gegenüber“, mit dem Bewusstsein, dass er nicht der Nachfolger von Markus Frasch ist. „Ich fühle mich sehr akzeptiert und freundlich angenommen“, sagt Böhmerle und bezieht dies auch auf den Kirchengemeinderat und die Mitarbeiter der Gemeinde. „Das hat den Start schon auch erleichtert.“ Der junge Pfarrer beobachtet hier zudem ein Bewusstsein für Engagement in der Kirchen-Mitgliedschaft und diese auch als Ausdruck von Gemeinschaft und Tradition. Böhmerle wird für Welzheim und Rienharz zuständig bleiben, bis ein neuer Geschäftsführender Pfarrer die Stelle antritt. Wann das sein wird, ist derzeit noch offen.

Woran könnte es liegen, dass das so ist? „Ich glaube, dass es viele Gründe hat“, sinniert Böhmerle. In Pandemiezeiten so einen Neubeginn zu wagen, da gebe es eine gewisse Zurückhaltung, nicht nur hier im Kirchenbezirk. Zum anderen handele es sich um eine große Stelle mit viel Verantwortung für Pfarrpersonen, die schon ein paar Jahre Gemeindeerfahrung mitbringen, vielleicht auch schon in der Geschäftsführung einer kleineren Kirchengemeinde. Die Verbundkirchengemeinde Welzheim und Rienharz sei eine große Kirchengemeinde und eine mit einer gewissen regionalen Strahlkraft im Welzheimer Wald, sagt Marius Böhmerle.

Demografische Situation der Pfarrer: „Es gibt immer mehr freie Stellen überhaupt“

Als schwierig erweise sich darüber hinaus die demografische Situation der Pfarrerinnen und Pfarrer, ergänzt der junge Geistliche einen weiteren Aspekt. „Das ist vielleicht sogar ein maßgeblicher Grund“, meint Böhmerle zur Stellensituation in Welzheim. „Es gibt immer mehr freie Stellen überhaupt.“ Eine Ruhestandswelle sei Anfang der 2020er Jahre in der Landeskirche angerollt und schon punktuell spürbar. Statistisch gesehen stehe aber nicht für jede Pfarrstelle, die frei wird, ein Pfarrer bereit. Auch künftig werde man weniger Pfarrstellen haben - und noch weniger Pfarrer, davon geht Böhmerle aus.

„Das ist kein Untergangsszenario“, stellt er klar. Auch die Kirchengemeinden würden kleiner werden, weniger Mitglieder haben, ähnlich wie Parteien, Vereine oder andere Institutionen. Da verantwortlich mit personellen und finanziellen Ressourcen umzugehen, solle selbstverständlich sein.

Was Böhmerle hier lernt, kann ihm bei Aufgaben in der Zukunft helfen

Doch zurück nach Welzheim. Obwohl Marius Böhmerle nun die Welzheimer und Rienharzer Gegebenheiten bereits näher kennt, er kann sich auf die ausgeschriebene Pfarrstelle hier nicht bewerben, da ihm die Erfahrung fehlt, stellt Böhmerle auf Nachfrage klar. Was er hier lernt, kann ihm aber bei Aufgaben in der Zukunft helfen.

Vielseitiges Aufgabengebiet: "Ein Wahnsinns-Lernfeld für einen jungen Pfarrer"

Derzeit gewinnt der junge Geistliche auch über seine Tätigkeit in Welzheim hinaus viele Einblicke in Distrikte und Bereiche des Kirchenbezirks. Marius Böhmerle verbringt die Hälfte seiner Arbeitswoche in Welzheim, doch sein Dienstauftrag ist auch davon abgesehen vielseitig: Er unterrichtet Religion, fungiert in Remshalden-Buoch als Ansprechpartner für den Kirchengemeinderat und übernimmt Aufgaben auf Bezirksebene im Austausch mit der Dekanin. Da arbeitet er an der Vorbereitung der Nacht der offenen Kirchen mit. Ein interessantes Aufgabengebiet. „Es ist sehr vielseitig, ein Wahnsinns-Lernfeld für einen jungen Pfarrer“, freut sich Marius Böhmerle.

Er selbst ist übrigens nicht in einem Pfarrhaus aufgewachsen. Vielmehr führten ihn der Religionsunterricht und Kirchentage an Fragen der Theologie heran. Böhmerle stammt aus Esslingen und hat in Tübingen studiert, ebenso wie zwei Semester in Berlin und zwei Semester in Rom als ökumenisches Studienjahr. Unter anderem studierte er dort an der evangelischen Waldenser-Fakultät und an einigen päpstlichen Hochschulen.

Mitte September ist Markus Frasch, der ehemalige Geschäftsführende Pfarrer der evangelischen Verbundkirchengemeinde Welzheim und Rienharz, im Gottesdienst in der St.-Gallus-Kirche verabschiedet worden. Er ging nach Böblingen, um dort sein Amt als Dekan anzutreten (wir haben berichtet). Seitdem hat sich noch kein Nachfolger beziehungsweise keine Nachfolgerin für diese Stelle gefunden. Die Stelle sei zügig ausgeschrieben worden, das hatte Markus Frasch bereits im Herbst berichtet. Im Juni

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